Freitag, 23. November 2012

Der nimmergrüne Daumen

Der größte Alptraum einer Pflanze ist wohl, in meiner Wohnung zu landen. Egal, wie grauenvoll ihr Leben vorher war, bei mir wird es qualvoll enden.

Das liegt aber nun nicht daran, dass ich Pflanzen nicht mag, sondern an meinem mangelnden grünen Daumen.
Aus Respekt vor der Pflanzenwelt habe ich daher äußerst wenig Grünzeug in meiner Wohnung stehen, um möglichst wenig Schaden anzurichten.

Nun gibt es aber immer Menschen, die - als höflicher Gast - ein Mitbringsel mitschleppen, und was gibt es schöneres als eine Grünpflanze. Denn jeder mag ja Pflanzen und Pflanzen kann man überall hinstellen, egal wie viele Gäste vorher schon Pflanzen mitgebracht haben. Da ich das mittlerweile schon kenne, bitte ich die Gäste bei Partyeinladungen von botanischen Geschenken abzusehen.
Offensichtlich bringt das meine Gäste auf die Idee, es wäre ein Wink mit dem Zaunpfahl. Die Party beginnt und mein Wohnzimmer gleicht kurze Zeit später einem botanischen Garten, alles steht voll mit irgendwelchem Grünzeug, von dem ich das meiste nicht kenne, geschweige denn den Namen weiß. "Das ist sowas von pflegeleicht" höre ich dann immer, "geht nicht kaputt, hab ich auch". 
Also bedanke ich mich artig und sage "Toll, so eine wollte ich immer schon mal haben, so eine .... grüne Pflanze!"
"Das ist eine Zamioculcas zamiifolia!"
Natürlich!

Den nächsten Tag bin ich damit beschäftigt, geeignete Orte für die Pflanzen zu finden:

- nicht zu sonnig,
- nicht zu schattig,
- ein bisschen Schatten, aber nicht zu viel,
- feucht, aber nicht zu warm (Kühlschrank?),
- morgens und abends dunkel, mag Mittagssonne,
- trinkt nur Wasser von glücklichen Hähnen. Aber nicht zu kalkhaltiges Wasser, denn der guten Pflanze ist unser Trinkwasser offensichtlich nicht gut genug.

Während ich in der ersten Woche verzweifelt versuche, die Pflanzen, deren Namen ich mir nie merken werde, am Leben zu erhalten, sind 2 bereits welk, eine hat Hoffnung und die anderen warten nur noch auf ihren viel zu frühen Tod. Eine Rücksprache mit dem Spender der Pflanze besagt "Um Himmels willen, die darf man nur alle 4 Wochen gießen!". Ich warte also und zähle die Wochen. Nach 3 Wochen habe ich vergessen, wann 4 Wochen um sind. Nach 6 Wochen sehe ich nur noch knusprig braune Blätter, ich habe einen weiteren Verlust zu vermelden.

Während mein Zimmerbrunnen wöchentlich einen großen Schluck Wasser bekommt, steht daneben eine Geschenkpalme (ich habe keine Ahnung, was für eine Gattung das ist) mit fast neidischem und doch traurigen Blick. Sie wurde wieder vergessen. Drei Nächte später fällt es mir auf, sie sah irgendwie unglücklich aus. Ich springe auf und gönne ihr im Halbschlaf 2 Liter Wasser. Zwei Tage später ist sie ertrunken.

So hat mein nimmergrüner Daumen wieder einmal das Leben von 4 Pflanzen gefordert.

Ganz besonders erfreulich sind vermeintlich gut gemeinte Gastgeschenkspflanzen, die mit kriechenden Schädlingen besiedelt sind. So hat sich meine Halloween-Geschenk-Pflanze zu einer eigenen Gruselparty entwickelt. Als ich ihr nach 2 Wochen Beachtung schenkte, sah ich vor Spinnweben und winzig kleinen weißen Krabbeltierchen die Pflanze nicht mehr. Ein Blick ins Internet verriet mir, dass diese Pflanzen (deren Namen ich Buchstabe für Buchstabe mühsam von dem Schildchen abgeschrieben hatte, da ihn kein Mensch der Welt auszusprechen vermag) besonders anfällig für Spinnmilben sind und man Acht geben muss, dass diese nicht auf alle anderen Pflanzen überspringen. Glücklicherweise waren die Nachbarspflanzen bereits tot und die vermilbte Halloween-Pflanze ging gleich mit über den Jordan.

