Seit Anbeginn der Uhrzeit teilt sich die Menschheit in zwei Gruppen: die notorischen Zuspätkommer und die Pünktlichen.
Ich selber gehöre zur zweiten Gattung und schätze Pünktlichkeit sehr. Woraus wiederum resultiert, dass sich - sofern ich mich mit einem Zuspätkommer verabrede - grundsätzlich meine Wartezeit auf das Maximum verlängert. Und während man wartet - im Regen, bei brütender Hitze oder mit wippendem Fuß und angespannter Nervosität - durchläuft man bekanntlich mehrere Phasen seines Gemütszustandes:
Nach ca. 5 Minuten tritt eine gewisse Unsicherheit auf, die Zeit oder Ort in Frage stellen. Waren wir wirklich HIER verabredet? War es tatsächlich 20 Uhr?
Nach weiteren 5 Minuten kommt eine leichte Besorgnis hinzu: Es wird doch wohl nichts passiert sein?
Nach insgesamt 15 Minuten und - im Winter - eingefrorenen Gliedmaßen steigert sich dann langsam die Wut. Im schlimmsten Fall hat der Zuspätkommer sein Handy wieder einmal ausgeschaltet und ich stehe wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend rum. Umspielt - und nicht förderlich für den Blutdruck - wird das Ganze von Menschenmassen, die mich mit bemitleidendem Blick anschauen: "Och, schau mal, ganz allein hier!"
Und es wird leer, und es wird ruhig. Ich warte. Ich danke den Smartphone-Erfindern, dank derer man wenigstens halbwegs beschäftigt aussehen kann, wenn man mit prüfendem Blick und wischendem Finger auf seinem Handy herumdaddelt. Währenddessen ärgere ich mich und tippe irgendein unnützes Zeug in mein Smartphone, in der Hoffnung, meine Wut so etwas zu drosseln.
Nach sensationellen vierzig Minuten erscheint ein grinsendes Gesicht in meinem Blickfeld. "Auf der Autobahn war Stau und ich habe keinen Parkplatz gefunden und eigentlich bin ich auch erst vor 5 Minuten losgefahren, es war alles so stressig heute."
Ich lächele, es ist nichts besorgniserregendes passiert und irgendwie muss ich mit dem irren Grinsen meine Wut unterdrücken, dass der Film bereits vor 15 Minuten begonnen hat und die Ausreden auch schon einmal besser waren.
Findigerweise merke ich mir vor, die Uhrzeit des nächsten Treffens mindestens eine halbe Stunde vorzuverlegen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht mit einer Verspätung von sensationellen 3 Stunden gerechnet und so stehe ich abholbereit um Punkt 11 Uhr an dem verabredeten Ort, während besagte Person nicht einmal aus den Federn gestiegen ist, wie sich im Nachhinein herausstellte. Wieder konnte ich analysieren, wie viele Gefühlsphasen man bei derart immensen Verspätungen durchlaufen kann. Es endet übrigens innerhalb der letzten Stunde in tiefster Wut und missglücktem Telefonterror - und einem Konzert, was - nach Erzählungen - der absolute Wahnsinn gewesen sein muss.
Gipfeln kann so etwas eigentlich nur, wenn man zu seiner eigenen Hochzeit und der voranstehenden kirchlichen Trauung eine halbe Stunde zu spät kommt. Und so haben wir alle gewartet und durchliefen wieder einmal sämtliche Phasen der Ungeduld und Wut.
Vermutlich würde es ein Zuspätkommer auch nicht pünktlich zu seiner eigenen Beerdigung schaffen - er hatte einen wichtigen Anruf und musste noch einiges klären...
Ein kollektives Zuspätkommen findet man übrigens zu einer Party. Die possierlichen Partygäste möchten nie die Ersten sein, schließlich sieht es nachher so aus, als hätte man nichts zu tun und würde den ganzen Tag auf die Party warten.
Also sitze ich um Punkt 20 Uhr mit Partyhütchen und Tröte auf der Couch - wartend .. und allein. Um 20:30 Uhr ist die dritte Flasche Bier leer, ich bin angetrunken, lutsche an dem 10. Käsehäppchen und habe eine gewisse Bettschwere.
20:45 Uhr: es klingelt. Ich schwanke zur Tür und empfange die Gäste. "Sind wir die ersten?" Als ich die Frage bejahe, sieht man in den Augen der frisch eingetroffenen Freunde ein kleines Stückchen Hoffnung zerbrechen. Um 00:00 Uhr trifft dann auch der letzte Gast ein, der Luft holt für seine Ausrede. "Lass es einfach... du bist da, das ist gut. Bier und Käsehäppchen sind aus."
Der moderne Mensch neigt ja zu einer gewissen Terminüberladung. Da schafft man nach Feierabend um 16:00 Uhr noch einen Arzttermin, Sport und das Treffen um 18:00 Uhr. Nur hat man a) den Stau nicht einberechnet, der überraschend - wie jeden Donnerstag - auftritt, und b) nicht daran denken können, dass sich beim Arzt eine Wartezeit von 45 Minuten ergibt oder c) die Bahn AUSNAHMSWEISE Verspätung hat.
Und so sitzt man wutentbrannt im öffentlichen Verkehrsmittel oder im Auto - je nach Belieben und Planung - mit geröteten Augen und ein wenig Schaum vor dem Mund.. und wartet. Und flucht leise in sich hinein, tippt wütend auf dem Handy herum.
Und dann denkt man auf einmal daran, mit WEM man sich trifft. Und man begreift, dass die Verspätung dieses Mal den anderen trifft. Die eigene Wartezeit um ein vielfaches verkürzt wird. Süffisantes Lächeln und Erleichterung machen sich breit. Wird er gleich gucken, der Zuspätkommer, wenn ich dieses Mal später komme....
Es ist Sonntag, 20 Uhr. Ich stehe allein im Kino und warte.....
Sonntag, 20. Januar 2013
Freitag, 4. Januar 2013
Mensch vs. Roboter
Wie viele träumen nicht davon, dass ein kleiner Roboter den kompletten Haushalt erledigt, kocht, Kaffee bringt und die Wäsche bügelt. Und je mehr die Menschen dem Alltagsstress erliegen, desto mehr neumodischer Schnick-Schnack wird herangeschafft, um sich sämtliche Arbeiten zu erleichtern.
Ich hatte ebenfalls seit jeher eine Affinität für technische Spielereien, die bestenfalls noch den Alltag erleichtern. Schon als Kind schaute ich mit großen Augen begeistert den Vorspann der "Jetsons", in dem "George", der Familienvater, nicht einmal selbstständig aufstehen musste, sondern ein Roboter ihn aus dem Bett hievte, unter die Dusche schob, die Zähne putzte und einen Kaffee reichte. Für jeden Morgenmuffel ein kleiner Traum ... und vor allem die große Hoffnung, dass in ferner Zukunft ein solcher Automatismus in jedem Haushalt zu finden sei.
Leider muss ich mich noch alleine aus dem Bett treten und so hangel ich mich an jedem noch so kleinen Fortschritt weiter und teste aus, was möglich ist und was nicht. Angefangen hat es mit dem ersten bezahlbaren (!) Roboterstaubsauger vor 8 Jahren. Zumindest hat mich das kleine Kerlchen für 3 Stunden gefesselt, danach verschwand er unter einem Schrank und kam erst ein paar Jahre später beim Umzug wieder zum Vorschein. Was mich auf die Idee brachte, dass sich in der Entwicklung etwas getan haben müsste. Hat es auch. Der Fortschritt kostet bis zu 1.000 € mehr, kann sprechen, fährt wenigstens nicht mehr willkürlich im Kreis herum und schont auch freilaufende Hamster. Hat aber den 10fachen Preis meines ersten Pkw.
Ich beschließe, ein deutlich günstigeres Gerät gegen Umtausch zu erwerben, unglücklicherweise war mir entfallen, dass wir in der deutschen Servicesahara gefangen sind, ein Umtausch bei "Hygiene-Artikeln" sei nicht möglich. Nach kurzer Diskussion beschließen wir dann, dass meine Hygiene nicht so viel wert ist wie die des Geschäftes und ich erhalte für zwei Tage das benutzte Vorführmodell. Immerhin konnte ich erreichen, dass alte Staubflusen und Kaugummireste aus dem Behälter entleert werden.
Zuhause packe ich erwartungsvoll das kleine Kerlchen aus, schalte ihn ein und erhalte ein freudiges Piepsen zur Begrüßung. Wie nett. Für den Preis hätte ein Konfettiregen auch nicht geschadet. Hätte man auch gleich besser sehen können, was er alles wegsaugen kann. Ich beobachte über eine Stunde gespannt, wie er anmutig gegen meine Möbel fährt, den Teppich elegant umrundet und den Standaschenbecher umschubst. Ich laufe aufgeregt mit dem Kehrblech hinterher. Nach einer weiteren halben Stunde fährt er in seine Ladestation, er möchte gereinigt werden. Also fange ich an, den Staubfänger auszukehren, den Filter zu reinigen, die Borsten zu säubern. Es piepst, ich habe die Reinigungsbürste vergessen. Nach 2 Stunden sitze ich geschafft neben den Robotersauger. Der Boden ist sauber, ich nicht.
