Endlich Urlaub! Und die ultimative Entspannung findet sich bei mir in Fernreisen - am feinen Sandstrand mit glasklarem Meer, Cocktails, gutem Essen und viel Sonne.
Doch leider - da sich mein Kindheitswunsch nicht erfüllt hat und wir uns heute immer noch nicht innerhalb kürzester Zeit an einen beliebten Ort beamen können - muss man vorher die Tortur der langen Anreise in Kauf nehmen. Je nach Fluggesellschaft und Budget kann man entspannt und glücklich am Reiseziel ankommen... oder völlig entnervt mit zerknirschtem Gesicht, hochgezogener Lippe und gefletschten Zähnen. Glücklicherweise war es dieses Jahr Letzteres und somit habe ich genug Stoff, diesen Blogbeitrag zu schreiben.
Einchecken.
2 Tage vor dem Flug überzieht ein Lächeln meine Lippen. Habe ich doch die Möglichkeit, mich direkt online einzuchecken und muss nicht, wie alle anderen Leute, 2 Stunden vor Abflug in der Warteschlange vor dem Schalter stehen und hoffen, dass ich noch zeitig einchecken kann.
Ich zücke mein internetfähiges Mobilgerät und tippe freudig die Website der Fluggesellschaft - nennen wir sie mal C. - ein. Dort erfahre ich, dass ich erst 24 Stunden vorher online einchecken kann. Kostet 20 €. Kostenlos wird es erst, wenn ich 12 Stunden vor Abflug einchecke. Ich bin kein Pfennigfuchser, aber ich kann warten! Ich sehe es auch nicht ein, für eine teure Fernreise noch einen Aufpreis von min. 500 € für ein Upgrade zu bezahlen, denn andere Fluggesellschaften haben in der Vergangenheit gezeigt, dass komfortables Reisen in der Holzklasse möglich ist.
12 Stunden vor Abflug werfe ich erneut einen Blick auf die Homepage, grinsend und in der Gewissheit, dass kaum jemand so blöd ist, die zusätzlichen Kosten auf sich zu nehmen und ich damit die freie Platzwahl habe.
Ich ergattere den letzen Fensterplatz, alle weiteren sind komplett ausgebucht, offensichtlich verdient C. hier eine Menge Geld mit der Vorreservierung der Sitzplätze.
Nun kann nichts mehr schief gehen. Ich steige in die Bahn (lobend sei hier das Zug-zum-Flug-Ticket erwähnt) und fahre pünktlich gen Flughafen. Die Bahn enttäuscht mich nicht, ich erreiche 2 1/2 Stunden vor Abflug den Flughafen, suche mein Terminal mit den Schaltern der Fluggesellschaft C. Ich laufe an einer 1-km-langen Warteschlange voll ungeduldiger Reisender vorbei, werfe von weitem einen Blick auf die Schalter und stelle fest, ich bin am Ziel. Ein süffisantes Lächeln legt sich auf meine Lippen. Ich habe ja bereits eingecheckt und muss nun nur noch mein Gepäck aufgeben. Ich überhole die komplette Warteschlange. Komme vorn an den Schaltern an. "Gepäckaufgabe" steht auf dem Schild zu meiner linken, 2 Leute stehen am Schalter. Mein Grinsen wird breiter. Dann schaue ich hinter die 2 Leute. Das Ende der Schlange zur Gepäckaufgabe ist nicht sichtbar. Mein Grinsen verschwindet, die Mundwinkel kippen automatisch nach unten. Mürrisch begebe ich mich 600 m zurück - zum Ende der Wartenschlange. Kann ja nicht lange dauern, die haben ja schon alle eingecheckt. Als eine Mutter vor mir ihren Kindern sagt "das ist das letzte Butterbrot, was ich bei habe", werde ich stutzig.
1 Stunde später bin ich auf 300 m an den Schalter herangerückt. Hinter mir eine Familie mit einer nörgelnden älteren Dame "Warum haben wir dann überhaupt einen Online-Check-In gemacht?", vor mir die quengelnden Kinder. Meine Urlaubsstimmung neigt sich dem Ende.
Eine weitere halbe Stunde später habe ich es fast geschafft, noch 4 Leute stehen vor mir. Dann ruft eine Mitarbeiterin der Fluggesellschaft mein Reiseziel aus, mit der Bitte, sofort mitzukommen, damit wir den Flieger nicht verpassen. Knapp 100 Leute verlassen ihren Plätze in den Warteschlangen und strömen auf die verdutzte Dame zu.
Ich stehe hinten in der neuen Schlange. Vor 100 Leuten, die noch einchecken müssen. Und so warte ich. 30 Minuten später stehe ich endlich mit gefletschten Zähnen vor einem Schalter vor einem überraschten Mitarbeiter der Fluggesellschaft C. "Sie müssen ja nur ihr Gepäck aufgeben?! Warum stehen Sie denn nicht an dem Schalter "Gepäckaufgabe" an, da wären Sie ja viel schneller dran gekommen!" Gedanklich springe ich über den Schalter und flitsche ihm mit meinen Pass auf die Nase. Stattdessen deute ich aber nur auf seine Kollegin, er zuckt die Schultern und gibt mir zu verstehen, ich müsse mich beeilen. Das Boarding hat bereits begonnen.
Ich gehe Zeitschriften shoppen. Denn bekanntermaßen werden - so wie immer - die Sitzreihen zuerst geboardet, in denen ich nicht sitze. So auch dieses Mal. Nach erfolgreichem Zeitschriften-Shopping ist die Wartehalle bereits halb leer gefegt und gerade als ich eintreffe und boarden will, bekomme ich zu hören: "Sie nicht! Sie sind noch gar nicht aufgerufen." Ich trolle mich zurück. Protesthalber steige ich als letzter ein.
Ich sitze. Endlich. Oder leider. Eigentlich ist es mehr ein Hocken. Bei einem 10 1/2 Stunden Flug hatte ich mir eine Maschine gewünscht, die wenigstens so etwas wie Beinfreiheit anbietet. Auch in der sogenannten Holzklasse.
Nachdem ich meine Beine unter dem Sitz des Vordermanns verstaut habe - mit dem erfolglosen Versuchen, dass meine Knie nicht am Vordersitz entlang scheuern - rollen wir endlich los.
Ich freue mich auf einen Rotwein - zur Beruhigung. Eine Durchsage erklärt mir, dass alkoholische Getränke nicht im Preis einbegriffen sind (außer 1 Willkommenscocktail). Wein kostet 5 €. Ich weine leise vor mich hin.
Die Anschnallzeichen erlischen. Endlich - zurücklehnen und den Flug genießen, soweit es denn geht. Ich drücke das Knöpfchen, um meinen Sitz die möglichen 3,5 cm nach hinten zu neigen. Nichts passiert. Ich drücke, ich ziehe, ich schiebe und klingel nach 30 erfolglosen Versuchen nach der Stewardess. Ein verknautschtes zusammengekniffenes Gesicht ohne den Anflug eines Lächeln taucht vor mir auf. Ich beschwere mich ob des kaputten Sitzes. Die verständnislose Antwort schmettert mir entgegen "Sie sitzen ja auch vor dem Notausgang, da gehen die Sitze nicht zurück!" Während ich noch fassungslos stammel, dass ich das so nicht gebucht habe, schwindet sie bereits zurück. Wieder weine ich leise vor mich hin. Kein Wein, kein Zurücklehnen und bereits nach 1 Stunde wunde Knie.
Nach 2 Stunden gibt es immerhin etwas zu Essen. Während andere Fluggesellschaften Service bieten und 2 Menüs zur Auswahl haben, bekommt man hier immerhin etwas zu essen. Nicht zu definieren, was es ist (und ja, das ist leider bei fast allen Fluggesellschaften der Fall) und von Auswahl gar nicht zu reden. Da ich aber, wie oben geschrieben, nicht in der 2., sondern in der dritten Klasse sitze, bekommt erst die Premium Komfort-Class das Essen serviert (ich glaube sogar, bei der Stewardess ein winziges Lächeln erkannt zu haben). Ich versuche, mein Klappbrettchen aus dem Sitz des Vordermanns auszuklappen. Ich bin nicht dick! Aber es drückt ein wenig gegen den Bauch.
Während des Essens werde ich knapp 4x ohnmächtig aufgrund des Luftmangels. Wenigstens schmecke ich den Fraß auf diese Weise kaum.