Einzig und allein mein von mir eigens ausgesuchter Fikus irgendwas hält tapfer die Stellung und trotzt meinem schlechten Pflegeverhalten. Er hält 2 - 3 Wochen ohne Wasser aus, steht im Schatten und überhaupt hat er alles das nicht, was er laut Schildchen haben sollte. Und es geht im prächtig. Er wächst und grünt, schädlingsfrei. Wenn er Wasser benötigt, wirft er ein braunes Blatt ab, das mich dezent darauf hinweist, dass er unbedingt mal wieder gegossen werden muss. Die non-verbale Kommunikation funktioniert wunderbar. Überhaupt weigere ich mich, mit Pflanzen zu reden. Das gilt für alles ohne Augen, was mich nicht anguckt, wird toleriert, aber nicht bespaßt. Ich werde meinem Schnitzel nicht sagen, wie zart es ist und wie gut es schmeckt und ich werde meiner Pflanze weder mein Bedauern noch meinen Zuspruch ausdrücken.

Mittlerweile sieht es wieder bereinigter in der Wohnung aus, genau genommen mag ich es auch gar nicht, wenn jeder Quadratzentimeter mit einer Pflanze zugestellt ist, zumal sie bei mir spätestens nach ein paar Monaten ohnehin unansehnlich braun aussehen.

Zwei Wochen später sitze ich daheim und erwarte meinen Besuch. Es klingelt und ich werde mit den Worten begrüßt: "Schau mal, ich hab dir einen neuen Gummibaum besorgt, du hast ja gar keine Pflanzen in deiner Wohnung...!"

Freitag, 16. November 2012

Die Wellenlängen des Humors

Humor ist etwas ganz wundervolles. Und Humor ist wichtig, ganz besonders im Alltag. Ein herzliches Lachen kann die Laune schnell heben, sympathisch sein, anstecken.

Kann. Manchmal trifft man allerdings auf Menschen, die einen anderen Humor haben. Und wenn man Pech hat, sitzt man in großer Runde beisammen, macht einen kleinen Scherz und lacht laut los. Allein. Während die anderen in der Runde fassungslos gucken. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern. Und so schnell der Lachanfall eingetreten ist, so schnell verhallt er dann auch wieder, das Gesicht wird in Normalposition gerückt, der Blick gesenkt. Die Überlegung, ob es anrüchig war. Zu trocken. Zu albern? Zu flach?  

Kurze Zeit später erzählt einer der Anderen eine Anekdote. Und während bei der Pointe so ziemlicher jeder in kreischendes Lachen verfällt, sitzt man mit irritiertem Blick da und überlegt, worüber man lachen soll. Man möchte nicht unhöflich sein. Man lächelt unehrlich mit, während das Gehirn die Situation ein weiteres Mal durchspielt, um herauszufinden, was nun lustig an der Sache war. Zumindest weiß man nun, sich mit seinem Humor entsprechend zurückzuhalten und ihn besser dort anzubringen, wo er auch mit offenen Armen empfangen wird. 
Interessanterweise liegt dort doch gleich mehr Sympathie, denn ein Mensch, mit dem wir herzlich lachen können, und zwar über genau die gleichen (flachen oder nicht flachen) Witze, ist uns sofort gefällig. Gemeinsam herzhaft lachen verbindet, birgt eine gewisse Verbundenheit. Zugegeben, die Menschen in meinem Umfeld bedürfen eine große Portion Humor, denn meiner wechselt von trocken zu albern, je nach Stimmungslage eröffnet sich eine andere Art desselben. Ein Abend mit einem derben Lachflash ist ein gelungener Abend.

Manchmal ist es nicht nur der Humor, alleine das Lachen an sich bedarf schon einiger Worte, denn es gibt so viele unterschiedliche Lacher, die - je nach persönlichem Empfinden - nervend oder ansteckend sein können.

Da gibt es den leisen Lacher, der Blick ist auf den Boden gerichtet, das Lachen nahezu geräuschlos und man sieht nur an dem regelmäßigen Zucken des Körpers, dass dort irgendetwas in ihm stattfindet. Ob er lacht oder weint, findet man meist erst später raus.

Der Ernie-Lacher: muss nicht beschrieben werden, für mich ein äußerst ansteckendes Lachen, wenn aus dem Rachen heiteres "Krrrcchhkrrchhhkrcchhhh" ertönt.

Der Grunzer kann äußerst nervend sein, ein merkwürdiges Lachen, anfangs ziemlich erschreckend, vielleicht ist es gewöhnungsbedürftig. Grunzer lachen meist auffallend viel, wahrscheinlich um stolz jedem ihre Lache zu präsentieren.