Ehrlich gesagt, das verlangte Geld ist in meinen Augen noch zu viel für ein solch possierliches Spielzeug und doch finden sich etliche Käufer für diese und auch die teureren Geräte.
Bleibt zu hoffen, dass die Technik sich weiter entwickelt und ich vielleicht doch irgendwann ein Stück Automatismus der "Jetsons" erleben darf.
Und morgen nach dem Umtausch des Roboterstaubsaugers werde ich dann den elektrischen Scheibenputzautomat ausprobieren....
Ich hatte ebenfalls seit jeher eine Affinität für technische Spielereien, die bestenfalls noch den Alltag erleichtern. Schon als Kind schaute ich mit großen Augen begeistert den Vorspann der "Jetsons", in dem "George", der Familienvater, nicht einmal selbstständig aufstehen musste, sondern ein Roboter ihn aus dem Bett hievte, unter die Dusche schob, die Zähne putzte und einen Kaffee reichte. Für jeden Morgenmuffel ein kleiner Traum ... und vor allem die große Hoffnung, dass in ferner Zukunft ein solcher Automatismus in jedem Haushalt zu finden sei.
Leider muss ich mich noch alleine aus dem Bett treten und so hangel ich mich an jedem noch so kleinen Fortschritt weiter und teste aus, was möglich ist und was nicht. Angefangen hat es mit dem ersten bezahlbaren (!) Roboterstaubsauger vor 8 Jahren. Zumindest hat mich das kleine Kerlchen für 3 Stunden gefesselt, danach verschwand er unter einem Schrank und kam erst ein paar Jahre später beim Umzug wieder zum Vorschein. Was mich auf die Idee brachte, dass sich in der Entwicklung etwas getan haben müsste. Hat es auch. Der Fortschritt kostet bis zu 1.000 € mehr, kann sprechen, fährt wenigstens nicht mehr willkürlich im Kreis herum und schont auch freilaufende Hamster. Hat aber den 10fachen Preis meines ersten Pkw.
Ich beschließe, ein deutlich günstigeres Gerät gegen Umtausch zu erwerben, unglücklicherweise war mir entfallen, dass wir in der deutschen Servicesahara gefangen sind, ein Umtausch bei "Hygiene-Artikeln" sei nicht möglich. Nach kurzer Diskussion beschließen wir dann, dass meine Hygiene nicht so viel wert ist wie die des Geschäftes und ich erhalte für zwei Tage das benutzte Vorführmodell. Immerhin konnte ich erreichen, dass alte Staubflusen und Kaugummireste aus dem Behälter entleert werden.
Zuhause packe ich erwartungsvoll das kleine Kerlchen aus, schalte ihn ein und erhalte ein freudiges Piepsen zur Begrüßung. Wie nett. Für den Preis hätte ein Konfettiregen auch nicht geschadet. Hätte man auch gleich besser sehen können, was er alles wegsaugen kann. Ich beobachte über eine Stunde gespannt, wie er anmutig gegen meine Möbel fährt, den Teppich elegant umrundet und den Standaschenbecher umschubst. Ich laufe aufgeregt mit dem Kehrblech hinterher. Nach einer weiteren halben Stunde fährt er in seine Ladestation, er möchte gereinigt werden. Also fange ich an, den Staubfänger auszukehren, den Filter zu reinigen, die Borsten zu säubern. Es piepst, ich habe die Reinigungsbürste vergessen. Nach 2 Stunden sitze ich geschafft neben den Robotersauger. Der Boden ist sauber, ich nicht.
Ehrlich gesagt, das verlangte Geld ist in meinen Augen noch zu viel für ein solch possierliches Spielzeug und doch finden sich etliche Käufer für diese und auch die teureren Geräte.
Bleibt zu hoffen, dass die Technik sich weiter entwickelt und ich vielleicht doch irgendwann ein Stück Automatismus der "Jetsons" erleben darf.
Und morgen nach dem Umtausch des Roboterstaubsaugers werde ich dann den elektrischen Scheibenputzautomat ausprobieren....
Samstag, 22. Dezember 2012
.. und dann weihnachtet es wieder
Das Jahr ist um, die besinnliche Jahreszeit hat angefangen.
Allerdings weihnachtet es mittlerweile bereits schon ab September, denn wer um die Zeit aus dem Sommerurlaub kommt, findet im Supermarkt bereits alle Weihnachtsgebäck- und Süßigkeitenvariationen. Und während ich schnaubend an den Regalen vorbeigehe, finden sich etliche hocherfreute Gesichter vor dem Zuckerzeug und stopfen den Einkaufswagen voll mit all den Leckereien, die ohnehin nach ein paar Sekunden draußen in der Sommerhitze anfangen zu schmilzen. Aber Weihnachten ist nun auch wieder bereits 8 Monate vorüber und außerdem muss man ja probieren, welche Gaumenfreuden die Süßwarenhersteller dieses Jahr wieder zum Besten geben und vorsorglich hamstern, denn ab Dezember kaufen schließlich alle, und nachher gibt es nicht mehr genug Spekulatius oder Dominosteinchen.
Während die meisten Menschen bereits im November der Weihnachtsschnuckereien über sind, beginnt meine Vorfreude auf den Dezember, denn dann kaufe ich die "kläglichen Überreste". Genau genommen sind die Regale genau so voll wie vorher und genau genommen noch voller, denn 50 % der einkaufswütigen Vorweihnachtsmenschen haben sich ja für ein Jahr bereits eingedeckt und ich kann zuschlagen.
Fast gleichzeitig beginnt endlich die ruhige und besinnliche Zeit der Weihnachtsmärkte, die mittlerweile auch nicht mehr erst im Dezember, sondern schon Mitte November beginnt, denn offensichtlich ist die Nachfrage groß. Welch Überraschung.
Und so freue ich mich samstags auf einen idyllischen Weihnachtsmarktbesuch mit kulinarischen Köstlichkeiten und heißem Glühwein, nur noch schnell ein freies Parkhaus finden und schon findet man sich nach 1 1/2 Stunden Parkplatzsuche in einem Menschenauflauf wieder, der seinesgleichen sucht. Während ich mühselig versuche, den Glühweinstand meiner Wahl zu erreichen, pieksen Regenschirm-Spitzen friedvoll in mein Gesicht, und nach nur 3 Ellbogen-Checks, 4 Tritten auf den Fuß und einer Kinderwagenstolperfalle erreiche ich glücklich die Theke, an der keiner der 6 Mitarbeiter die Zeit findet, meine Glühweinbestellung entgegen zu nehmen. Ich warte, denn schließlich hat die besinnliche Vorweihnachtszeit begonnen, man soll niemanden hetzen. Eine halbe Stunde später ergattere ich meinen gut abgekühlten Glühwein, den ich mit kunstvoller Balance durch die Menge manövriere. Matrix-Ähnlich bewege ich mich mit meinem Oberkörper an den Regenschirmspitzen vorbei und erreiche letztlich mit einem erfolgreichen Viertel kaltem Glühwein einen verklebten und vermüllten Tisch. Oh du wundervolle Weihnachtszeit.
Und dann, während man noch in aller Ruhe überlegt, die Weihnachtsgeschenke früher zu kaufen, die Weihnachtsplanung zu erstellen und welchen Weihnachtsmarkt man am besten an welchem Tag abklappert, ist auch schon der 22. Dezember. Heilig Abend kommt wieder ganz plötzlich. Das weihnachtliche Geschenkpapier ist ausgegangen - im besten Fall am vergangenen Weihnachtsfest, im schlechtesten Fall musste ein Bekannter, der im Sommer Geburtstag hat, darunter leiden, dass man wieder vergessen hat, Geburtstags-Geschenkpapier zu besorgen.
Und doch ist es irgendwann soweit: man sitzt mit seinen Lieben in der Runde und freut sich über das gute Essen und die Geschenke. Man genießt die Tage des Festes - aus welchen Gründen und wie man es auch immer feiert.
Gut, manchmal schaut der Eine mürrisch drein, dem Nächsten schmeckt das Essen nicht und wieder Einer hat wieder ein Geschenk verbaselt. Im besten Fall aber nichts, über das man nicht spätestens eine Woche danach lachen kann.
Und so warte ich gespannt, was dieses Jahr Weihnachten wieder für Überraschungen bereit hält.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein fröhliches, stressfreies und friedliches Weihnachtsfest im Kreise seiner Lieben und einen guten Start ins neue Jahr mit Erfolg und Gesundheit und ich freue mich auf ein neues, blogpostreiches Jahr 2013.