Nach dem Essen sind alle Fluggäste glücklich, drücken ihre Sitze die möglichen 3,5 cm nach hinten und schlafen. Frustriert hocke ich in meinem Sitz. Der Versuch, das Nackenkissen zu benutzen, scheitert. Sobald es um meinen Hals liegt, kippt der Kopf nach vorne. Durch den zurückgeklappten Sitz meines Vordermanns sind meine Knie mittlerweile eingeschlafen... oder mangels Blutzuflusses abgestorben. Wenigstens hat C. ein breit gefächertes Angebot von teilweise älteren Filmen, die auf winzigen Bildschirmen gezeigt werden. Um mir diese anzuschauen, muss ich meinen Kopf im 70 Grad-Winkel nach links drehen und um ca. 20 Grad schräg neigen, damit ich das Bild erkennen kann. Tatsächlich fallen mir langsam die Augen zu, als sich plötzlich von der rechten Seite meiner Armlehne ein Fuß von hinten anschleicht. Ich rücke meinen Kopf nach rechts unten und schaue entsetzt auf den wackelnden Fuß. Mit zuckendem Auge drehe ich mich um, die Dame, die es sich dort gemütlich gemacht hat, hat eine Beinfreiheit, für die ich sie beneide (eben wegen jenes Notausstiegs) und hat dann noch die Frechheit, meinen winzigen Freiraum zu beschlagnahmen. Ich drücke den Fuß zurück und stopfe mein Nackenkissen in die Lücke. Ist es wenigstens doch zu etwas zu gebrauchen während des Fluges.
4 Stunden später trocknen nach und nach meine Augen und Nase aus, ich altere in kürzester Zeit um 10 Jahre. Jetzt ein heißes feuchtes Tüchlein, zum Erfrischen und Befeuchten des Gesichts.
Und tatsächlich: die Stewardessen sind gerade unterwegs mit heißen Tüchern... für die 2. Klasse. Ich bekomme kein Tuch und trockne vor mich hin. Stündlich kommen die Damen, die mit zu den grimmigsten Gestalten aller Fluggesellschaften, die ich bisher erlebt habe, mit einem Fingerhut voll Wasser vorbei, welches bereits beim Berühren meiner Zunge durch die Trockenheit verpufft.
Zwischendurch beobachte ich auf den Bildschirmen - sofern mein verrenkter Nacken die Neigung noch schafft - das kleine animierte Flugzeug, um zu schauen, wann ich mich endlich bewegen kann.
Nach 10 1/2 Stunden erreichen wir endlich den Zielflughafen. Die Fluggäste erheben sich und verlassen nach und nach das Flugzeug. Ich bleibe noch sitzen.
Vielleicht bekomme ich irgendwann wieder ein Gefühl in den Beinen. Und wahrscheinlich genau dann muss ich den Rückflug wieder antreten.
Danke liebe C. für so ein beeindruckendes Urlaubserlebnis!
Sonntag, 25. August 2013
Sonntag, 12. Mai 2013
Elster
Einmal im Jahr ist der Tag X gekommen. Der Tag, vor dem sich jeder Steuerzahler fürchtet.
Die Steuererklärung steht an und wäre sie ein kleines, gut verständliches Formular, in welches ein paar Kreuzchen und Zahlen eingetragen werden müssten, hätte sicherlich niemand mit dem inneren Schweinehund zu kämpfen. Fakt ist aber, dass bei der Bearbeitung der vielseits unbeliebten Erklärung ein gewisser Vorrat an alkoholischen Getränken, Zigaretten und Beruhigungstabletten erforderlich ist, um nicht komplett durchzudrehen.
Mit notwendigen Utensilien ausgestattet, sitze ich in einem Wust von Ordnern und Papieren vor meinem PC, seufze ein letztes Mal und stürze mich in den Alptraum der Bürokratie. Elster.de: eine Seite, deren Name allein treffender nicht sein kann. Denn ich sehe hier nicht die Abkürzung der ELektronischen STeuerERklärung, sondern den Unheil bringenden, diebischen Vogel, der dreisterweise als Symbol auf der Site verwendet wird. Warum kein Spatz? Ein Pfau? Oder ein Kolibri? Eine Amsel: Achtung! Mühselige Steuererklärung - Elektronisch und langwierig!
Ein Schluck Wein - und noch einer, damit ich mich nicht eine halbe Stunde allein über Namen ärgere und weiter geht es mit meinem Unheil. Seite 1 ist vergleichsweise einfach. Tatsächlich habe ich meinen Namen, Adresse und Alter, zuständiges Finanzamt und Steuernummer in 10 Minuten ausgefüllt und befeiere die vollendete erste Seite. Bleiben noch 5. Nach und nach tippe ich Zahlen über Zahlen ein; Daten, die ich den Rest den Jahres ignoriere, um nicht in Lethargie zu verfallen. Unsummen an Abzügen und Steuern. Lieber noch ein Glas Wein. Nun kommen irgendwelche Abfragen, die ich letztes Jahr nach der dritten Flasche Wein eingetragen habe. Ich kann nicht mehr nachvollziehen, was wo eingetragen werden muss - muss da ein Kreuzchen hin? Muss ich das überhaupt ausfüllen? Ich brauche mehr Wein, vielleicht hilft das meiner Erinnerung auf die Sprünge. Ich tippe und fülle aus, klicke hier und da, unzählige Formulare fliegen vor meinen Augen dahin.
Ich möchte das nicht ausfüllen! Ich möchte mich mit dem Thema auch nicht auseinandersetzen! Abgesehen davon, dass die Steuern ein fürchterlich staubtrockenes Thema sind (darauf einen Wein zum Befeuchten), blicke ich auch bei den verkomplizierten Hilfetexten nicht mehr durch, es ist unfassbar viel zu lesen - kann man das nicht in Comic-Form gestalten? Oder eine Option "Steuererklärung für Dummies" hinzufügen? Mit Bildern, Pfeilen und vereinfachter Sprache - für den schon angetrunkenen Steuererklärer?
Elster! Ich sitze in meinem eigenen Unheil: immer wieder poppt eine Fehlermeldung über eine Eintragung auf, die letztes Jahr noch Sinn ergeben hat. Ich trage nach und nach die Zahlen 1 - 10.000 ein - nicht, weil es Sinn ergibt, sondern weil ich völlig ratlos bin. Der Hilfetext verschwimmt langsam ohnehin vor meinen Augen. Ich überspringe die Fehlermeldung, wühle mich durch weitere Ordner und Zettel, mein Wohnzimmer gleicht einem Schlachtfeld aus Steuererklärungsunterlagen. Ich sollte noch ein Glas Wein trinken. Angesäuselt veranstalte ich gegen die nächste Fehlermeldung ein Wettklicken, Erscheinen - Überspringen - Überspringen nicht möglich - Erscheinen - Überspringen - Überspringen nicht möglich... Nach einer halben Stunde verlässt mich mein Humor, ich versuche, den verschwommenen Hilfetext zu entziffern und zu verstehen. Ganz unten steht endlich etwas, was mir helfen könnte und kurz bevor ich wutschaumverschmiert den PC durch´s Zimmer pfeffer, gibt die Fehlermeldung meine Steuererklärung frei. Ich springe durch´s Zimmer, als hätte ich einem Drachen den Kopf abgeschlagen. Besiegt! Miststück! Und suuur Feiiiierrr ein Stüpschen Wein!
Ich erreiche das letzte Formular - schnell speichern und den letzten Klick setzen. Plausibilitätsprüfung. 5 Fehlermeldungen. Mutlos klicke ich mich nach und nach durch die Fehler, die für mich - so verschwommen sie auch mittlerweile sind - absolut nicht plausibel erscheinen. Muss alles so stimmen! Ignorieren! Steuerberechnung. 5000 € Nachzahlung. Ohnmächtig breche ich zusammen.
Nach einer Stunde erwache ich mit Ordnerabdrücken auf der Stirn und halbwegs ausgenüchtert. Also noch einmal. Ich klicke mich durch alle Möglichkeiten und siehe da - es fehlte ein Klick und eine Zahl. Das Ergebnis ist nicht mehr ganz so schweißtreibend, aber die Elster hat ihrem Namen wieder alle Ehre gemacht. Jetzt nur noch drucken und absenden. Fehlermeldungen, wo man hinschaut, kein Druck möglich und eine .exe hat ein Problem.
Verzweifelt trinke ich meine letzte Flasche Wein! Verfluchte Elster!
Montag, 8. April 2013
Zeiten ändern sich
Halbjährlich - genau genommen im Frühjahr und im Herbst - ärgere ich mich über ein bestimmtes Thema: die Zeitumstellung.
Ich habe eine ziemliche gut funktionierende innere Uhr, deren zartes Uhrwerk vom Hammer des Thor zerstört wird, sobald die Zeitumstellung greift.
Und so liege ich kurz nach der Zeitumstellung mit meinem zerschlagenen Rhythmus im Bett und sinniere über die Sinnlosigkeit des Übeltäters.