Der Schreilacher: Wie auch immer er es schafft, zwischen den Lachattacken noch Kraft zum Schreien zu nehmen, er verdient auf jeden Fall Respekt für dieses Kunststück. Kann ansteckend sein, muss aber nicht. Bei Kopfschmerzen sollte man von humoristischen Einlagen im Gespräch absehen, da der Schreilacher einen Geräuschpegel von bis zu 80 Dezibel erreichen kann.

Der Röchler: auch eine äußerst interessante Art des Lachens, er lacht so herzlich, dass er kaum noch Luft bekommt und beginnt, heftig nach selbiger zu schnappen. Die Ansteckungsgefahr ist aufgrund der lustigen Geräusche und der Herzlichkeit ziemlich hoch.

Der herzhafte Lacher: einfach schön. Ehrlich, herzlich, normale Lautstärke ohne merkwürdige Geräusche. Ein Lachanfall, von dem man sich mitreißen lassen muss.

Aber egal wie man lacht, der heftigste Lachanfall kündigt sich letztlich doch immer in den Situationen an, in denen es absolut unpassend ist und man nicht einmal selber Verständnis dafür zeigen würde. Zum Beispiel in einer extrem wichtigen, seriösen Besprechung. Ein falsches Wort oder ein Versprecher und schon kommt er auf, staut sich an, der Druck im Bauch wird größer, die Mundwinkel ziehen sich nach oben, egal, wie fest man die Lippen aufeinanderpresst. Die Augen füllen sich mit Tränen (meistens ausgelöst durch einen heftigen Biss auf die Zunge), der Druck presst einen merkwürdigen Laut aus dem Inneren. In diesem Moment kann man alles tun, nur nicht laut loslachen. Oder seinen Nachbarn anschauen, der im besten Fall ebenfalls um Luft ringt. Ein einziger Blick reicht, um den aufgestauten Druck von beiden Seiten in einem monströsen Lachanfall platzen zu lassen.

Fassungslose Blicke von allen Seiten. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern.

Wenigstens lacht man dieses Mal nicht allein.

Freitag, 9. November 2012

Stancer´s "Ignoriert"

Ich bin eher ein stiller Leser. Lustige Bücher und anderes Geschriebenes lese ich mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen.
Äußerst selten zwingt mich ein Text zu einem lauten Auflachen.

Und wenn ein Text genau das schafft und es erreicht, dass man sich an den beschriebenen Orten an jene Geschichte erinnert - mit einem inneren Schmunzeln, dann darf er auf keinen Fall ignoriert werden.

Ich freue mich sehr, einen weiteren fabelhaften Blogpost von Stancer präsentieren zu dürfen!

Viel Vergnügen!

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Ignoriert


„Herr Doktor, keiner beachtet mich.“ - „Der nächste bitte!“ - sicher haben auch Sie gelacht über dieses Kleinod menschlicher Lachfaltenkultur, oder? - Ich nicht. Dabei bin ich nicht von Natur aus humorlos, nur ist dieser Witz kein solcher für mich, sondern bitterer Ernst: Ich werde ignoriert, immer schon, von frühester Kindheit an, von allen; selbst meine Eltern sprachen mich früher mit dem Namen des Wellensittichs an, weil sie sich meinen eigenen offenbar nicht merken konnten oder wollten, gut, das war immer noch besser, als wenn sie „he du da“ oder einfach „Dings“ zu mir gesagt hätten, und mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, auf Hansi zu reagieren.
Im Supermarkt an der Wursttheke: Während Mutti gekochten Schinken, Kalbsleberwurst und Thüringer Mett kauft, angelt die rosige Fleischereifachverkäuferin zwischen Abwiegen und „sonst noch etwas“ eine Mortadellascheibe mit Kichergesicht-Intarsie aus der Auslage und reicht sie mit langer Gabel dem strahlenden Kind hin, das in der Kinderablage des Einkaufswagens sitzt; es stopft sie genüsslich in sein drolliges Kindermündchen und bedankt sich brav, kauend, nachdem Mutti „was sagt man?“ gemahnt hat. - Ich habe mich nie bei der Wurstwiegerin bedankt, was nicht etwa Folge einer anerzogenen Unhöflichkeit war, nein, es gab einfach keinen Anlass. Statt mich, wie alle anderen Kundenkinder, mit grinsenden Mortadellascheiben zu versorgen, blickte sie durch mich hindurch, als ob statt meiner Muttis Einkaufstasche auf dem ausklappbaren Kindersitz gethront hätte; mein Blick, der jeden bettelnden Labrador farblos erscheinen ließ, prallte an ihrem undurchdringlichen Schutzschild ab.