Allerdings weihnachtet es mittlerweile bereits schon ab September, denn wer um die Zeit aus dem Sommerurlaub kommt, findet im Supermarkt bereits alle Weihnachtsgebäck- und Süßigkeitenvariationen. Und während ich schnaubend an den Regalen vorbeigehe, finden sich etliche hocherfreute Gesichter vor dem Zuckerzeug und stopfen den Einkaufswagen voll mit all den Leckereien, die ohnehin nach ein paar Sekunden draußen in der Sommerhitze anfangen zu schmilzen. Aber Weihnachten ist nun auch wieder bereits 8 Monate vorüber und außerdem muss man ja probieren, welche Gaumenfreuden die Süßwarenhersteller dieses Jahr wieder zum Besten geben und vorsorglich hamstern, denn ab Dezember kaufen schließlich alle, und nachher gibt es nicht mehr genug Spekulatius oder Dominosteinchen.
Während die meisten Menschen bereits im November der Weihnachtsschnuckereien über sind, beginnt meine Vorfreude auf den Dezember, denn dann kaufe ich die "kläglichen Überreste". Genau genommen sind die Regale genau so voll wie vorher und genau genommen noch voller, denn 50 % der einkaufswütigen Vorweihnachtsmenschen haben sich ja für ein Jahr bereits eingedeckt und ich kann zuschlagen.
Fast gleichzeitig beginnt endlich die ruhige und besinnliche Zeit der Weihnachtsmärkte, die mittlerweile auch nicht mehr erst im Dezember, sondern schon Mitte November beginnt, denn offensichtlich ist die Nachfrage groß. Welch Überraschung.
Und so freue ich mich samstags auf einen idyllischen Weihnachtsmarktbesuch mit kulinarischen Köstlichkeiten und heißem Glühwein, nur noch schnell ein freies Parkhaus finden und schon findet man sich nach 1 1/2 Stunden Parkplatzsuche in einem Menschenauflauf wieder, der seinesgleichen sucht. Während ich mühselig versuche, den Glühweinstand meiner Wahl zu erreichen, pieksen Regenschirm-Spitzen friedvoll in mein Gesicht, und nach nur 3 Ellbogen-Checks, 4 Tritten auf den Fuß und einer Kinderwagenstolperfalle erreiche ich glücklich die Theke, an der keiner der 6 Mitarbeiter die Zeit findet, meine Glühweinbestellung entgegen zu nehmen. Ich warte, denn schließlich hat die besinnliche Vorweihnachtszeit begonnen, man soll niemanden hetzen. Eine halbe Stunde später ergattere ich meinen gut abgekühlten Glühwein, den ich mit kunstvoller Balance durch die Menge manövriere. Matrix-Ähnlich bewege ich mich mit meinem Oberkörper an den Regenschirmspitzen vorbei und erreiche letztlich mit einem erfolgreichen Viertel kaltem Glühwein einen verklebten und vermüllten Tisch. Oh du wundervolle Weihnachtszeit.
Nun noch einen Happen essen, um den Abend abzurunden. Während der Stand mit dem Stockbrot belagert wird, als würde ein Justin-Bieber-Konzert stattfinden, frage ich mich, warum Menschen um ein Stück Brot an einem Stock überhaupt ein solches Gezeter veranstalten. Es ist nicht sättigend, enthält kein Fleisch, ist teuer und enthält nichts, was es mir erleichtern würde, den trockenen Bissen herunterzuspülen. Das erste und letzte Mal, als ich vier Empfehlungen folgte, Stockbrot zu probieren, verreckte ich fast nach einem herzhaften Biss in den staubtrockenen Teig, der sich einfach nicht herunterschlucken ließ.
Der überfüllte Glühweinstand war nur 2 Meter entfernt, allerdings mangelte es mir an Luft und Konzentration, um schnell eine Tasse zum Runterspülen zu kaufen.
Ich schiebe mich vor zum Bratwurststand, auch dort warte ich mit knurrendem Magen eine halbe Stunde, bis ich zufrieden meine knusprig-kalte Bratwurst in den Händen halte. Verzweifelt versuche ich, eine Stelle zu finden, an der ich in Ruhe und Abgeschiedenheit essen kann. Vergebens.
Ich gehe Richtung Parkhaus und verschlinge innerhalb kürzester Zeit meine Bratwurst, aus Angst, ein hungeriger Wartender beißt aus Verzweiflung in mein Essen.
Trotz aller Strapazen höre ich mich nächsten Tag wieder sagen "Ach, was für ein wundervoller Weihnachtsmarkt, welch besinnlicher Abend!"
Und dann, während man noch in aller Ruhe überlegt, die Weihnachtsgeschenke früher zu kaufen, die Weihnachtsplanung zu erstellen und welchen Weihnachtsmarkt man am besten an welchem Tag abklappert, ist auch schon der 22. Dezember. Heilig Abend kommt wieder ganz plötzlich. Das weihnachtliche Geschenkpapier ist ausgegangen - im besten Fall am vergangenen Weihnachtsfest, im schlechtesten Fall musste ein Bekannter, der im Sommer Geburtstag hat, darunter leiden, dass man wieder vergessen hat, Geburtstags-Geschenkpapier zu besorgen.
Und doch ist es irgendwann soweit: man sitzt mit seinen Lieben in der Runde und freut sich über das gute Essen und die Geschenke. Man genießt die Tage des Festes - aus welchen Gründen und wie man es auch immer feiert.
Gut, manchmal schaut der Eine mürrisch drein, dem Nächsten schmeckt das Essen nicht und wieder Einer hat wieder ein Geschenk verbaselt. Im besten Fall aber nichts, über das man nicht spätestens eine Woche danach lachen kann.
Und so warte ich gespannt, was dieses Jahr Weihnachten wieder für Überraschungen bereit hält.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein fröhliches, stressfreies und friedliches Weihnachtsfest im Kreise seiner Lieben und einen guten Start ins neue Jahr mit Erfolg und Gesundheit und ich freue mich auf ein neues, blogpostreiches Jahr 2013.
Samstag, 1. Dezember 2012
Die kleinen Vergesslichkeiten
Niemand kann sich alles merken. Der Eine hat eher eine Schwäche bei Zahlen, der Nächste bei Automarken, wieder ein Anderer vergisst Geburtstage und noch Einer vergisst in der Alltagshektik Kleinigkeiten, in dem er z. B. in Hausschuhen die Wohnung verlässt.
Ich vergesse nicht nur Namen, sondern auch Gesichter. Also gleich die ganze Person. Ich plädiere im Alltag immer wieder für Namensschildchen, dennoch müsste ich es eigentlich besser wissen. Das blöde Schildchen würde mir nicht helfen, denn das Gesicht hätte ich ohnehin noch nie gesehen, dessen bin ich mir sicher.
Nun hat das Gehirn meistens ja nur einen Bruchteil, um sich in dem Moment des Kennenlernes gleich das Aussehen aufgrund bestimmter Merkmale sowie den kurz eingeworfenen Namen einzuprägen. Offensichtlich klappen meine Synapsen in dem Moment zusammen und mein Gehirn pfeift ein hohes C, denn sobald sich der neu vorgestellte Mensch umdreht, ist er auch schon aus meinem Gedächtnis verschwunden.
Wenn wir uns ein paar Tage später wieder begegnen, stelle ich mich höflich erneut vor. Sein verwunderter Blick verrät mir... wir kennen uns schon. Schnell lächeln, entschuldigen, weiterreden. Daraus ergibt sich das Problem. Ich weiß immer noch nicht, wie er heißt, der neue Mensch. Ich weiß, dass ich ihn nun zumindest erkenne, aber nicht anreden kann. Unglücklicherweise verschluckt das Gespräch den Zeitpunkt, in dem ich - mit schuldiger Miene - nach seinem Name hätte fragen können. Und dann kennt man sich schon fast zu gut, um nach dem Namen zu fragen. In sämtlichen Situationen versuche ich, Blicke auf persönliche Dinge zu erhaschen, auf denen der Name stehen könnte. Vergebens.
Nach einer Weile bekommt er einen Phantasie-Namen, der zu demjenigen am besten passt. Das ist kein Witz, ein humorvoller Bekannter hat einen Phantasie-Namen, mit dem ich ihn anreden kann, falls mir kurzfristig wieder einmal sein Name entfällt.
Tipps besagen, man soll direkt nach der Vorstellung den Namen wiederholen. In etwa: "Es freut mich, dich/Sie kennen zu lernen, (Herr) X!"