Die ursprüngliche Begründung, mit der Zeitumstellung haufenweise Energie einzusparen, ist immer noch umstritten wenn nicht sogar schon widerlegt. Wenn wir doch also feststellen, dass es nicht wirklich von Nutzen ist, warum wird es nicht abgestellt? Ist das wieder ein "das-war-die-letzten-Jahre-so,-jetzt-müssen-wir-es-auch-nicht-mehr-ändern"-Fall?
Und wieder ist es soweit, Frühlingszeit, eine Zeit, des Aufwachens, des Blühens, des natürlichen Erwachens. Zumindest bis zur Zeitumstellung. Von hier an gilt die Zeit des Aufblühens für circa zwei Wochen nur den Pflanzen.
Während selbst die Kühe zwei Wochen über die Zeitumstellung hinwegkommen müssen, sitzen müde mürbe muffelige Menschen montags morgens im frühen Termin - im besten Fall. Die Hälfte der Meetingteilnehmer liegt noch schlafend im Bett, nicht wissend, dass ihre innere Uhr aufs Kreuz gelegt wurde und sie den Wecker - trotz neumodischer Funkuhrfunktion - nicht hören.
Die andere Hälfte der Meetingteilnehmer tauscht 15 Minuten die Schlaflosigkeitserfahrungen, die durch die Zeitumstellung verursacht wurden, aus, wenn ihnen ob der Müdigkeit das Sprechen überhaupt schon gelingt. Ein paar sabbern im Halbschlaf in ihren Kaffee - dem vierten - und bei weitem nicht letzten. Der Versuch, dem noch schlafenden Biorhythmus mittels einer hochgradigen Koffeinzufuhr, auf die Beine zu helfen, funktioniert nur bedingt. Den ganzen Tag schleift man seinen völlig irrierten Körper durch den Tag, bis man endlich nach Hause schleichen kann.
Doch sobald die Zeit des Zubettgehens erreicht ist, wacht der Körper auf wundersame Weise (koffeingeschubst) auf, der Geist rattert und was bleibt ist eine weitere hellwache Nacht mit der Verteufelung der Zeitumstellung und dem Plan, die Welt zu retten, in dem man heroisch die Initiatioren der Zeitumstellung an die Spitze des Big Ben kettet.
Und während sich langsam die innere Uhr dem neuen Rhythmus beugt und man sich langsam an die neue Zeit zu gewöhnen beginnt, färben sich die Blätter in ein romantisch rot-gelbes Meer. Es wird Herbst.
Zeit... für eine Umstellung.
Wieder ein Montagmorgenmeeting. Der Raum ist leer. Das Meeting fand bereits statt. Keiner der Teilnehmer konnte ab 5 Uhr mehr schlafen, ruhelos wuselt jeder in der Gegend herum - bis um etwa 15 Uhr der tote Punkt eintritt. Eine Stunde mehr schlafen ist ja auch einfacher.
Und trotzdem, der Körper stellt sich auf unsere Schlaf- und Wachzeiten, Essens- und auch Medikamentenzeiten ein, und immer, wenn er gerade glücklich an der inneren Uhr so gedreht hat, dass sie wieder mit uns in Einklang ist, heißt es wieder:
Und nicht vergessen: Am Wochenende werden die Uhren umgestellt!
Ich habe eine ziemliche gut funktionierende innere Uhr, deren zartes Uhrwerk vom Hammer des Thor zerstört wird, sobald die Zeitumstellung greift.
Und so liege ich kurz nach der Zeitumstellung mit meinem zerschlagenen Rhythmus im Bett und sinniere über die Sinnlosigkeit des Übeltäters.
Die ursprüngliche Begründung, mit der Zeitumstellung haufenweise Energie einzusparen, ist immer noch umstritten wenn nicht sogar schon widerlegt. Wenn wir doch also feststellen, dass es nicht wirklich von Nutzen ist, warum wird es nicht abgestellt? Ist das wieder ein "das-war-die-letzten-Jahre-so,-jetzt-müssen-wir-es-auch-nicht-mehr-ändern"-Fall?
Und wieder ist es soweit, Frühlingszeit, eine Zeit, des Aufwachens, des Blühens, des natürlichen Erwachens. Zumindest bis zur Zeitumstellung. Von hier an gilt die Zeit des Aufblühens für circa zwei Wochen nur den Pflanzen.
Während selbst die Kühe zwei Wochen über die Zeitumstellung hinwegkommen müssen, sitzen müde mürbe muffelige Menschen montags morgens im frühen Termin - im besten Fall. Die Hälfte der Meetingteilnehmer liegt noch schlafend im Bett, nicht wissend, dass ihre innere Uhr aufs Kreuz gelegt wurde und sie den Wecker - trotz neumodischer Funkuhrfunktion - nicht hören.
Die andere Hälfte der Meetingteilnehmer tauscht 15 Minuten die Schlaflosigkeitserfahrungen, die durch die Zeitumstellung verursacht wurden, aus, wenn ihnen ob der Müdigkeit das Sprechen überhaupt schon gelingt. Ein paar sabbern im Halbschlaf in ihren Kaffee - dem vierten - und bei weitem nicht letzten. Der Versuch, dem noch schlafenden Biorhythmus mittels einer hochgradigen Koffeinzufuhr, auf die Beine zu helfen, funktioniert nur bedingt. Den ganzen Tag schleift man seinen völlig irrierten Körper durch den Tag, bis man endlich nach Hause schleichen kann.
Doch sobald die Zeit des Zubettgehens erreicht ist, wacht der Körper auf wundersame Weise (koffeingeschubst) auf, der Geist rattert und was bleibt ist eine weitere hellwache Nacht mit der Verteufelung der Zeitumstellung und dem Plan, die Welt zu retten, in dem man heroisch die Initiatioren der Zeitumstellung an die Spitze des Big Ben kettet.
Und während sich langsam die innere Uhr dem neuen Rhythmus beugt und man sich langsam an die neue Zeit zu gewöhnen beginnt, färben sich die Blätter in ein romantisch rot-gelbes Meer. Es wird Herbst.
Zeit... für eine Umstellung.
Wieder ein Montagmorgenmeeting. Der Raum ist leer. Das Meeting fand bereits statt. Keiner der Teilnehmer konnte ab 5 Uhr mehr schlafen, ruhelos wuselt jeder in der Gegend herum - bis um etwa 15 Uhr der tote Punkt eintritt. Eine Stunde mehr schlafen ist ja auch einfacher.
Und trotzdem, der Körper stellt sich auf unsere Schlaf- und Wachzeiten, Essens- und auch Medikamentenzeiten ein, und immer, wenn er gerade glücklich an der inneren Uhr so gedreht hat, dass sie wieder mit uns in Einklang ist, heißt es wieder:
Und nicht vergessen: Am Wochenende werden die Uhren umgestellt!
Freitag, 15. Februar 2013
Gesundheit!
Winter. Die Jahreszeit, in der die Erkältungs- und Grippeviren Fiesta in unseren Körpern feiern.
Eine deftige Erkältung ist so ziemlich das einzig zuverlässige im Winter, ob es nun schneit oder nur regnet, irgendwo lauern die Viren schon auf das nächste Opfer. Außerdem haben die Viren überall fleißige Helfer, die sie tatkräftig in ihrer Verbreitung unterstützen.
Und die Helfer sind .. wir. Denn wir lernen einfach nicht, unseren Hintern im Bett zu lassen und uns in Ruhe auszukurieren. Wir können nicht liegen bleiben, denn wir müssen die Welt retten. Alleine 1 Tag Abwesenheit im Büro könnte die ganze Firma zerstören, eigentlich gleich die ganze Branche und nichts und niemand könnte das verhindern.
Und so sitzt neben mir ein komplett verrotztes Virenmutterschiff, eingehüllt in einen Berg vollgeschnäutzter Taschentücher, mit triefender Nase, keuchendem Husten und nassgeschwitzer Stirn, glasigem Blick und der Aussage "Ich kann jetzt nicht krank sein, wer soll das denn alles übernehmen?" Ich erkläre vorsichtig, dass ich davon ausgehe, dass die Viren keine Rücksicht auf die Situation meines verschnupften Virentransportes nehmen werden. Meine Vorschläge, zum Arzt zu gehen oder einfach nur 2 Tage Bettruhe einzuhalten, werden mit einem dezenten Fingerzeig auf den Kamillentee abgewimmelt.