Supermärkte blieben eine Problemzone, bis heute, da ich selbst und ohne Muttis Beistand einkaufe. „Möchten Sie mal den französischen Côte du Rhone probieren?“, fragt der junge Mann hinter seinem Probierstand in der Weinabteilung mit einnehmenden Lächeln. Gerne würde ich, nur galt die Frage nicht mir, sondern einem gehetzt blickenden Anzugträger, der sie überhört hat und mit Blick auf seine Datenpistole (vulgo: Blackberry) in die Tiefkühlabteilung eilt. Ich verlangsame meinen Schritt, als ich mich dem Probierstand nähere, blicke den jungen Mann fest an. Der widmet sich ganz seinen Probiergläsern, wienert an ihnen herum, hält sie prüfend gegen das Licht, und öffnet eine neue Flasche. Ich bleibe direkt vor dem Stand stehen, starre abwechselnd ihn und die Weinflaschen an. Er wienert weiter.

Ich räuspere mich laut vernehmlich, er putzt seine Theke. „Verzeihung“, setze ich an, „darf ich vielleicht mal von dem...“ Er holt sein Telefon aus der Tasche und ruft jemanden an, vielleicht seine Freundin, „...ganz schön viel los heute, aber im Moment ist etwas Luft“, höre ich ihn säuseln. Ich gebe auf. Kaum habe ich den Probierstand verlassen, höre ich ihn wieder fragen: „Möchten Sie mal...“

Ein echtes Kindheitstrauma war das Mannschaften wählen im Sportunterricht: Zwei Schüler durften abwechselnd die Spieler ihrer Basketballmannschaft wählen; am Ende blieben immer der dicke Klaus P. und ich übrig. Noch heute empfinde ich eine tiefe Abscheu gegenüber allen Sportarten, bei denen ein Ball in, durch oder über ein Netz zu bringen ist.

Es ist erwiesen: Essen in einem guten Restaurant setzt Glückshormone frei, erst recht in geselliger Runde mit Freunden - nur nicht bei mir. Während sich alle anderen den kulinarischen Genüssen hingeben, den Teller fast schon leer gegessen haben, sitze ich vor einer freien Fläche und warte. „Vorzüglich, möchtest du mal probieren?“ werde ich von links gefragt. „Nein danke, ich bekomme ja gleich“, antworte ich leicht gereizt. Gleich - erst die Nachfrage beim Kellner offenbart, man hat mich vergessen. Mit halbstündiger Verspätung verzehre ich schließlich missmutig meine Schweinemedaillons mit Rotweinsoße, alle anderen sind schon bei Dessert und Kaffee angelangt.

Ich werde ignoriert - die Liste der Beispiele ließe sich nahezu endlos fortsetzen: Am Bierstand auf dem Stadtfest darbe ich stundenlang durstig, während die Menschen links und rechts neben mir zügig bedient werden; in der Dankesrede des Chefs nach erfolgreichem Abschluss des Projekts kommt mein Name nicht vor, und bei Facebook habe ich keine Freunde. Gut, sonst auch nicht. Wäre ich Filmschauspieler geworden, würde im Abspann immer genau ein Name fehlen, während die Namen sämtlicher Statisten und derer, die nach den Dreharbeiten die Klos geputzt haben, akribisch aufgelistet sind.

Aber es hat auch Vorteile: Mit unangenehmen Sonderaufträgen beauftragt mein Chef stets nur meine Kollegen; ich kann ungehemmt mit sechzig durch die Tempo-Dreißig-Zone fahren, die Blitzanlage erwischt immer nur den Wagen hinter mir; Hunde betteln nur am Nachbartisch; niemand fragt mich, ob ich eine Obdachlosenzeitung kaufen möchte, und die Jungs auf dem Bahnsteig, denen noch zwei Euro für ihre Fahrkarte nach Leverkusen-Mitte fehlen, behelligen mich nicht. Selbst Grippeviren meiden mich: Während die halbe Abteilung schnieft oder krank im Bett liegt, sitze ich bester Gesundheit im Büro und rette die Welt.

Vermutlich wird eines hoffentlich fernen Tages der Sensenmann alles um mich herum niedergemäht haben, während ich, im Alter von Johannes Heesters‘ Vater und zahnlos, auf meiner Mortadellascheibe herum lutsche. Und sollte er mich doch versehentlich erwischen, so wird auf meinem Grabstein folgende Inschrift eingemeißelt sein: „Grabstelle frei, Informationen bei der Friedhofsverwaltung unter Telefon...“


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Quelle: http://stancerblog.blog.de/2011/04/23/ignoriert-11046280/

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Happy Halloween

Zugegeben, nicht jeder Trend aus Amerika ist gut. Halloween hingegen erfreut mich jedes Jahr wieder.