Auch das habe ich versucht, denn ich möchte mich ja gern an den Namen erinnern. Es kann nie schaden, den Namen des neuen Freundes oder Feindes im Kopf zu haben. Zu meinem Bedauern bin ich in der Situation des Kennenlernens damit überfordert zuzuhören, da ich meistens damit beschäftigt bin, meine Vorstellung vorzubereiten und möglichst freundlich rüber zu bringen, wie ich in meinem Text über selbige ja bereits geschrieben habe. So kriege ich nur einen Bruchteil mit und spreche den Namen entweder dreimal falsch aus oder komme nur zum Anfangsbuchstaben und schon gerät alles aus den Fugen. Der freundliche erste Eindruck ist dahin.
Um mich vor solchen Situation zu schützen, grüße ich nun mein Umfeld freundlich, sofern mich jemand länger als eine Sekunde anschaut. Auch das hat verwirrte Blicke zur Folge und ich bin mir sicher, dass der eben von mir Gegrüßte drei Tage überlegt, wer ich bin und warum ich so höflich gegrüßt habe. Wer von mir also grundlos gegrüßt wird: es handelt sich hier um reinen Selbstschutz.
Gesichter sind für mich Schall und Rauch. Ich sehe viele davon und dann verschwinden sie hinter den Horizont meines Kurzzeitgedächtnisses. Auch wenn ich jemanden viermal gesehen habe, heißt das nicht, dass ich ihn auf offener Straße wiedererkenne. Der Jemand mich offensichtlich schon. Und ganz offensichtlich haben wir uns öfter gesehen, denn er kommt auf mich zu. Mein Puls rast. Er wird doch wohl nicht?! Doch, er wird. Und schon geht der Mund auf, heraus kommt eine herzliche Begrüßung, die Nachfrage, wie es mir geht und was die Arbeit macht. Mit der größten Mühe, meine Verwunderung zu unterdrücken, antworte ich gewissenhaft auf alle Fragen, erkundige mich ebenfalls nach dem Wohlbefinden. Die Fragen werden detaillierter, er weiß eine Menge über mein Privatleben. Ich stocke, überlege zwanghaft, wer er ist, was er macht, woher wir uns kennen. Das zerstört das ganze Gespräch, denn es macht mich gerade wahnsinnig, nicht zu wissen, woher ich mein Gegenüber kennen sollte. Mein Gesprächspartner murmelt etwas von "keine Zeit mehr" und geht. Es kostet mich drei schlaflose Nächte, in denen ich alle Szenarien durchspiele, wo er arbeiten könnte, woher ich ihn kennen könnte. Ich würde mir gerne vornehmen, ihn beim nächsten Mal mit einem entschuldigenden Blick nach dem Namen zu fragen, doch mir ist bewusst, wie albern die Situation sein muss. Schließlich scheinen wir uns ja besser zu kennen oder zumindest oft genug gesehen zu haben, um einiges übereinander zu wissen.
Im besten Fall fällt mir nach einer Woche in völliger Alltagshektik in dem Bruchteil einer Sekunde ein, wer er war. Doch schon schiebt eine neu aufgenommene Information die Identität desjenigen wieder weg und mein Geistesblitz erlischt.
Aber nachts, wenn ich Zeit zum Grübeln habe, stelle ich mir vor, wie er mir seinen Namen verrät und dieser - wie in einem Sci-Fi-Film - in Neonschrift in mein Blickfeld gebrannt ist. Beim nächsten Treffen erscheint ein Fadenkreuz auf dem Gesicht der "Zielperson", mit Namen, Arbeitsplatz, Familienstand und sonstigen wichtigen Daten.
Ich schlafe lächelnd ein und hoffe, dass es bald eine App für sowas gibt.
Ich vergesse nicht nur Namen, sondern auch Gesichter. Also gleich die ganze Person. Ich plädiere im Alltag immer wieder für Namensschildchen, dennoch müsste ich es eigentlich besser wissen. Das blöde Schildchen würde mir nicht helfen, denn das Gesicht hätte ich ohnehin noch nie gesehen, dessen bin ich mir sicher.
Nun hat das Gehirn meistens ja nur einen Bruchteil, um sich in dem Moment des Kennenlernes gleich das Aussehen aufgrund bestimmter Merkmale sowie den kurz eingeworfenen Namen einzuprägen. Offensichtlich klappen meine Synapsen in dem Moment zusammen und mein Gehirn pfeift ein hohes C, denn sobald sich der neu vorgestellte Mensch umdreht, ist er auch schon aus meinem Gedächtnis verschwunden.
Wenn wir uns ein paar Tage später wieder begegnen, stelle ich mich höflich erneut vor. Sein verwunderter Blick verrät mir... wir kennen uns schon. Schnell lächeln, entschuldigen, weiterreden. Daraus ergibt sich das Problem. Ich weiß immer noch nicht, wie er heißt, der neue Mensch. Ich weiß, dass ich ihn nun zumindest erkenne, aber nicht anreden kann. Unglücklicherweise verschluckt das Gespräch den Zeitpunkt, in dem ich - mit schuldiger Miene - nach seinem Name hätte fragen können. Und dann kennt man sich schon fast zu gut, um nach dem Namen zu fragen. In sämtlichen Situationen versuche ich, Blicke auf persönliche Dinge zu erhaschen, auf denen der Name stehen könnte. Vergebens.
Nach einer Weile bekommt er einen Phantasie-Namen, der zu demjenigen am besten passt. Das ist kein Witz, ein humorvoller Bekannter hat einen Phantasie-Namen, mit dem ich ihn anreden kann, falls mir kurzfristig wieder einmal sein Name entfällt.
Tipps besagen, man soll direkt nach der Vorstellung den Namen wiederholen. In etwa: "Es freut mich, dich/Sie kennen zu lernen, (Herr) X!"
Auch das habe ich versucht, denn ich möchte mich ja gern an den Namen erinnern. Es kann nie schaden, den Namen des neuen Freundes oder Feindes im Kopf zu haben. Zu meinem Bedauern bin ich in der Situation des Kennenlernens damit überfordert zuzuhören, da ich meistens damit beschäftigt bin, meine Vorstellung vorzubereiten und möglichst freundlich rüber zu bringen, wie ich in meinem Text über selbige ja bereits geschrieben habe. So kriege ich nur einen Bruchteil mit und spreche den Namen entweder dreimal falsch aus oder komme nur zum Anfangsbuchstaben und schon gerät alles aus den Fugen. Der freundliche erste Eindruck ist dahin.
Um mich vor solchen Situation zu schützen, grüße ich nun mein Umfeld freundlich, sofern mich jemand länger als eine Sekunde anschaut. Auch das hat verwirrte Blicke zur Folge und ich bin mir sicher, dass der eben von mir Gegrüßte drei Tage überlegt, wer ich bin und warum ich so höflich gegrüßt habe. Wer von mir also grundlos gegrüßt wird: es handelt sich hier um reinen Selbstschutz.
Gesichter sind für mich Schall und Rauch. Ich sehe viele davon und dann verschwinden sie hinter den Horizont meines Kurzzeitgedächtnisses. Auch wenn ich jemanden viermal gesehen habe, heißt das nicht, dass ich ihn auf offener Straße wiedererkenne. Der Jemand mich offensichtlich schon. Und ganz offensichtlich haben wir uns öfter gesehen, denn er kommt auf mich zu. Mein Puls rast. Er wird doch wohl nicht?! Doch, er wird. Und schon geht der Mund auf, heraus kommt eine herzliche Begrüßung, die Nachfrage, wie es mir geht und was die Arbeit macht. Mit der größten Mühe, meine Verwunderung zu unterdrücken, antworte ich gewissenhaft auf alle Fragen, erkundige mich ebenfalls nach dem Wohlbefinden. Die Fragen werden detaillierter, er weiß eine Menge über mein Privatleben. Ich stocke, überlege zwanghaft, wer er ist, was er macht, woher wir uns kennen. Das zerstört das ganze Gespräch, denn es macht mich gerade wahnsinnig, nicht zu wissen, woher ich mein Gegenüber kennen sollte. Mein Gesprächspartner murmelt etwas von "keine Zeit mehr" und geht. Es kostet mich drei schlaflose Nächte, in denen ich alle Szenarien durchspiele, wo er arbeiten könnte, woher ich ihn kennen könnte. Ich würde mir gerne vornehmen, ihn beim nächsten Mal mit einem entschuldigenden Blick nach dem Namen zu fragen, doch mir ist bewusst, wie albern die Situation sein muss. Schließlich scheinen wir uns ja besser zu kennen oder zumindest oft genug gesehen zu haben, um einiges übereinander zu wissen.
Im besten Fall fällt mir nach einer Woche in völliger Alltagshektik in dem Bruchteil einer Sekunde ein, wer er war. Doch schon schiebt eine neu aufgenommene Information die Identität desjenigen wieder weg und mein Geistesblitz erlischt.