Mein Innerstes schreit nach einer Sagrotandusche, ich versuche die Luft anzuhalten oder in eine andere Richtung zu atmen. Das Wissen, bereits unzähliges Viren meines Nebenmannes eingeatmet zu haben, macht die Situation nicht besser, ich schaue nervös auf die Uhr, mein Drang, frische, virenfreie Luft einzuatmen, wird unerträglich. Jedwedes Husten und Niesen zwingt mich zu weiteren Minuten des Luftanhaltens. Kurz bevor ich ohnmächtig von meinem Stuhl falle, starte ich einen neuen Versuch mit der zaghaften Aussage, mein Urlaub würde in vier Tagen beginnen, es wäre sicher nicht schön, wenn ich dort krank werden würde. Die Antwort, da müsse ich aufpassen, es gehe gerade eine starke Erkältungswelle um und man könnte sich schnell anstecken, treibt mich fast in den Wahnsinn. Ich bleibe ruhig und verhalten und grummel irgendwas von "höchster Ansteckungsgefahr" und "Biohazard" in mich hinein.
Arbeitgeberfreundlich, wie ich bin, sitze ich 5 Tage später während meines Urlaubs in einem Wust von Taschentüchern, mit verstopfter Nase, Halsweh und Hustenattacken. Und schmiede Rachepläne. Dazu habe ich Zeit, denn mein Urlaub dauert nur 5 Tage und ich kann mich darauf verlassen, am ersten Arbeitstag wieder fit und gesund zu sein. Natürlich werden dann Bemerkungen wie "Oh nein, im Urlaub krank, das ist aber nicht schön!" oder "Ach, du bist ja arbeitgeberfreundlich" oder "Na so schlimm kann es ja nicht gewesen sein, du siehst ja äußerst fit aus" fallen. Und im schlimmsten Fall kommt der mittlerweile wieder gesundete Austräger der Erkältung um die Ecke mit dem Satz "Ich hab es ja gesagt, die Erkältungswelle geht grad überall rum!" Ich wandele meine innere Wut zu einem süffisanten Lächeln; wart´s ab... meine Zeit wird kommen!
Eine deftige Erkältung ist so ziemlich das einzig zuverlässige im Winter, ob es nun schneit oder nur regnet, irgendwo lauern die Viren schon auf das nächste Opfer. Außerdem haben die Viren überall fleißige Helfer, die sie tatkräftig in ihrer Verbreitung unterstützen.
Und die Helfer sind .. wir. Denn wir lernen einfach nicht, unseren Hintern im Bett zu lassen und uns in Ruhe auszukurieren. Wir können nicht liegen bleiben, denn wir müssen die Welt retten. Alleine 1 Tag Abwesenheit im Büro könnte die ganze Firma zerstören, eigentlich gleich die ganze Branche und nichts und niemand könnte das verhindern.
Und so sitzt neben mir ein komplett verrotztes Virenmutterschiff, eingehüllt in einen Berg vollgeschnäutzter Taschentücher, mit triefender Nase, keuchendem Husten und nassgeschwitzer Stirn, glasigem Blick und der Aussage "Ich kann jetzt nicht krank sein, wer soll das denn alles übernehmen?" Ich erkläre vorsichtig, dass ich davon ausgehe, dass die Viren keine Rücksicht auf die Situation meines verschnupften Virentransportes nehmen werden. Meine Vorschläge, zum Arzt zu gehen oder einfach nur 2 Tage Bettruhe einzuhalten, werden mit einem dezenten Fingerzeig auf den Kamillentee abgewimmelt.
Mein Innerstes schreit nach einer Sagrotandusche, ich versuche die Luft anzuhalten oder in eine andere Richtung zu atmen. Das Wissen, bereits unzähliges Viren meines Nebenmannes eingeatmet zu haben, macht die Situation nicht besser, ich schaue nervös auf die Uhr, mein Drang, frische, virenfreie Luft einzuatmen, wird unerträglich. Jedwedes Husten und Niesen zwingt mich zu weiteren Minuten des Luftanhaltens. Kurz bevor ich ohnmächtig von meinem Stuhl falle, starte ich einen neuen Versuch mit der zaghaften Aussage, mein Urlaub würde in vier Tagen beginnen, es wäre sicher nicht schön, wenn ich dort krank werden würde. Die Antwort, da müsse ich aufpassen, es gehe gerade eine starke Erkältungswelle um und man könnte sich schnell anstecken, treibt mich fast in den Wahnsinn. Ich bleibe ruhig und verhalten und grummel irgendwas von "höchster Ansteckungsgefahr" und "Biohazard" in mich hinein.
Arbeitgeberfreundlich, wie ich bin, sitze ich 5 Tage später während meines Urlaubs in einem Wust von Taschentüchern, mit verstopfter Nase, Halsweh und Hustenattacken. Und schmiede Rachepläne. Dazu habe ich Zeit, denn mein Urlaub dauert nur 5 Tage und ich kann mich darauf verlassen, am ersten Arbeitstag wieder fit und gesund zu sein. Natürlich werden dann Bemerkungen wie "Oh nein, im Urlaub krank, das ist aber nicht schön!" oder "Ach, du bist ja arbeitgeberfreundlich" oder "Na so schlimm kann es ja nicht gewesen sein, du siehst ja äußerst fit aus" fallen. Und im schlimmsten Fall kommt der mittlerweile wieder gesundete Austräger der Erkältung um die Ecke mit dem Satz "Ich hab es ja gesagt, die Erkältungswelle geht grad überall rum!" Ich wandele meine innere Wut zu einem süffisanten Lächeln; wart´s ab... meine Zeit wird kommen!
Es ist dabei völlig egal, ob man zur Arbeit geht, in ein Geschäft oder in ein Restaurant. Denn überall findet man sie wieder, die unverbesserlichen Virenträger, ohne die die Welt unterginge, wenn sie nicht zu ihrer geplanten Zeit am geplanten Ort wären. Sie sitzen mit ihren geröteten Augen und Nasen um mich herum, entschuldigen sich kurz beim Niesen, wenn sie dezent die Hand vor den Mund halten. Vor meinem geistigen Auge sehe ich tausende hocherfreute, motivierte Virentierchen, die in alle Richtungen geschleudert werden. Zum Abschied noch ein kurzer feuchter Händedruck und sie haben ihren Job als Wirt getan.
Und dann, kurz bevor für alle die große Urlaubszeit beginnt, fahre ich abends mit der U-Bahn und dann, wenn niemand hinsieht, lecke ich kurz (mit angewidertem Blick) an der Haltestange. Möge mein Racheplan aufgehen und die Viren ihres tun.
Ich bleibe gesund. Mein Umfeld auch.
Und dann, kurz bevor für alle die große Urlaubszeit beginnt, fahre ich abends mit der U-Bahn und dann, wenn niemand hinsieht, lecke ich kurz (mit angewidertem Blick) an der Haltestange. Möge mein Racheplan aufgehen und die Viren ihres tun.
Ich bleibe gesund. Mein Umfeld auch.
Eine Woche bevor mein Urlaub startet, sitze ich in einem Restaurant und bekomme mein Schnitzel serviert. Der Kellner schaut mich hilflos aus verquollenen Augen an, seine angeschwollene rote Nase tropft ....
Freitag, 1. Februar 2013
Stancer´s "Gut verpackt"
Wie oft steht man vor einer Verpackung. Mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf. Nach längerem Gefummel und Gefriemel gleicht die Verpackung einem Reißwolfopfer. Das Objekt der Begierde ist - irgendwie - ausgepackt, im besten Fall unbeschadet. Im schlimmsten Fall gleicht es der Verpackung und man kann beides entsorgen.
Letztlich beginnt das Theater bei Saft- und Milchverpackungen. "***Pack- irgendwie clever". Gut, dass besagte Firma die Affenwerbung eingestellt hat, denn letztlich fühle ich mich allein bei einer Milchverpackung überfordert, dieselbige zu öffnen. Und so drücke und ziehe ich, bis die Verpackung verbeult ist und der Inhalt durch einen plötzlichen Ruck (welchen, vermag ich nicht zu sagen) sich über meine Schoß und den Boden ergießt. Das hat stundenlanges Gefluche zur Folge - welches, sind wir ehrlich - mit einer milchbekleckerten Jeans nicht wirklich seriös wirkt.
Umso mehr freut es mich, dass es Mitleidende und -fluchende gibt. So wie mein Lieblingsblogger Stancer.
Ich freue mich, seinen Text veröffentlichen zu dürfen und denke, jeder findet sich in diesem Blogpost ein Stück weit wieder.
Viel Vergnügen!
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"Gut verpackt
Oft ist es die Verpackung, welche einer Ware den besonderen Wert verleiht. Ein hochwertiger Kugelschreiber etwa wäre nichts weiter als ein Kugelschreiber, käme er nicht in einer monströsen, mit Samt ausgeschlagenen Holzschatulle daher. Ein Fertiggericht, Roulade, Kartoffelpüree und Rotkohl sorgsam in drei Kammern getrennt, mutet an wie von einem Dreisternekoch gezaubert, betrachtet man die Abbildung auf der Schachtel, vorausgesetzt, man übersieht das Wörtchen „Serviervorschlag“ ganz unten, ganz klein. Bei manchen Produkten ist gar die Verpackung das eigentlich wertvolle, denken Sie nur an stilles Mineralwasser.