Und bevor die Nacht einbricht, wird die Wohnung zu einem düsteren Ort. Die Möbel verrückt, Plastikspinnen und Streuameisen drapiert, riesige Laken über die Möbel geworfen und Spinnenetze verteilt. Die dunklen Ecken werden zur Herberge sprechender Grabsteine, grünäugiger Totenköpfe und Keep-Out-Schilder mit ächzendem Sound und zackiger Schrift.

Gruselige kleine Gestalten bilden die Vorhut, sie scharren an den Türen und sind unermüdlich, das Süßwarentöpfchen zu leeren. Kleine Geister, Piraten, und eine verlorene Fee springen vor den Türen hin und her.
Kurze Zeit später, nachdem die Kirchenglocken in die Nacht hinaus geläutet haben, kommen die Großen: blutverschmierte Ärzte, Hexen, Vampire, Zombies, Schlachter, Teufel und diverse andere Gestalten. Sie tummeln sich, lachen, tanzen, nutzen diese eine Nacht schamlos aus. Skurrile Bilder ergeben sich, als nach diversen blutroten Vodka-Wackelpudding-Desserts der Schlachter taumelnd unter einem Besenstil, der von 2 Vampiren gehalten wird, Limbo tanzt und der Arzt mit der Hexe einen Tango auf´s Parkett legt.

Nach ein paar Stunden ist alles vorbei, die mittlerweile schunkelnden und lallenden Gestalten streunen über die Straße, der Tag bricht an.

Und mit ihm das wohl größte Grauen. Ein übler Kater, aufwachen neben diversen Streuameisen und Plastikspinnen und ein Anblick des Horrors. Panik breitet sich aus. Soweit das Auge reicht: überall dreckige Gläser, überquillende Aschenbecher, ein von Halloween-Schminke schwarz-rot-verschmierter Boden, Knabbereien und andere Süßigkeiten sind zum Teil in den Spinnnetzen verheddert. Und ein schlafender Zombie auf dem Boden.

Motivationslos werden 2 - 3 Spinnennetze abgehängt und 2 dreckige Gläser weggestellt. Zurück ins Bett. Nicht den Zombie wecken.

Bleibt nur eins zu sagen: Das, und zwar genau das, ist eine äußerst gelungene Halloween-Party!

Ein fröhliches Halloween! 

Donnerstag, 18. Oktober 2012

... und ewig kreisen die Suchenden

Die Parkplatzsuche ist in den meisten Fällen die Achillesferse eines jeden Autofahrers. Des Öfteren ist der Weg zum Parkplatz schon weniger glücklich verlaufen, meistens durch das erhöhte Verkehrsaufkommen - die liebevolle Beschreibung für den "beschissenen Drecksstau", der immer genau dann auftaucht, wenn man es wirklich eilig hat. So erreicht man ziemlich gereizt mit kleinen Resten von Wutschaum am Mund unter Zeitdruck die Nähe seines Ziels. Ein Blick auf die Uhr genügt, um festzustellen, dass man sich um mindestens 10 Minuten verspätet hat, aber man ist ja jetzt da, alles wird gut. Denkt man. Denn in den meisten Fällen beginnt genau hier das Desaster, die ewige Parkplatzsuche, die Schlacht der Autofahrer. Man darf sich sicher sein, dass man nicht der Einzige ist, der das Objekt der Begierde für sich beanspruchen möchte, reihum stehen weitere angefressene Autofahrer, die bereit sind, alles dafür zu tun, um einen Stellplatz für ihr Auto zu ergattern. Nun könnte man weiterfahren, tut man aber nicht und zwar aus folgenden Gründen:

1) Man ist in einer fremden Stadt und kann nicht sagen, wo der nächste Parkplatz ist und wie weit man von dem Zielort entfernt ist

2) Man ist definitiv zu spät dran, um noch weiter durch die Stadt zu fahren

3) Man könnte einen weiteren Stau riskieren

4) Das Alphamännchen in uns will UNBEDINGT DIESEN EINEN PARKPLATZ und die Konkurrenz wird keine Chance haben.

In 98 % aller Fälle haben wir nun den Schlachtplatz unserer Wahl gefunden. Mögen die Kämpfe beginnen.