Aber nachts, wenn ich Zeit zum Grübeln habe, stelle ich mir vor, wie er mir seinen Namen verrät und dieser - wie in einem Sci-Fi-Film - in Neonschrift in mein Blickfeld gebrannt ist. Beim nächsten Treffen erscheint ein Fadenkreuz auf dem Gesicht der "Zielperson", mit Namen, Arbeitsplatz, Familienstand und sonstigen wichtigen Daten.
Ich schlafe lächelnd ein und hoffe, dass es bald eine App für sowas gibt.
Freitag, 23. November 2012
Der nimmergrüne Daumen
Der größte Alptraum einer Pflanze ist wohl, in meiner Wohnung zu landen. Egal, wie grauenvoll ihr Leben vorher war, bei mir wird es qualvoll enden.
Das liegt aber nun nicht daran, dass ich Pflanzen nicht mag, sondern an meinem mangelnden grünen Daumen.
Aus Respekt vor der Pflanzenwelt habe ich daher äußerst wenig Grünzeug in meiner Wohnung stehen, um möglichst wenig Schaden anzurichten.
Nun gibt es aber immer Menschen, die - als höflicher Gast - ein Mitbringsel mitschleppen, und was gibt es schöneres als eine Grünpflanze. Denn jeder mag ja Pflanzen und Pflanzen kann man überall hinstellen, egal wie viele Gäste vorher schon Pflanzen mitgebracht haben. Da ich das mittlerweile schon kenne, bitte ich die Gäste bei Partyeinladungen von botanischen Geschenken abzusehen.
Offensichtlich bringt das meine Gäste auf die Idee, es wäre ein Wink mit dem Zaunpfahl. Die Party beginnt und mein Wohnzimmer gleicht kurze Zeit später einem botanischen Garten, alles steht voll mit irgendwelchem Grünzeug, von dem ich das meiste nicht kenne, geschweige denn den Namen weiß. "Das ist sowas von pflegeleicht" höre ich dann immer, "geht nicht kaputt, hab ich auch".
Das liegt aber nun nicht daran, dass ich Pflanzen nicht mag, sondern an meinem mangelnden grünen Daumen.
Aus Respekt vor der Pflanzenwelt habe ich daher äußerst wenig Grünzeug in meiner Wohnung stehen, um möglichst wenig Schaden anzurichten.
Nun gibt es aber immer Menschen, die - als höflicher Gast - ein Mitbringsel mitschleppen, und was gibt es schöneres als eine Grünpflanze. Denn jeder mag ja Pflanzen und Pflanzen kann man überall hinstellen, egal wie viele Gäste vorher schon Pflanzen mitgebracht haben. Da ich das mittlerweile schon kenne, bitte ich die Gäste bei Partyeinladungen von botanischen Geschenken abzusehen.
Offensichtlich bringt das meine Gäste auf die Idee, es wäre ein Wink mit dem Zaunpfahl. Die Party beginnt und mein Wohnzimmer gleicht kurze Zeit später einem botanischen Garten, alles steht voll mit irgendwelchem Grünzeug, von dem ich das meiste nicht kenne, geschweige denn den Namen weiß. "Das ist sowas von pflegeleicht" höre ich dann immer, "geht nicht kaputt, hab ich auch".
Also bedanke ich mich artig und sage "Toll, so eine wollte ich immer schon mal haben, so eine .... grüne Pflanze!"
"Das ist eine Zamioculcas zamiifolia!"
Natürlich!
Den nächsten Tag bin ich damit beschäftigt, geeignete Orte für die Pflanzen zu finden:
- nicht zu sonnig,
- nicht zu schattig,
- ein bisschen Schatten, aber nicht zu viel,
- feucht, aber nicht zu warm (Kühlschrank?),
- morgens und abends dunkel, mag Mittagssonne,
- trinkt nur Wasser von glücklichen Hähnen. Aber nicht zu kalkhaltiges Wasser, denn der guten Pflanze ist unser Trinkwasser offensichtlich nicht gut genug.
Während ich in der ersten Woche verzweifelt versuche, die Pflanzen, deren Namen ich mir nie merken werde, am Leben zu erhalten, sind 2 bereits welk, eine hat Hoffnung und die anderen warten nur noch auf ihren viel zu frühen Tod. Eine Rücksprache mit dem Spender der Pflanze besagt "Um Himmels willen, die darf man nur alle 4 Wochen gießen!". Ich warte also und zähle die Wochen. Nach 3 Wochen habe ich vergessen, wann 4 Wochen um sind. Nach 6 Wochen sehe ich nur noch knusprig braune Blätter, ich habe einen weiteren Verlust zu vermelden.
Während mein Zimmerbrunnen wöchentlich einen großen Schluck Wasser bekommt, steht daneben eine Geschenkpalme (ich habe keine Ahnung, was für eine Gattung das ist) mit fast neidischem und doch traurigen Blick. Sie wurde wieder vergessen. Drei Nächte später fällt es mir auf, sie sah irgendwie unglücklich aus. Ich springe auf und gönne ihr im Halbschlaf 2 Liter Wasser. Zwei Tage später ist sie ertrunken.
So hat mein nimmergrüner Daumen wieder einmal das Leben von 4 Pflanzen gefordert.
Ganz besonders erfreulich sind vermeintlich gut gemeinte Gastgeschenkspflanzen, die mit kriechenden Schädlingen besiedelt sind. So hat sich meine Halloween-Geschenk-Pflanze zu einer eigenen Gruselparty entwickelt. Als ich ihr nach 2 Wochen Beachtung schenkte, sah ich vor Spinnweben und winzig kleinen weißen Krabbeltierchen die Pflanze nicht mehr. Ein Blick ins Internet verriet mir, dass diese Pflanzen (deren Namen ich Buchstabe für Buchstabe mühsam von dem Schildchen abgeschrieben hatte, da ihn kein Mensch der Welt auszusprechen vermag) besonders anfällig für Spinnmilben sind und man Acht geben muss, dass diese nicht auf alle anderen Pflanzen überspringen. Glücklicherweise waren die Nachbarspflanzen bereits tot und die vermilbte Halloween-Pflanze ging gleich mit über den Jordan.
Einzig und allein mein von mir eigens ausgesuchter Fikus irgendwas hält tapfer die Stellung und trotzt meinem schlechten Pflegeverhalten. Er hält 2 - 3 Wochen ohne Wasser aus, steht im Schatten und überhaupt hat er alles das nicht, was er laut Schildchen haben sollte. Und es geht im prächtig. Er wächst und grünt, schädlingsfrei. Wenn er Wasser benötigt, wirft er ein braunes Blatt ab, das mich dezent darauf hinweist, dass er unbedingt mal wieder gegossen werden muss. Die non-verbale Kommunikation funktioniert wunderbar. Überhaupt weigere ich mich, mit Pflanzen zu reden. Das gilt für alles ohne Augen, was mich nicht anguckt, wird toleriert, aber nicht bespaßt. Ich werde meinem Schnitzel nicht sagen, wie zart es ist und wie gut es schmeckt und ich werde meiner Pflanze weder mein Bedauern noch meinen Zuspruch ausdrücken.
Mittlerweile sieht es wieder bereinigter in der Wohnung aus, genau genommen mag ich es auch gar nicht, wenn jeder Quadratzentimeter mit einer Pflanze zugestellt ist, zumal sie bei mir spätestens nach ein paar Monaten ohnehin unansehnlich braun aussehen.
Zwei Wochen später sitze ich daheim und erwarte meinen Besuch. Es klingelt und ich werde mit den Worten begrüßt: "Schau mal, ich hab dir einen neuen Gummibaum besorgt, du hast ja gar keine Pflanzen in deiner Wohnung...!"
"Das ist eine Zamioculcas zamiifolia!"
Natürlich!
Den nächsten Tag bin ich damit beschäftigt, geeignete Orte für die Pflanzen zu finden:
- nicht zu sonnig,
- nicht zu schattig,
- ein bisschen Schatten, aber nicht zu viel,
- feucht, aber nicht zu warm (Kühlschrank?),
- morgens und abends dunkel, mag Mittagssonne,
- trinkt nur Wasser von glücklichen Hähnen. Aber nicht zu kalkhaltiges Wasser, denn der guten Pflanze ist unser Trinkwasser offensichtlich nicht gut genug.
Während ich in der ersten Woche verzweifelt versuche, die Pflanzen, deren Namen ich mir nie merken werde, am Leben zu erhalten, sind 2 bereits welk, eine hat Hoffnung und die anderen warten nur noch auf ihren viel zu frühen Tod. Eine Rücksprache mit dem Spender der Pflanze besagt "Um Himmels willen, die darf man nur alle 4 Wochen gießen!". Ich warte also und zähle die Wochen. Nach 3 Wochen habe ich vergessen, wann 4 Wochen um sind. Nach 6 Wochen sehe ich nur noch knusprig braune Blätter, ich habe einen weiteren Verlust zu vermelden.