Was für Waren gilt, lässt sich mühelos auf Menschen übertragen: Vielen Zeitgenossen möchte man nur ungern unbekleidet begegnen, auch verdankt unsere Bundeskanzlerin einen Großteil ihrer Autorität ihren Hosenanzügen, und welchem Konzernlenker oder Bankvorstand vertraute man blind ohne dunklen Anzug und gedeckte Krawatte?
Und schließlich: die schlechte Nachricht verliert deutlich an Schrecken, so sie sorgsam in weiche Wortwatte gehüllt verkündet wird. Für die Bevölkerung besteht keine unmittelbare Gefahr, dennoch wird dringend geraten, Fenster und Türen geschlossen zu halten und kein Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten zu essen, rein vorsorglich, versteht sich.
Doch hat Verpackung ihre Tücken.
Damals, als Musik noch von einer CD kam und nicht von iTunes oder aus den Weiten des Netzes, die älteren unter Ihnen werden sich vielleicht dunkel erinnern, stand dem Musikgenuss nach dem Kauf zunächst ein längerer Kampf mit der umschweißten Plastikfolie bevor. Mit bloßen Händen, hilfsweise Zähnen, ohne ein scharfes Werkzeug war da gar nichts zu machen. Und selbst wenn man ein spitzes Messer zur Hand hatte, war der Hörgenuss noch weit entfernt, weil jegliche Ansatzstelle in der Folie fehlte und man sich mit dem abrutschenden Messer eher den Handrücken aufriss als die Umhüllung. Besonders findige Verpackungshersteller woben einen kleinen roten Faden in die Folie ein, mit dessen Hilfe man sie zerteilen sollte. Leider befand sich der Anfang dieses Reißfadens ebenfalls unerreichbar unter der Folie, gute gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von gut.
Beispiel Gummibärchen. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um die kleinen süßen Racker aus ihrer Tüte zu befreien: entweder man zieht die Tüte oben an der Verschweißung auseinander, oder man folgt der Anweisung „Hier Aufreißen“ und zerrt an der dafür vorgesehenen Kerbe oben in der Ecke. Versucht man es mit Alternative 1, passiert dank der Fortschritte moderner Schweißtechnik gar nichts, auch Alternative 2 läuft zunächst ins Leere. Reißt man noch kräftiger an der Kerbe, gibt die Materie endlich nach, die Tüte teilt sich mit einem Ruck der Länge nach, die bunten Freunde kann man anschließend vom Teppich aufsammeln. Diesbezügliche Beschwerden bei Herrn Gottschalk blieben leider bisher unbeantwortet.
Ein besonders heikles Kapitel ist die Verpackung von Kondomen: Soeben hat man sich angenähert, sei es in heimischer Sitzgruppe oder im öffentlichen Personennahverkehr Kölner Darkrooms, alles steht bereit, fehlt nur noch das schützende Mäntellein. Leider befindet sich dieses, sorgsam aufgerollt, in einer nahezu unzerstörbaren quadratischen Kunststoffumhüllung. So sehr man auch zieht, zerrt und an den Ecken beißt, das blöde Ding gibt nicht nach. Und wer geht schon mit Taschenmesser zum Liebesspiel, ist ja auch nicht gerade der Erotik förderlich, lässt man einmal besondere Spielarten außer acht. Hat man dann doch endlich, nach vielen Versuchen und Diskussionen („Lass mich mal...“) die eine richtige von acht möglichen Ecken erwischt und gelangt endlich an das Ersehnte, so hat sich der Rest unten herum zumeist längst erledigt. Das Prinzip Safersex funktioniert.
Manchmal glaube ich, die machen das extra, haben einen Riesenspaß daran, wie ihre tollen, unzerstörbaren Verpackungen uns das Leben schwer machen, vielleicht sogar mit einem rauh gehöhnten „Vorfreude ist die schönste Freude“ auf den Lippen, während ihr neu kreiertes Packprodukt jeder Materialprüfung mühelos standhält. Ich wünsche wirklich niemandem etwas schlechtes, aber ihr, ihr Verpackungsdesigner, sollt ewig in der Hölle schmoren und dort gezwungen werden, von morgens bis abends nichts anderes zu tun als eure eigenen Scheißverpackungen zu öffnen!"
Letztlich beginnt das Theater bei Saft- und Milchverpackungen. "***Pack- irgendwie clever". Gut, dass besagte Firma die Affenwerbung eingestellt hat, denn letztlich fühle ich mich allein bei einer Milchverpackung überfordert, dieselbige zu öffnen. Und so drücke und ziehe ich, bis die Verpackung verbeult ist und der Inhalt durch einen plötzlichen Ruck (welchen, vermag ich nicht zu sagen) sich über meine Schoß und den Boden ergießt. Das hat stundenlanges Gefluche zur Folge - welches, sind wir ehrlich - mit einer milchbekleckerten Jeans nicht wirklich seriös wirkt.
Umso mehr freut es mich, dass es Mitleidende und -fluchende gibt. So wie mein Lieblingsblogger Stancer.
Ich freue mich, seinen Text veröffentlichen zu dürfen und denke, jeder findet sich in diesem Blogpost ein Stück weit wieder.
Viel Vergnügen!
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"Gut verpackt
Oft ist es die Verpackung, welche einer Ware den besonderen Wert verleiht. Ein hochwertiger Kugelschreiber etwa wäre nichts weiter als ein Kugelschreiber, käme er nicht in einer monströsen, mit Samt ausgeschlagenen Holzschatulle daher. Ein Fertiggericht, Roulade, Kartoffelpüree und Rotkohl sorgsam in drei Kammern getrennt, mutet an wie von einem Dreisternekoch gezaubert, betrachtet man die Abbildung auf der Schachtel, vorausgesetzt, man übersieht das Wörtchen „Serviervorschlag“ ganz unten, ganz klein. Bei manchen Produkten ist gar die Verpackung das eigentlich wertvolle, denken Sie nur an stilles Mineralwasser.
Was für Waren gilt, lässt sich mühelos auf Menschen übertragen: Vielen Zeitgenossen möchte man nur ungern unbekleidet begegnen, auch verdankt unsere Bundeskanzlerin einen Großteil ihrer Autorität ihren Hosenanzügen, und welchem Konzernlenker oder Bankvorstand vertraute man blind ohne dunklen Anzug und gedeckte Krawatte?
Und schließlich: die schlechte Nachricht verliert deutlich an Schrecken, so sie sorgsam in weiche Wortwatte gehüllt verkündet wird. Für die Bevölkerung besteht keine unmittelbare Gefahr, dennoch wird dringend geraten, Fenster und Türen geschlossen zu halten und kein Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten zu essen, rein vorsorglich, versteht sich.
Doch hat Verpackung ihre Tücken.
Damals, als Musik noch von einer CD kam und nicht von iTunes oder aus den Weiten des Netzes, die älteren unter Ihnen werden sich vielleicht dunkel erinnern, stand dem Musikgenuss nach dem Kauf zunächst ein längerer Kampf mit der umschweißten Plastikfolie bevor. Mit bloßen Händen, hilfsweise Zähnen, ohne ein scharfes Werkzeug war da gar nichts zu machen. Und selbst wenn man ein spitzes Messer zur Hand hatte, war der Hörgenuss noch weit entfernt, weil jegliche Ansatzstelle in der Folie fehlte und man sich mit dem abrutschenden Messer eher den Handrücken aufriss als die Umhüllung. Besonders findige Verpackungshersteller woben einen kleinen roten Faden in die Folie ein, mit dessen Hilfe man sie zerteilen sollte. Leider befand sich der Anfang dieses Reißfadens ebenfalls unerreichbar unter der Folie, gute gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von gut.
Beispiel Gummibärchen. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um die kleinen süßen Racker aus ihrer Tüte zu befreien: entweder man zieht die Tüte oben an der Verschweißung auseinander, oder man folgt der Anweisung „Hier Aufreißen“ und zerrt an der dafür vorgesehenen Kerbe oben in der Ecke. Versucht man es mit Alternative 1, passiert dank der Fortschritte moderner Schweißtechnik gar nichts, auch Alternative 2 läuft zunächst ins Leere. Reißt man noch kräftiger an der Kerbe, gibt die Materie endlich nach, die Tüte teilt sich mit einem Ruck der Länge nach, die bunten Freunde kann man anschließend vom Teppich aufsammeln. Diesbezügliche Beschwerden bei Herrn Gottschalk blieben leider bisher unbeantwortet.