Die eine Hälfte der Parkplatzsuchenden fährt immer im Kreis, immer wieder hoch und runter in der Hoffnung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, während die andere Hälfte sich in eine Reihe ihrer Wahl stellt und unruhig wartet. Mit glänzenden Augen. Ob es sich hierbei um Tränen der Verzweiflung oder Speicheltröpfchen des vorherigen Fluchgelages handelt, vermag ich nicht zu sagen. 


Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Ich warte.
Wenn sich auch nur ein Auto in meine Nähe wagt, wird mit heftig wedelnden Armen sofort klar gemacht, um wessen Revier es sich handelt, das Jagen wird dem anderen sofort untersagt. Nachdem ich nun 20 Minuten mein Revier verteidigt habe und kein Mensch an sein parkendes Auto ging, um wegzufahren, trolle ich mich und suche ein neues Revier zum Jagen. Im gleichen Moment allerdings, in dem ich meine Reihe verlasse, kommt ein gut gelauntes Pärchen um die Ecke und geht zu seinem Auto. In eben jener Reihe, die ich gerade ungeduldig verlassen habe. Mit Vollgas rase ich durch die Gänge, um meinen Parkplatz zu ergattern, doch leider kommt mir ein gewiefter Glückspilz zuvor und parkt geradewegs ein. Es folgt ein heftiges Streitgespräch, welches den Glückspilz allerdings ziemlich unbeeindruckt lässt. Ich suche weiter.

Mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn man das Glück hat, dass ein Ausparker geradewegs auf die Reihe zugeht, in der ich warte, man aber feststellt, dass er Bummler ist. Er räumt erstmal in Ruhe sein Auto um, der Kofferraum wird geöffnet, Taschen werden eingeladen, dies und jenes ausgeladen, geschaut, ob alles noch an seinem Platz ist. Dann steigt er endlich ein (ich stehe bereits auf dem Gas), schließt die Tür, lässt den Wagen an. Zündet sich eine Zigarette an. Jetzt. Ich warte. Er raucht und fängt an zu telefonieren. Mein rechtes Auge zuckt. Ich versuche zu atmen, steige aus, verkrampfe mein Gesicht zu einem Lächeln und klopfe an der Scheibe. Er signalisiert, ich solle warten. ICH WARTE. Mein rechtes Auge zuckt heftiger. Mein Lächeln wird durch das Zucken unterbrochen, ich sehe aus wie ein Kettensägenmörder. Er signalisiert, er brauche noch einige Zeit. ICH FLUCHE. Schimpfend steige ich in mein Auto. Fahre weiter. Werde viermal angehupt, weil ich in das Revier anderer Wartender eingedrungen bin. Meine innere Uhr sagt mir, ich habe meinen Termin verpasst, aber hier geht es nicht mehr um den Termin, es geht hier um´s Prinzip. Ich will meinen Parkplatz!

Von Weitem sehe ich eine Lücke blitzen - ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont. Ich rase los. Kurz vorher zerbricht meine Vorfreude. Ein sehr sehr sehr kleines Auto steht tatsächlich auf anderthalb Parkplätzen. Möglicherweise aus Frust, warum sollen immer die dicken Autos 2 Parkplätze beanspruchen können, man kann auch mit etwas, das früher als Schubkarre durchgegangen wäre, ebenso frech parken.

Und dann sehe ich eine Frau auf den Parkplatz schlendern. Sie lächelt mich an und winkt, ich solle ihr folgen. Ich versuche, nicht mehr allzu furchteinflößend auszusehen und zu lächeln. Fahre ihr nach. Sie ist kein Bummler, steigt ein und will ausparken, doch von der anderen Seite hat die Konkurrenz die Witterung aufgenommen. Mein Ehrgeiz wächst über sich hinaus, mein Kampfgeist ist sensibilisiert. Ich werde diesen Parkplatz kriegen. Sie parkt in die für mich bessere Richtung aus, ich habe meinen Parkplatz. Ich atme kurz durch, kann mir ein gehässiges Grinsen nicht verkneifen. Triumphierend schaue ich mich nach der Konkurrenz um. Doch er wollte den Parkplatz gar nicht, er wollte das Parkhaus verlassen. Wie alle anderen auch.

Das Parkhaus schließt. Aber es wird wieder öffnen. Und dann bin ich der erste, der einen Parkplatz hat! 

Freitag, 12. Oktober 2012

Murphys Law

Es ist immer dasselbe. Es treibt mich in den Wahnsinn!

In den völlig entspannten Phasen des Lebens bleibt es entspannt, doch wird es turbulenter, können wir darauf Wetten abschließen, dass grundsätzlich eine Katastrophe die nächste jagt.