Während mein Zimmerbrunnen wöchentlich einen großen Schluck Wasser bekommt, steht daneben eine Geschenkpalme (ich habe keine Ahnung, was für eine Gattung das ist) mit fast neidischem und doch traurigen Blick. Sie wurde wieder vergessen. Drei Nächte später fällt es mir auf, sie sah irgendwie unglücklich aus. Ich springe auf und gönne ihr im Halbschlaf 2 Liter Wasser. Zwei Tage später ist sie ertrunken.
So hat mein nimmergrüner Daumen wieder einmal das Leben von 4 Pflanzen gefordert.
Ganz besonders erfreulich sind vermeintlich gut gemeinte Gastgeschenkspflanzen, die mit kriechenden Schädlingen besiedelt sind. So hat sich meine Halloween-Geschenk-Pflanze zu einer eigenen Gruselparty entwickelt. Als ich ihr nach 2 Wochen Beachtung schenkte, sah ich vor Spinnweben und winzig kleinen weißen Krabbeltierchen die Pflanze nicht mehr. Ein Blick ins Internet verriet mir, dass diese Pflanzen (deren Namen ich Buchstabe für Buchstabe mühsam von dem Schildchen abgeschrieben hatte, da ihn kein Mensch der Welt auszusprechen vermag) besonders anfällig für Spinnmilben sind und man Acht geben muss, dass diese nicht auf alle anderen Pflanzen überspringen. Glücklicherweise waren die Nachbarspflanzen bereits tot und die vermilbte Halloween-Pflanze ging gleich mit über den Jordan.
Einzig und allein mein von mir eigens ausgesuchter Fikus irgendwas hält tapfer die Stellung und trotzt meinem schlechten Pflegeverhalten. Er hält 2 - 3 Wochen ohne Wasser aus, steht im Schatten und überhaupt hat er alles das nicht, was er laut Schildchen haben sollte. Und es geht im prächtig. Er wächst und grünt, schädlingsfrei. Wenn er Wasser benötigt, wirft er ein braunes Blatt ab, das mich dezent darauf hinweist, dass er unbedingt mal wieder gegossen werden muss. Die non-verbale Kommunikation funktioniert wunderbar. Überhaupt weigere ich mich, mit Pflanzen zu reden. Das gilt für alles ohne Augen, was mich nicht anguckt, wird toleriert, aber nicht bespaßt. Ich werde meinem Schnitzel nicht sagen, wie zart es ist und wie gut es schmeckt und ich werde meiner Pflanze weder mein Bedauern noch meinen Zuspruch ausdrücken.
Mittlerweile sieht es wieder bereinigter in der Wohnung aus, genau genommen mag ich es auch gar nicht, wenn jeder Quadratzentimeter mit einer Pflanze zugestellt ist, zumal sie bei mir spätestens nach ein paar Monaten ohnehin unansehnlich braun aussehen.
Zwei Wochen später sitze ich daheim und erwarte meinen Besuch. Es klingelt und ich werde mit den Worten begrüßt: "Schau mal, ich hab dir einen neuen Gummibaum besorgt, du hast ja gar keine Pflanzen in deiner Wohnung...!"
Freitag, 16. November 2012
Die Wellenlängen des Humors
Humor ist etwas ganz wundervolles. Und Humor ist wichtig, ganz besonders im Alltag. Ein herzliches Lachen kann die Laune schnell heben, sympathisch sein, anstecken.
Kann. Manchmal trifft man allerdings auf Menschen, die einen anderen Humor haben. Und wenn man Pech hat, sitzt man in großer Runde beisammen, macht einen kleinen Scherz und lacht laut los. Allein. Während die anderen in der Runde fassungslos gucken. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern. Und so schnell der Lachanfall eingetreten ist, so schnell verhallt er dann auch wieder, das Gesicht wird in Normalposition gerückt, der Blick gesenkt. Die Überlegung, ob es anrüchig war. Zu trocken. Zu albern? Zu flach?
Kurze Zeit später erzählt einer der Anderen eine Anekdote. Und während bei der Pointe so ziemlicher jeder in kreischendes Lachen verfällt, sitzt man mit irritiertem Blick da und überlegt, worüber man lachen soll. Man möchte nicht unhöflich sein. Man lächelt unehrlich mit, während das Gehirn die Situation ein weiteres Mal durchspielt, um herauszufinden, was nun lustig an der Sache war. Zumindest weiß man nun, sich mit seinem Humor entsprechend zurückzuhalten und ihn besser dort anzubringen, wo er auch mit offenen Armen empfangen wird.
Kann. Manchmal trifft man allerdings auf Menschen, die einen anderen Humor haben. Und wenn man Pech hat, sitzt man in großer Runde beisammen, macht einen kleinen Scherz und lacht laut los. Allein. Während die anderen in der Runde fassungslos gucken. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern. Und so schnell der Lachanfall eingetreten ist, so schnell verhallt er dann auch wieder, das Gesicht wird in Normalposition gerückt, der Blick gesenkt. Die Überlegung, ob es anrüchig war. Zu trocken. Zu albern? Zu flach?
Kurze Zeit später erzählt einer der Anderen eine Anekdote. Und während bei der Pointe so ziemlicher jeder in kreischendes Lachen verfällt, sitzt man mit irritiertem Blick da und überlegt, worüber man lachen soll. Man möchte nicht unhöflich sein. Man lächelt unehrlich mit, während das Gehirn die Situation ein weiteres Mal durchspielt, um herauszufinden, was nun lustig an der Sache war. Zumindest weiß man nun, sich mit seinem Humor entsprechend zurückzuhalten und ihn besser dort anzubringen, wo er auch mit offenen Armen empfangen wird.
Interessanterweise liegt dort doch gleich mehr Sympathie, denn ein Mensch, mit dem wir herzlich lachen können, und zwar über genau die gleichen (flachen oder nicht flachen) Witze, ist uns sofort gefällig. Gemeinsam herzhaft lachen verbindet, birgt eine gewisse Verbundenheit. Zugegeben, die Menschen in meinem Umfeld bedürfen eine große Portion Humor, denn meiner wechselt von trocken zu albern, je nach Stimmungslage eröffnet sich eine andere Art desselben. Ein Abend mit einem derben Lachflash ist ein gelungener Abend.
Manchmal ist es nicht nur der Humor, alleine das Lachen an sich bedarf schon einiger Worte, denn es gibt so viele unterschiedliche Lacher, die - je nach persönlichem Empfinden - nervend oder ansteckend sein können.
Da gibt es den leisen Lacher, der Blick ist auf den Boden gerichtet, das Lachen nahezu geräuschlos und man sieht nur an dem regelmäßigen Zucken des Körpers, dass dort irgendetwas in ihm stattfindet. Ob er lacht oder weint, findet man meist erst später raus.
Der Ernie-Lacher: muss nicht beschrieben werden, für mich ein äußerst ansteckendes Lachen, wenn aus dem Rachen heiteres "Krrrcchhkrrchhhkrcchhhh" ertönt.
Der Grunzer kann äußerst nervend sein, ein merkwürdiges Lachen, anfangs ziemlich erschreckend, vielleicht ist es gewöhnungsbedürftig. Grunzer lachen meist auffallend viel, wahrscheinlich um stolz jedem ihre Lache zu präsentieren.
Der Schreilacher: Wie auch immer er es schafft, zwischen den Lachattacken noch Kraft zum Schreien zu nehmen, er verdient auf jeden Fall Respekt für dieses Kunststück. Kann ansteckend sein, muss aber nicht. Bei Kopfschmerzen sollte man von humoristischen Einlagen im Gespräch absehen, da der Schreilacher einen Geräuschpegel von bis zu 80 Dezibel erreichen kann.
Der Röchler: auch eine äußerst interessante Art des Lachens, er lacht so herzlich, dass er kaum noch Luft bekommt und beginnt, heftig nach selbiger zu schnappen. Die Ansteckungsgefahr ist aufgrund der lustigen Geräusche und der Herzlichkeit ziemlich hoch.
Der herzhafte Lacher: einfach schön. Ehrlich, herzlich, normale Lautstärke ohne merkwürdige Geräusche. Ein Lachanfall, von dem man sich mitreißen lassen muss.
Aber egal wie man lacht, der heftigste Lachanfall kündigt sich letztlich doch immer in den Situationen an, in denen es absolut unpassend ist und man nicht einmal selber Verständnis dafür zeigen würde. Zum Beispiel in einer extrem wichtigen, seriösen Besprechung. Ein falsches Wort oder ein Versprecher und schon kommt er auf, staut sich an, der Druck im Bauch wird größer, die Mundwinkel ziehen sich nach oben, egal, wie fest man die Lippen aufeinanderpresst. Die Augen füllen sich mit Tränen (meistens ausgelöst durch einen heftigen Biss auf die Zunge), der Druck presst einen merkwürdigen Laut aus dem Inneren. In diesem Moment kann man alles tun, nur nicht laut loslachen. Oder seinen Nachbarn anschauen, der im besten Fall ebenfalls um Luft ringt. Ein einziger Blick reicht, um den aufgestauten Druck von beiden Seiten in einem monströsen Lachanfall platzen zu lassen.