Ein besonders heikles Kapitel ist die Verpackung von Kondomen: Soeben hat man sich angenähert, sei es in heimischer Sitzgruppe oder im öffentlichen Personennahverkehr Kölner Darkrooms, alles steht bereit, fehlt nur noch das schützende Mäntellein. Leider befindet sich dieses, sorgsam aufgerollt, in einer nahezu unzerstörbaren quadratischen Kunststoffumhüllung. So sehr man auch zieht, zerrt und an den Ecken beißt, das blöde Ding gibt nicht nach. Und wer geht schon mit Taschenmesser zum Liebesspiel, ist ja auch nicht gerade der Erotik förderlich, lässt man einmal besondere Spielarten außer acht. Hat man dann doch endlich, nach vielen Versuchen und Diskussionen („Lass mich mal...“) die eine richtige von acht möglichen Ecken erwischt und gelangt endlich an das Ersehnte, so hat sich der Rest unten herum zumeist längst erledigt. Das Prinzip Safersex funktioniert.
Manchmal glaube ich, die machen das extra, haben einen Riesenspaß daran, wie ihre tollen, unzerstörbaren Verpackungen uns das Leben schwer machen, vielleicht sogar mit einem rauh gehöhnten „Vorfreude ist die schönste Freude“ auf den Lippen, während ihr neu kreiertes Packprodukt jeder Materialprüfung mühelos standhält. Ich wünsche wirklich niemandem etwas schlechtes, aber ihr, ihr Verpackungsdesigner, sollt ewig in der Hölle schmoren und dort gezwungen werden, von morgens bis abends nichts anderes zu tun als eure eigenen Scheißverpackungen zu öffnen!"
Sonntag, 20. Januar 2013
Warten Sie doch kurz!
Seit Anbeginn der Uhrzeit teilt sich die Menschheit in zwei Gruppen: die notorischen Zuspätkommer und die Pünktlichen.
Ich selber gehöre zur zweiten Gattung und schätze Pünktlichkeit sehr. Woraus wiederum resultiert, dass sich - sofern ich mich mit einem Zuspätkommer verabrede - grundsätzlich meine Wartezeit auf das Maximum verlängert. Und während man wartet - im Regen, bei brütender Hitze oder mit wippendem Fuß und angespannter Nervosität - durchläuft man bekanntlich mehrere Phasen seines Gemütszustandes:
Nach ca. 5 Minuten tritt eine gewisse Unsicherheit auf, die Zeit oder Ort in Frage stellen. Waren wir wirklich HIER verabredet? War es tatsächlich 20 Uhr?
Nach weiteren 5 Minuten kommt eine leichte Besorgnis hinzu: Es wird doch wohl nichts passiert sein?
Nach insgesamt 15 Minuten und - im Winter - eingefrorenen Gliedmaßen steigert sich dann langsam die Wut. Im schlimmsten Fall hat der Zuspätkommer sein Handy wieder einmal ausgeschaltet und ich stehe wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend rum. Umspielt - und nicht förderlich für den Blutdruck - wird das Ganze von Menschenmassen, die mich mit bemitleidendem Blick anschauen: "Och, schau mal, ganz allein hier!"
Und es wird leer, und es wird ruhig. Ich warte. Ich danke den Smartphone-Erfindern, dank derer man wenigstens halbwegs beschäftigt aussehen kann, wenn man mit prüfendem Blick und wischendem Finger auf seinem Handy herumdaddelt. Währenddessen ärgere ich mich und tippe irgendein unnützes Zeug in mein Smartphone, in der Hoffnung, meine Wut so etwas zu drosseln.
Nach sensationellen vierzig Minuten erscheint ein grinsendes Gesicht in meinem Blickfeld. "Auf der Autobahn war Stau und ich habe keinen Parkplatz gefunden und eigentlich bin ich auch erst vor 5 Minuten losgefahren, es war alles so stressig heute."
Ich lächele, es ist nichts besorgniserregendes passiert und irgendwie muss ich mit dem irren Grinsen meine Wut unterdrücken, dass der Film bereits vor 15 Minuten begonnen hat und die Ausreden auch schon einmal besser waren.
Findigerweise merke ich mir vor, die Uhrzeit des nächsten Treffens mindestens eine halbe Stunde vorzuverlegen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht mit einer Verspätung von sensationellen 3 Stunden gerechnet und so stehe ich abholbereit um Punkt 11 Uhr an dem verabredeten Ort, während besagte Person nicht einmal aus den Federn gestiegen ist, wie sich im Nachhinein herausstellte. Wieder konnte ich analysieren, wie viele Gefühlsphasen man bei derart immensen Verspätungen durchlaufen kann. Es endet übrigens innerhalb der letzten Stunde in tiefster Wut und missglücktem Telefonterror - und einem Konzert, was - nach Erzählungen - der absolute Wahnsinn gewesen sein muss.
Gipfeln kann so etwas eigentlich nur, wenn man zu seiner eigenen Hochzeit und der voranstehenden kirchlichen Trauung eine halbe Stunde zu spät kommt. Und so haben wir alle gewartet und durchliefen wieder einmal sämtliche Phasen der Ungeduld und Wut.
Vermutlich würde es ein Zuspätkommer auch nicht pünktlich zu seiner eigenen Beerdigung schaffen - er hatte einen wichtigen Anruf und musste noch einiges klären...
Ein kollektives Zuspätkommen findet man übrigens zu einer Party. Die possierlichen Partygäste möchten nie die Ersten sein, schließlich sieht es nachher so aus, als hätte man nichts zu tun und würde den ganzen Tag auf die Party warten.
Also sitze ich um Punkt 20 Uhr mit Partyhütchen und Tröte auf der Couch - wartend .. und allein. Um 20:30 Uhr ist die dritte Flasche Bier leer, ich bin angetrunken, lutsche an dem 10. Käsehäppchen und habe eine gewisse Bettschwere.
20:45 Uhr: es klingelt. Ich schwanke zur Tür und empfange die Gäste. "Sind wir die ersten?" Als ich die Frage bejahe, sieht man in den Augen der frisch eingetroffenen Freunde ein kleines Stückchen Hoffnung zerbrechen. Um 00:00 Uhr trifft dann auch der letzte Gast ein, der Luft holt für seine Ausrede. "Lass es einfach... du bist da, das ist gut. Bier und Käsehäppchen sind aus."
Der moderne Mensch neigt ja zu einer gewissen Terminüberladung. Da schafft man nach Feierabend um 16:00 Uhr noch einen Arzttermin, Sport und das Treffen um 18:00 Uhr. Nur hat man a) den Stau nicht einberechnet, der überraschend - wie jeden Donnerstag - auftritt, und b) nicht daran denken können, dass sich beim Arzt eine Wartezeit von 45 Minuten ergibt oder c) die Bahn AUSNAHMSWEISE Verspätung hat.
Und so sitzt man wutentbrannt im öffentlichen Verkehrsmittel oder im Auto - je nach Belieben und Planung - mit geröteten Augen und ein wenig Schaum vor dem Mund.. und wartet. Und flucht leise in sich hinein, tippt wütend auf dem Handy herum.
Und dann denkt man auf einmal daran, mit WEM man sich trifft. Und man begreift, dass die Verspätung dieses Mal den anderen trifft. Die eigene Wartezeit um ein vielfaches verkürzt wird. Süffisantes Lächeln und Erleichterung machen sich breit. Wird er gleich gucken, der Zuspätkommer, wenn ich dieses Mal später komme....
Es ist Sonntag, 20 Uhr. Ich stehe allein im Kino und warte.....
Ich selber gehöre zur zweiten Gattung und schätze Pünktlichkeit sehr. Woraus wiederum resultiert, dass sich - sofern ich mich mit einem Zuspätkommer verabrede - grundsätzlich meine Wartezeit auf das Maximum verlängert. Und während man wartet - im Regen, bei brütender Hitze oder mit wippendem Fuß und angespannter Nervosität - durchläuft man bekanntlich mehrere Phasen seines Gemütszustandes:
Nach ca. 5 Minuten tritt eine gewisse Unsicherheit auf, die Zeit oder Ort in Frage stellen. Waren wir wirklich HIER verabredet? War es tatsächlich 20 Uhr?
Nach weiteren 5 Minuten kommt eine leichte Besorgnis hinzu: Es wird doch wohl nichts passiert sein?
Nach insgesamt 15 Minuten und - im Winter - eingefrorenen Gliedmaßen steigert sich dann langsam die Wut. Im schlimmsten Fall hat der Zuspätkommer sein Handy wieder einmal ausgeschaltet und ich stehe wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend rum. Umspielt - und nicht förderlich für den Blutdruck - wird das Ganze von Menschenmassen, die mich mit bemitleidendem Blick anschauen: "Och, schau mal, ganz allein hier!"