Die Arbeit nimmt mich gerade völlig ein, es haben sich einige Besucher angekündigt und man möchte natürlich alles perfekt haben. Der Alltag wird durchhetzt, um dies und das zu erledigen, zu wienern und Vorbereitungen zu treffen. Mein Besuch wird das leider nicht bemerken, denn er wird zu sehr mit Frieren beschäftigt sein. Natürlich muss die Heizung gerade jetzt ausfallen. Natürlich nur in meiner Wohnung. Und ich bin mir sicher, ich werde von dem Heizungsnotdienst morgen mindestens ein "So etwas habe ich ja noch nie erlebt" zu hören bekommen, gefolgt von einem beschämten Hüsteln, was mir sagen wird, dass man nicht wisse, woran es liegt, man sich aber darum kümmern wird. Selbstverständlich wird man eine Lösung finden und die Heizung wird wieder funktionieren und zwar - sekundengenau - in dem Moment, in dem mein Besuch die Wohnung verlässt.

Es ist Murphys Law, das besagt, es wird all das schief gehen, was schief gehen kann. Man plant eine große Party und kurz bevor der erste Gast läutet, gibt die Spülmaschine den Geist auf.

Man kommt aus dem Urlaub mit Bergen von ungewaschener Wäsche, die sich auf ein Vollbad in der Waschmaschine freut und die Waschmaschine versagt.

Einen Abend vor der Reise wird der Wagen in der Tiefgarage eingesperrt und man kann ihn erst nächsten Morgen abholen, genau zu der Zeit, wenn der Flieger starten soll.

Ein lange geplanter Opernabend und genau in dem Moment, in dem man das Haus verlassen möchte, fliegt die Sicherung raus, die Küchenlampe zerspringt und richtet eine Verwüstung in der Küche an, die ihresgleichen sucht.

Man hat ein Vorstellungsgespräch und als man losfahren möchte, gibt die Autobatterie den Geist auf.

Die Liste ist beliebig und vor allem mit Sicherheit stetig fortzuführen.

Sie entschuldigen mich, ich muss jetzt die restlichen Einrichtungsobjekte meiner Wohnung zerlegen, damit mein Besuch nicht noch mehr böse Überraschungen erlebt.

Donnerstag, 27. September 2012

Komfortzonen

Jeder Mensch hat seine Macken - und genau diese machen jeden für sich individuell und meistens auch interessant. Ich mag die Macken anderer Leute.. manchmal.

Rund um meinen Körper hat sich eine Wohlfühlzone mit einem etwa 1,5 m Radius gebildet. Das ist zugegebenermaßen etwas mehr als bei anderen Menschen, für mich aber notwendig, denn ich möchte mich ja - man kann es erahnen - wohlfühlen. Alles, was in diesen Radius einfällt, wird als Eindringling betrachtet, die Füße reagieren schnell und bringen den Körper wieder in den komfortablen 1,5 m - Abstand. Für den Fall, dass Platz ist. Und genau hier stoße ich an mein Problem. 

Es gibt wenig Aufzüge, in denen Platz zum Ausweichen ist. Die von mir so geliebten Paternoster gibt es leider kaum noch, aus denen war ein spontanes Heraushüpfen wenigstens weitestgehend möglich. Mittlerweile beobachte ich, wie viele Menschen vor einem Aufzug stehen, entscheide mich ab und zu doch für das Treppenhaus. Unglücklicherweise kann man nicht alles vorhersehen und so stehe ich mit meiner Wohlfühlzone in einem verlassenen Aufzug und genieße die Fahrt, bis er stoppt, die Tür aufgeht und ein Meer von Menschen in den Aufzug geschwemmt wird. Mit zarter Stimme versuche ich, auf die 9-Personen-Beschränkung hinzuweisen und die Flucht zu ergreifen, doch meine kläglichen Versuche verhallen im Stimmgewirr der Menschenmenge. Während meine Komfortzone sich in die linke, obere Ecke des Aufzugs verzieht, warte ich mit geschlossenen Augen und angehaltenem Atem, bis der Fahrstuhl nach gefühlten Stunden in der gewünschten Etage anhält und ich mich aus dem winzigen Käfig befreien kann.