Fassungslose Blicke von allen Seiten. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern.
Wenigstens lacht man dieses Mal nicht allein.
Manchmal ist es nicht nur der Humor, alleine das Lachen an sich bedarf schon einiger Worte, denn es gibt so viele unterschiedliche Lacher, die - je nach persönlichem Empfinden - nervend oder ansteckend sein können.
Da gibt es den leisen Lacher, der Blick ist auf den Boden gerichtet, das Lachen nahezu geräuschlos und man sieht nur an dem regelmäßigen Zucken des Körpers, dass dort irgendetwas in ihm stattfindet. Ob er lacht oder weint, findet man meist erst später raus.
Der Ernie-Lacher: muss nicht beschrieben werden, für mich ein äußerst ansteckendes Lachen, wenn aus dem Rachen heiteres "Krrrcchhkrrchhhkrcchhhh" ertönt.
Der Grunzer kann äußerst nervend sein, ein merkwürdiges Lachen, anfangs ziemlich erschreckend, vielleicht ist es gewöhnungsbedürftig. Grunzer lachen meist auffallend viel, wahrscheinlich um stolz jedem ihre Lache zu präsentieren.
Der Schreilacher: Wie auch immer er es schafft, zwischen den Lachattacken noch Kraft zum Schreien zu nehmen, er verdient auf jeden Fall Respekt für dieses Kunststück. Kann ansteckend sein, muss aber nicht. Bei Kopfschmerzen sollte man von humoristischen Einlagen im Gespräch absehen, da der Schreilacher einen Geräuschpegel von bis zu 80 Dezibel erreichen kann.
Der Röchler: auch eine äußerst interessante Art des Lachens, er lacht so herzlich, dass er kaum noch Luft bekommt und beginnt, heftig nach selbiger zu schnappen. Die Ansteckungsgefahr ist aufgrund der lustigen Geräusche und der Herzlichkeit ziemlich hoch.
Der herzhafte Lacher: einfach schön. Ehrlich, herzlich, normale Lautstärke ohne merkwürdige Geräusche. Ein Lachanfall, von dem man sich mitreißen lassen muss.
Aber egal wie man lacht, der heftigste Lachanfall kündigt sich letztlich doch immer in den Situationen an, in denen es absolut unpassend ist und man nicht einmal selber Verständnis dafür zeigen würde. Zum Beispiel in einer extrem wichtigen, seriösen Besprechung. Ein falsches Wort oder ein Versprecher und schon kommt er auf, staut sich an, der Druck im Bauch wird größer, die Mundwinkel ziehen sich nach oben, egal, wie fest man die Lippen aufeinanderpresst. Die Augen füllen sich mit Tränen (meistens ausgelöst durch einen heftigen Biss auf die Zunge), der Druck presst einen merkwürdigen Laut aus dem Inneren. In diesem Moment kann man alles tun, nur nicht laut loslachen. Oder seinen Nachbarn anschauen, der im besten Fall ebenfalls um Luft ringt. Ein einziger Blick reicht, um den aufgestauten Druck von beiden Seiten in einem monströsen Lachanfall platzen zu lassen.
Fassungslose Blicke von allen Seiten. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern.
Wenigstens lacht man dieses Mal nicht allein.
Freitag, 9. November 2012
Stancer´s "Ignoriert"
Ich bin eher ein stiller Leser. Lustige Bücher und anderes Geschriebenes lese ich mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen.
Äußerst selten zwingt mich ein Text zu einem lauten Auflachen.
Und wenn ein Text genau das schafft und es erreicht, dass man sich an den beschriebenen Orten an jene Geschichte erinnert - mit einem inneren Schmunzeln, dann darf er auf keinen Fall ignoriert werden.
Ich freue mich sehr, einen weiteren fabelhaften Blogpost von Stancer präsentieren zu dürfen!
Viel Vergnügen!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
„Herr Doktor, keiner beachtet mich.“ - „Der nächste bitte!“ - sicher haben auch Sie gelacht über dieses Kleinod menschlicher Lachfaltenkultur, oder? - Ich nicht. Dabei bin ich nicht von Natur aus humorlos, nur ist dieser Witz kein solcher für mich, sondern bitterer Ernst: Ich werde ignoriert, immer schon, von frühester Kindheit an, von allen; selbst meine Eltern sprachen mich früher mit dem Namen des Wellensittichs an, weil sie sich meinen eigenen offenbar nicht merken konnten oder wollten, gut, das war immer noch besser, als wenn sie „he du da“ oder einfach „Dings“ zu mir gesagt hätten, und mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, auf Hansi zu reagieren.
Im Supermarkt an der Wursttheke: Während Mutti gekochten Schinken, Kalbsleberwurst und Thüringer Mett kauft, angelt die rosige Fleischereifachverkäuferin zwischen Abwiegen und „sonst noch etwas“ eine Mortadellascheibe mit Kichergesicht-Intarsie aus der Auslage und reicht sie mit langer Gabel dem strahlenden Kind hin, das in der Kinderablage des Einkaufswagens sitzt; es stopft sie genüsslich in sein drolliges Kindermündchen und bedankt sich brav, kauend, nachdem Mutti „was sagt man?“ gemahnt hat. - Ich habe mich nie bei der Wurstwiegerin bedankt, was nicht etwa Folge einer anerzogenen Unhöflichkeit war, nein, es gab einfach keinen Anlass. Statt mich, wie alle anderen Kundenkinder, mit grinsenden Mortadellascheiben zu versorgen, blickte sie durch mich hindurch, als ob statt meiner Muttis Einkaufstasche auf dem ausklappbaren Kindersitz gethront hätte; mein Blick, der jeden bettelnden Labrador farblos erscheinen ließ, prallte an ihrem undurchdringlichen Schutzschild ab.
Supermärkte blieben eine Problemzone, bis heute, da ich selbst und ohne Muttis Beistand einkaufe. „Möchten Sie mal den französischen Côte du Rhone probieren?“, fragt der junge Mann hinter seinem Probierstand in der Weinabteilung mit einnehmenden Lächeln. Gerne würde ich, nur galt die Frage nicht mir, sondern einem gehetzt blickenden Anzugträger, der sie überhört hat und mit Blick auf seine Datenpistole (vulgo: Blackberry) in die Tiefkühlabteilung eilt. Ich verlangsame meinen Schritt, als ich mich dem Probierstand nähere, blicke den jungen Mann fest an. Der widmet sich ganz seinen Probiergläsern, wienert an ihnen herum, hält sie prüfend gegen das Licht, und öffnet eine neue Flasche. Ich bleibe direkt vor dem Stand stehen, starre abwechselnd ihn und die Weinflaschen an. Er wienert weiter.
Ich räuspere mich laut vernehmlich, er putzt seine Theke. „Verzeihung“, setze ich an, „darf ich vielleicht mal von dem...“ Er holt sein Telefon aus der Tasche und ruft jemanden an, vielleicht seine Freundin, „...ganz schön viel los heute, aber im Moment ist etwas Luft“, höre ich ihn säuseln. Ich gebe auf. Kaum habe ich den Probierstand verlassen, höre ich ihn wieder fragen: „Möchten Sie mal...“
Ein echtes Kindheitstrauma war das Mannschaften wählen im Sportunterricht: Zwei Schüler durften abwechselnd die Spieler ihrer Basketballmannschaft wählen; am Ende blieben immer der dicke Klaus P. und ich übrig. Noch heute empfinde ich eine tiefe Abscheu gegenüber allen Sportarten, bei denen ein Ball in, durch oder über ein Netz zu bringen ist.
Es ist erwiesen: Essen in einem guten Restaurant setzt Glückshormone frei, erst recht in geselliger Runde mit Freunden - nur nicht bei mir. Während sich alle anderen den kulinarischen Genüssen hingeben, den Teller fast schon leer gegessen haben, sitze ich vor einer freien Fläche und warte. „Vorzüglich, möchtest du mal probieren?“ werde ich von links gefragt. „Nein danke, ich bekomme ja gleich“, antworte ich leicht gereizt. Gleich - erst die Nachfrage beim Kellner offenbart, man hat mich vergessen. Mit halbstündiger Verspätung verzehre ich schließlich missmutig meine Schweinemedaillons mit Rotweinsoße, alle anderen sind schon bei Dessert und Kaffee angelangt.