Und es wird leer, und es wird ruhig. Ich warte. Ich danke den Smartphone-Erfindern, dank derer man wenigstens halbwegs beschäftigt aussehen kann, wenn man mit prüfendem Blick und wischendem Finger auf seinem Handy herumdaddelt. Währenddessen ärgere ich mich und tippe irgendein unnützes Zeug in mein Smartphone, in der Hoffnung, meine Wut so etwas zu drosseln.
Nach sensationellen vierzig Minuten erscheint ein grinsendes Gesicht in meinem Blickfeld. "Auf der Autobahn war Stau und ich habe keinen Parkplatz gefunden und eigentlich bin ich auch erst vor 5 Minuten losgefahren, es war alles so stressig heute."
Ich lächele, es ist nichts besorgniserregendes passiert und irgendwie muss ich mit dem irren Grinsen meine Wut unterdrücken, dass der Film bereits vor 15 Minuten begonnen hat und die Ausreden auch schon einmal besser waren.
Findigerweise merke ich mir vor, die Uhrzeit des nächsten Treffens mindestens eine halbe Stunde vorzuverlegen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht mit einer Verspätung von sensationellen 3 Stunden gerechnet und so stehe ich abholbereit um Punkt 11 Uhr an dem verabredeten Ort, während besagte Person nicht einmal aus den Federn gestiegen ist, wie sich im Nachhinein herausstellte. Wieder konnte ich analysieren, wie viele Gefühlsphasen man bei derart immensen Verspätungen durchlaufen kann. Es endet übrigens innerhalb der letzten Stunde in tiefster Wut und missglücktem Telefonterror - und einem Konzert, was - nach Erzählungen - der absolute Wahnsinn gewesen sein muss.
Gipfeln kann so etwas eigentlich nur, wenn man zu seiner eigenen Hochzeit und der voranstehenden kirchlichen Trauung eine halbe Stunde zu spät kommt. Und so haben wir alle gewartet und durchliefen wieder einmal sämtliche Phasen der Ungeduld und Wut.
Vermutlich würde es ein Zuspätkommer auch nicht pünktlich zu seiner eigenen Beerdigung schaffen - er hatte einen wichtigen Anruf und musste noch einiges klären...
Ein kollektives Zuspätkommen findet man übrigens zu einer Party. Die possierlichen Partygäste möchten nie die Ersten sein, schließlich sieht es nachher so aus, als hätte man nichts zu tun und würde den ganzen Tag auf die Party warten.
Also sitze ich um Punkt 20 Uhr mit Partyhütchen und Tröte auf der Couch - wartend .. und allein. Um 20:30 Uhr ist die dritte Flasche Bier leer, ich bin angetrunken, lutsche an dem 10. Käsehäppchen und habe eine gewisse Bettschwere.
20:45 Uhr: es klingelt. Ich schwanke zur Tür und empfange die Gäste. "Sind wir die ersten?" Als ich die Frage bejahe, sieht man in den Augen der frisch eingetroffenen Freunde ein kleines Stückchen Hoffnung zerbrechen. Um 00:00 Uhr trifft dann auch der letzte Gast ein, der Luft holt für seine Ausrede. "Lass es einfach... du bist da, das ist gut. Bier und Käsehäppchen sind aus."
Der moderne Mensch neigt ja zu einer gewissen Terminüberladung. Da schafft man nach Feierabend um 16:00 Uhr noch einen Arzttermin, Sport und das Treffen um 18:00 Uhr. Nur hat man a) den Stau nicht einberechnet, der überraschend - wie jeden Donnerstag - auftritt, und b) nicht daran denken können, dass sich beim Arzt eine Wartezeit von 45 Minuten ergibt oder c) die Bahn AUSNAHMSWEISE Verspätung hat.
Und so sitzt man wutentbrannt im öffentlichen Verkehrsmittel oder im Auto - je nach Belieben und Planung - mit geröteten Augen und ein wenig Schaum vor dem Mund.. und wartet. Und flucht leise in sich hinein, tippt wütend auf dem Handy herum.
Und dann denkt man auf einmal daran, mit WEM man sich trifft. Und man begreift, dass die Verspätung dieses Mal den anderen trifft. Die eigene Wartezeit um ein vielfaches verkürzt wird. Süffisantes Lächeln und Erleichterung machen sich breit. Wird er gleich gucken, der Zuspätkommer, wenn ich dieses Mal später komme....
Es ist Sonntag, 20 Uhr. Ich stehe allein im Kino und warte.....
Freitag, 4. Januar 2013
Mensch vs. Roboter
Wie viele träumen nicht davon, dass ein kleiner Roboter den kompletten Haushalt erledigt, kocht, Kaffee bringt und die Wäsche bügelt. Und je mehr die Menschen dem Alltagsstress erliegen, desto mehr neumodischer Schnick-Schnack wird herangeschafft, um sich sämtliche Arbeiten zu erleichtern.
Ich hatte ebenfalls seit jeher eine Affinität für technische Spielereien, die bestenfalls noch den Alltag erleichtern. Schon als Kind schaute ich mit großen Augen begeistert den Vorspann der "Jetsons", in dem "George", der Familienvater, nicht einmal selbstständig aufstehen musste, sondern ein Roboter ihn aus dem Bett hievte, unter die Dusche schob, die Zähne putzte und einen Kaffee reichte. Für jeden Morgenmuffel ein kleiner Traum ... und vor allem die große Hoffnung, dass in ferner Zukunft ein solcher Automatismus in jedem Haushalt zu finden sei.
Leider muss ich mich noch alleine aus dem Bett treten und so hangel ich mich an jedem noch so kleinen Fortschritt weiter und teste aus, was möglich ist und was nicht. Angefangen hat es mit dem ersten bezahlbaren (!) Roboterstaubsauger vor 8 Jahren. Zumindest hat mich das kleine Kerlchen für 3 Stunden gefesselt, danach verschwand er unter einem Schrank und kam erst ein paar Jahre später beim Umzug wieder zum Vorschein. Was mich auf die Idee brachte, dass sich in der Entwicklung etwas getan haben müsste. Hat es auch. Der Fortschritt kostet bis zu 1.000 € mehr, kann sprechen, fährt wenigstens nicht mehr willkürlich im Kreis herum und schont auch freilaufende Hamster. Hat aber den 10fachen Preis meines ersten Pkw.
Ich beschließe, ein deutlich günstigeres Gerät gegen Umtausch zu erwerben, unglücklicherweise war mir entfallen, dass wir in der deutschen Servicesahara gefangen sind, ein Umtausch bei "Hygiene-Artikeln" sei nicht möglich. Nach kurzer Diskussion beschließen wir dann, dass meine Hygiene nicht so viel wert ist wie die des Geschäftes und ich erhalte für zwei Tage das benutzte Vorführmodell. Immerhin konnte ich erreichen, dass alte Staubflusen und Kaugummireste aus dem Behälter entleert werden.
Zuhause packe ich erwartungsvoll das kleine Kerlchen aus, schalte ihn ein und erhalte ein freudiges Piepsen zur Begrüßung. Wie nett. Für den Preis hätte ein Konfettiregen auch nicht geschadet. Hätte man auch gleich besser sehen können, was er alles wegsaugen kann. Ich beobachte über eine Stunde gespannt, wie er anmutig gegen meine Möbel fährt, den Teppich elegant umrundet und den Standaschenbecher umschubst. Ich laufe aufgeregt mit dem Kehrblech hinterher. Nach einer weiteren halben Stunde fährt er in seine Ladestation, er möchte gereinigt werden. Also fange ich an, den Staubfänger auszukehren, den Filter zu reinigen, die Borsten zu säubern. Es piepst, ich habe die Reinigungsbürste vergessen. Nach 2 Stunden sitze ich geschafft neben den Robotersauger. Der Boden ist sauber, ich nicht.
Ehrlich gesagt, das verlangte Geld ist in meinen Augen noch zu viel für ein solch possierliches Spielzeug und doch finden sich etliche Käufer für diese und auch die teureren Geräte.
Bleibt zu hoffen, dass die Technik sich weiter entwickelt und ich vielleicht doch irgendwann ein Stück Automatismus der "Jetsons" erleben darf.
Und morgen nach dem Umtausch des Roboterstaubsaugers werde ich dann den elektrischen Scheibenputzautomat ausprobieren....
Ich hatte ebenfalls seit jeher eine Affinität für technische Spielereien, die bestenfalls noch den Alltag erleichtern. Schon als Kind schaute ich mit großen Augen begeistert den Vorspann der "Jetsons", in dem "George", der Familienvater, nicht einmal selbstständig aufstehen musste, sondern ein Roboter ihn aus dem Bett hievte, unter die Dusche schob, die Zähne putzte und einen Kaffee reichte. Für jeden Morgenmuffel ein kleiner Traum ... und vor allem die große Hoffnung, dass in ferner Zukunft ein solcher Automatismus in jedem Haushalt zu finden sei.