Bei Unterhaltungen achte ich stets darauf, einen gesunden Abstand zu meinem Gesprächspartner zu halten, um eine angenehme und gepflegte Kommunikation führen zu können. Doch es gibt sie immer wieder, die subtilen Kuschler, die in kurzen Abständen - jedes Wort ein kleiner Schritt - näher rücken. Sie suchen die Nähe, möglichst, um ihr Gegenüber noch anzustupsen oder Gesten noch imposanter vorführen zu können. Weicht man nicht aus, sieht man sich ein paar Minuten später Schulter an Schulter, Nase an Nase zu seinem Gesprächsteilnehmer. Mit einer gesunden Komfortzone passiert aber etwas anderes: man weicht automatisch zurück. Und so entsteht ein Wandergespräch. Je nach Dauer dieser Kommunikation findet man sich plötzlich an einem völlig anderen Ort vor. Den Kuschler beeindruckt das allerdings wenig - ohne Unterlass versucht er, in die Wohlfühlzone seines Gegenübers einzudringen, sucht die Nähe, um zu stupsen und zu drücken. Warum man sein Gegenüber überhaupt während einer Konversation anstoßen muss, hat sich mir bis heute übrigens nicht erschlossen. Ein Schulterklopfer oder ein gezielter Stoß gegen den Oberarm untermalen das Gespräch mit einem negativen Beigeschmack vor allem, wenn es in völliger Euphorie unter Einbuße der Kontrolle des Schlages geschieht. Das schmerzverzerrte Gesicht des Gegenübers scheint dem Kuschler in seinem Vorhaben keinen Abbruch zu tun. Ich bin gnadenlos, bevor ich gestupst werde, wander ich weiter, mit dem Hintergedanken, ob es ihm wirklich nicht auffällt. Hier hat sich bewährt, am besten Richtung Tür zu wandern, man kann diese belanglos im Gespräch öffnen und den Kuschler hinauslaufen lassen. Tür zu. Gespräch beendet. Ohne Hämatome an den Oberarmen.

Dann gibt es noch die Busserl-Begrüßer. Ob privat oder geschäftlich, ich möchte entscheiden, wem ich die Hand gebe oder wen ich busserl. Und gebusserlt wird - man ahnt es bereits - bei mir äußerst selten. Doch kommt man leider manchmal nicht umhin, da das Gegenüber - was man schlimmstenfalls nicht einmal kennt - die ausgestreckte Hand ergreift, einen heranzieht und fröhlich darauflosbusserlt, ob man möchte oder nicht, spielt hier keine Rolle. Kurz darauf folgt eine kurze Verwirrung - 2 oder 3 Busserl auf die Wangen, meistens steht einer noch mit kussmundgeformten Lippen und halb geschlossenen Augen da, während der andere (das bin ich) bereits mit großen Schritten in die sichere Komfortzone zurückläuft. Das ist unhöflich, aber es verwirrt mich ebenso wie mein Gegenüber und es überrascht mich immer wieder, dass meine eindeutige Körpersprache mit einem zurückgelehnten Oberkörper und einer weit nach vorn ausgestreckten Hand missinterpretiert wird und ich offensichtlich so aussehe, als müsste ich unbedingt herzhaft gebusserlt werden.

Schutzlos ausgeliefert ist meine Komfortzone in der Sauna. Was ein Widerspruch in sich ist, denn ich möchte mich wohlfühlen und zwar während des ganzen Aufenthaltes dort. Doch wenn man die Aufgusszeiten nicht vorher auswendig gelernt hat, entstehen Situationen wie zuvor im Aufzug beschrieben. Die Tür geht auf und eine Horde wellness- und aufgussbegeisterter Saunierer stürmen die Sauna. Sie laufen über mein Handtuch - und ganz ehrlich: FÜßE haben schon gar nichts in meiner Komfortzone zu suchen! Ich habe selber 2 gesunde Füße, das reicht für meine Zone, mehr müssen da nicht rein. Und schon überhaupt nicht auf mein Handtuch! Die Sauna wird geflutet, die Menschen quetschen sich nebeneinander und dann das Desaster: verschwitzte Arme drücken von links und rechts an meine. Mit einem angeekelt-empörten Blick versuche ich meinen Mitsaunierern klar zu machen, dass ich das unter gar keinen Umständen möchte!  Sie akzeptieren....  und fangen an, sich mit ihrem Schweiß einzureiben! Erstarrt sitze ich ohne Komfortzone dort, nicht fähig zu fliehen, die Tür ist bereits geschlossen, der Aufguss beginnt, ich bin gefangen. Nach 10 Minuten verlasse ich blass und angespannt die Sauna und schwöre, nie wieder an einem Aufguss teilzunehmen. 


Sofern ich denn später alt und grau bin und einen Gehstock benötige, sollte meine Wohlfühlzone geschützt sein, denn jeder Eindringling wird sofort mit dem Stöckchen gepiekst und in seine richtige Position geschubst. Und wehe, er versucht mich anzustoßen...