Ich werde ignoriert - die Liste der Beispiele ließe sich nahezu endlos fortsetzen: Am Bierstand auf dem Stadtfest darbe ich stundenlang durstig, während die Menschen links und rechts neben mir zügig bedient werden; in der Dankesrede des Chefs nach erfolgreichem Abschluss des Projekts kommt mein Name nicht vor, und bei Facebook habe ich keine Freunde. Gut, sonst auch nicht. Wäre ich Filmschauspieler geworden, würde im Abspann immer genau ein Name fehlen, während die Namen sämtlicher Statisten und derer, die nach den Dreharbeiten die Klos geputzt haben, akribisch aufgelistet sind.
Aber es hat auch Vorteile: Mit unangenehmen Sonderaufträgen beauftragt mein Chef stets nur meine Kollegen; ich kann ungehemmt mit sechzig durch die Tempo-Dreißig-Zone fahren, die Blitzanlage erwischt immer nur den Wagen hinter mir; Hunde betteln nur am Nachbartisch; niemand fragt mich, ob ich eine Obdachlosenzeitung kaufen möchte, und die Jungs auf dem Bahnsteig, denen noch zwei Euro für ihre Fahrkarte nach Leverkusen-Mitte fehlen, behelligen mich nicht. Selbst Grippeviren meiden mich: Während die halbe Abteilung schnieft oder krank im Bett liegt, sitze ich bester Gesundheit im Büro und rette die Welt.
Vermutlich wird eines hoffentlich fernen Tages der Sensenmann alles um mich herum niedergemäht haben, während ich, im Alter von Johannes Heesters‘ Vater und zahnlos, auf meiner Mortadellascheibe herum lutsche. Und sollte er mich doch versehentlich erwischen, so wird auf meinem Grabstein folgende Inschrift eingemeißelt sein: „Grabstelle frei, Informationen bei der Friedhofsverwaltung unter Telefon...“
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Quelle: http://stancerblog.blog.de/2011/04/23/ignoriert-11046280/
Äußerst selten zwingt mich ein Text zu einem lauten Auflachen.
Und wenn ein Text genau das schafft und es erreicht, dass man sich an den beschriebenen Orten an jene Geschichte erinnert - mit einem inneren Schmunzeln, dann darf er auf keinen Fall ignoriert werden.
Ich freue mich sehr, einen weiteren fabelhaften Blogpost von Stancer präsentieren zu dürfen!
Viel Vergnügen!
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Ignoriert
„Herr Doktor, keiner beachtet mich.“ - „Der nächste bitte!“ - sicher haben auch Sie gelacht über dieses Kleinod menschlicher Lachfaltenkultur, oder? - Ich nicht. Dabei bin ich nicht von Natur aus humorlos, nur ist dieser Witz kein solcher für mich, sondern bitterer Ernst: Ich werde ignoriert, immer schon, von frühester Kindheit an, von allen; selbst meine Eltern sprachen mich früher mit dem Namen des Wellensittichs an, weil sie sich meinen eigenen offenbar nicht merken konnten oder wollten, gut, das war immer noch besser, als wenn sie „he du da“ oder einfach „Dings“ zu mir gesagt hätten, und mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, auf Hansi zu reagieren.
Im Supermarkt an der Wursttheke: Während Mutti gekochten Schinken, Kalbsleberwurst und Thüringer Mett kauft, angelt die rosige Fleischereifachverkäuferin zwischen Abwiegen und „sonst noch etwas“ eine Mortadellascheibe mit Kichergesicht-Intarsie aus der Auslage und reicht sie mit langer Gabel dem strahlenden Kind hin, das in der Kinderablage des Einkaufswagens sitzt; es stopft sie genüsslich in sein drolliges Kindermündchen und bedankt sich brav, kauend, nachdem Mutti „was sagt man?“ gemahnt hat. - Ich habe mich nie bei der Wurstwiegerin bedankt, was nicht etwa Folge einer anerzogenen Unhöflichkeit war, nein, es gab einfach keinen Anlass. Statt mich, wie alle anderen Kundenkinder, mit grinsenden Mortadellascheiben zu versorgen, blickte sie durch mich hindurch, als ob statt meiner Muttis Einkaufstasche auf dem ausklappbaren Kindersitz gethront hätte; mein Blick, der jeden bettelnden Labrador farblos erscheinen ließ, prallte an ihrem undurchdringlichen Schutzschild ab.
Supermärkte blieben eine Problemzone, bis heute, da ich selbst und ohne Muttis Beistand einkaufe. „Möchten Sie mal den französischen Côte du Rhone probieren?“, fragt der junge Mann hinter seinem Probierstand in der Weinabteilung mit einnehmenden Lächeln. Gerne würde ich, nur galt die Frage nicht mir, sondern einem gehetzt blickenden Anzugträger, der sie überhört hat und mit Blick auf seine Datenpistole (vulgo: Blackberry) in die Tiefkühlabteilung eilt. Ich verlangsame meinen Schritt, als ich mich dem Probierstand nähere, blicke den jungen Mann fest an. Der widmet sich ganz seinen Probiergläsern, wienert an ihnen herum, hält sie prüfend gegen das Licht, und öffnet eine neue Flasche. Ich bleibe direkt vor dem Stand stehen, starre abwechselnd ihn und die Weinflaschen an. Er wienert weiter.
Ich räuspere mich laut vernehmlich, er putzt seine Theke. „Verzeihung“, setze ich an, „darf ich vielleicht mal von dem...“ Er holt sein Telefon aus der Tasche und ruft jemanden an, vielleicht seine Freundin, „...ganz schön viel los heute, aber im Moment ist etwas Luft“, höre ich ihn säuseln. Ich gebe auf. Kaum habe ich den Probierstand verlassen, höre ich ihn wieder fragen: „Möchten Sie mal...“
Ein echtes Kindheitstrauma war das Mannschaften wählen im Sportunterricht: Zwei Schüler durften abwechselnd die Spieler ihrer Basketballmannschaft wählen; am Ende blieben immer der dicke Klaus P. und ich übrig. Noch heute empfinde ich eine tiefe Abscheu gegenüber allen Sportarten, bei denen ein Ball in, durch oder über ein Netz zu bringen ist.
Es ist erwiesen: Essen in einem guten Restaurant setzt Glückshormone frei, erst recht in geselliger Runde mit Freunden - nur nicht bei mir. Während sich alle anderen den kulinarischen Genüssen hingeben, den Teller fast schon leer gegessen haben, sitze ich vor einer freien Fläche und warte. „Vorzüglich, möchtest du mal probieren?“ werde ich von links gefragt. „Nein danke, ich bekomme ja gleich“, antworte ich leicht gereizt. Gleich - erst die Nachfrage beim Kellner offenbart, man hat mich vergessen. Mit halbstündiger Verspätung verzehre ich schließlich missmutig meine Schweinemedaillons mit Rotweinsoße, alle anderen sind schon bei Dessert und Kaffee angelangt.
Ich werde ignoriert - die Liste der Beispiele ließe sich nahezu endlos fortsetzen: Am Bierstand auf dem Stadtfest darbe ich stundenlang durstig, während die Menschen links und rechts neben mir zügig bedient werden; in der Dankesrede des Chefs nach erfolgreichem Abschluss des Projekts kommt mein Name nicht vor, und bei Facebook habe ich keine Freunde. Gut, sonst auch nicht. Wäre ich Filmschauspieler geworden, würde im Abspann immer genau ein Name fehlen, während die Namen sämtlicher Statisten und derer, die nach den Dreharbeiten die Klos geputzt haben, akribisch aufgelistet sind.
Aber es hat auch Vorteile: Mit unangenehmen Sonderaufträgen beauftragt mein Chef stets nur meine Kollegen; ich kann ungehemmt mit sechzig durch die Tempo-Dreißig-Zone fahren, die Blitzanlage erwischt immer nur den Wagen hinter mir; Hunde betteln nur am Nachbartisch; niemand fragt mich, ob ich eine Obdachlosenzeitung kaufen möchte, und die Jungs auf dem Bahnsteig, denen noch zwei Euro für ihre Fahrkarte nach Leverkusen-Mitte fehlen, behelligen mich nicht. Selbst Grippeviren meiden mich: Während die halbe Abteilung schnieft oder krank im Bett liegt, sitze ich bester Gesundheit im Büro und rette die Welt.
Vermutlich wird eines hoffentlich fernen Tages der Sensenmann alles um mich herum niedergemäht haben, während ich, im Alter von Johannes Heesters‘ Vater und zahnlos, auf meiner Mortadellascheibe herum lutsche. Und sollte er mich doch versehentlich erwischen, so wird auf meinem Grabstein folgende Inschrift eingemeißelt sein: „Grabstelle frei, Informationen bei der Friedhofsverwaltung unter Telefon...“
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Quelle: http://stancerblog.blog.de/2011/04/23/ignoriert-11046280/
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