Leider muss ich mich noch alleine aus dem Bett treten und so hangel ich mich an jedem noch so kleinen Fortschritt weiter und teste aus, was möglich ist und was nicht. Angefangen hat es mit dem ersten bezahlbaren (!) Roboterstaubsauger vor 8 Jahren. Zumindest hat mich das kleine Kerlchen für 3 Stunden gefesselt, danach verschwand er unter einem Schrank und kam erst ein paar Jahre später beim Umzug wieder zum Vorschein. Was mich auf die Idee brachte, dass sich in der Entwicklung etwas getan haben müsste. Hat es auch. Der Fortschritt kostet bis zu 1.000 € mehr, kann sprechen, fährt wenigstens nicht mehr willkürlich im Kreis herum und schont auch freilaufende Hamster. Hat aber den 10fachen Preis meines ersten Pkw.
Ich beschließe, ein deutlich günstigeres Gerät gegen Umtausch zu erwerben, unglücklicherweise war mir entfallen, dass wir in der deutschen Servicesahara gefangen sind, ein Umtausch bei "Hygiene-Artikeln" sei nicht möglich. Nach kurzer Diskussion beschließen wir dann, dass meine Hygiene nicht so viel wert ist wie die des Geschäftes und ich erhalte für zwei Tage das benutzte Vorführmodell. Immerhin konnte ich erreichen, dass alte Staubflusen und Kaugummireste aus dem Behälter entleert werden.
Zuhause packe ich erwartungsvoll das kleine Kerlchen aus, schalte ihn ein und erhalte ein freudiges Piepsen zur Begrüßung. Wie nett. Für den Preis hätte ein Konfettiregen auch nicht geschadet. Hätte man auch gleich besser sehen können, was er alles wegsaugen kann. Ich beobachte über eine Stunde gespannt, wie er anmutig gegen meine Möbel fährt, den Teppich elegant umrundet und den Standaschenbecher umschubst. Ich laufe aufgeregt mit dem Kehrblech hinterher. Nach einer weiteren halben Stunde fährt er in seine Ladestation, er möchte gereinigt werden. Also fange ich an, den Staubfänger auszukehren, den Filter zu reinigen, die Borsten zu säubern. Es piepst, ich habe die Reinigungsbürste vergessen. Nach 2 Stunden sitze ich geschafft neben den Robotersauger. Der Boden ist sauber, ich nicht.
Ehrlich gesagt, das verlangte Geld ist in meinen Augen noch zu viel für ein solch possierliches Spielzeug und doch finden sich etliche Käufer für diese und auch die teureren Geräte.
Bleibt zu hoffen, dass die Technik sich weiter entwickelt und ich vielleicht doch irgendwann ein Stück Automatismus der "Jetsons" erleben darf.
Und morgen nach dem Umtausch des Roboterstaubsaugers werde ich dann den elektrischen Scheibenputzautomat ausprobieren....
Samstag, 22. Dezember 2012
.. und dann weihnachtet es wieder
Das Jahr ist um, die besinnliche Jahreszeit hat angefangen.
Allerdings weihnachtet es mittlerweile bereits schon ab September, denn wer um die Zeit aus dem Sommerurlaub kommt, findet im Supermarkt bereits alle Weihnachtsgebäck- und Süßigkeitenvariationen. Und während ich schnaubend an den Regalen vorbeigehe, finden sich etliche hocherfreute Gesichter vor dem Zuckerzeug und stopfen den Einkaufswagen voll mit all den Leckereien, die ohnehin nach ein paar Sekunden draußen in der Sommerhitze anfangen zu schmilzen. Aber Weihnachten ist nun auch wieder bereits 8 Monate vorüber und außerdem muss man ja probieren, welche Gaumenfreuden die Süßwarenhersteller dieses Jahr wieder zum Besten geben und vorsorglich hamstern, denn ab Dezember kaufen schließlich alle, und nachher gibt es nicht mehr genug Spekulatius oder Dominosteinchen.
Während die meisten Menschen bereits im November der Weihnachtsschnuckereien über sind, beginnt meine Vorfreude auf den Dezember, denn dann kaufe ich die "kläglichen Überreste". Genau genommen sind die Regale genau so voll wie vorher und genau genommen noch voller, denn 50 % der einkaufswütigen Vorweihnachtsmenschen haben sich ja für ein Jahr bereits eingedeckt und ich kann zuschlagen.
Fast gleichzeitig beginnt endlich die ruhige und besinnliche Zeit der Weihnachtsmärkte, die mittlerweile auch nicht mehr erst im Dezember, sondern schon Mitte November beginnt, denn offensichtlich ist die Nachfrage groß. Welch Überraschung.
Und so freue ich mich samstags auf einen idyllischen Weihnachtsmarktbesuch mit kulinarischen Köstlichkeiten und heißem Glühwein, nur noch schnell ein freies Parkhaus finden und schon findet man sich nach 1 1/2 Stunden Parkplatzsuche in einem Menschenauflauf wieder, der seinesgleichen sucht. Während ich mühselig versuche, den Glühweinstand meiner Wahl zu erreichen, pieksen Regenschirm-Spitzen friedvoll in mein Gesicht, und nach nur 3 Ellbogen-Checks, 4 Tritten auf den Fuß und einer Kinderwagenstolperfalle erreiche ich glücklich die Theke, an der keiner der 6 Mitarbeiter die Zeit findet, meine Glühweinbestellung entgegen zu nehmen. Ich warte, denn schließlich hat die besinnliche Vorweihnachtszeit begonnen, man soll niemanden hetzen. Eine halbe Stunde später ergattere ich meinen gut abgekühlten Glühwein, den ich mit kunstvoller Balance durch die Menge manövriere. Matrix-Ähnlich bewege ich mich mit meinem Oberkörper an den Regenschirmspitzen vorbei und erreiche letztlich mit einem erfolgreichen Viertel kaltem Glühwein einen verklebten und vermüllten Tisch. Oh du wundervolle Weihnachtszeit.
Und dann, während man noch in aller Ruhe überlegt, die Weihnachtsgeschenke früher zu kaufen, die Weihnachtsplanung zu erstellen und welchen Weihnachtsmarkt man am besten an welchem Tag abklappert, ist auch schon der 22. Dezember. Heilig Abend kommt wieder ganz plötzlich. Das weihnachtliche Geschenkpapier ist ausgegangen - im besten Fall am vergangenen Weihnachtsfest, im schlechtesten Fall musste ein Bekannter, der im Sommer Geburtstag hat, darunter leiden, dass man wieder vergessen hat, Geburtstags-Geschenkpapier zu besorgen.
Und doch ist es irgendwann soweit: man sitzt mit seinen Lieben in der Runde und freut sich über das gute Essen und die Geschenke. Man genießt die Tage des Festes - aus welchen Gründen und wie man es auch immer feiert.
Gut, manchmal schaut der Eine mürrisch drein, dem Nächsten schmeckt das Essen nicht und wieder Einer hat wieder ein Geschenk verbaselt. Im besten Fall aber nichts, über das man nicht spätestens eine Woche danach lachen kann.
Und so warte ich gespannt, was dieses Jahr Weihnachten wieder für Überraschungen bereit hält.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein fröhliches, stressfreies und friedliches Weihnachtsfest im Kreise seiner Lieben und einen guten Start ins neue Jahr mit Erfolg und Gesundheit und ich freue mich auf ein neues, blogpostreiches Jahr 2013.
Allerdings weihnachtet es mittlerweile bereits schon ab September, denn wer um die Zeit aus dem Sommerurlaub kommt, findet im Supermarkt bereits alle Weihnachtsgebäck- und Süßigkeitenvariationen. Und während ich schnaubend an den Regalen vorbeigehe, finden sich etliche hocherfreute Gesichter vor dem Zuckerzeug und stopfen den Einkaufswagen voll mit all den Leckereien, die ohnehin nach ein paar Sekunden draußen in der Sommerhitze anfangen zu schmilzen. Aber Weihnachten ist nun auch wieder bereits 8 Monate vorüber und außerdem muss man ja probieren, welche Gaumenfreuden die Süßwarenhersteller dieses Jahr wieder zum Besten geben und vorsorglich hamstern, denn ab Dezember kaufen schließlich alle, und nachher gibt es nicht mehr genug Spekulatius oder Dominosteinchen.
Während die meisten Menschen bereits im November der Weihnachtsschnuckereien über sind, beginnt meine Vorfreude auf den Dezember, denn dann kaufe ich die "kläglichen Überreste". Genau genommen sind die Regale genau so voll wie vorher und genau genommen noch voller, denn 50 % der einkaufswütigen Vorweihnachtsmenschen haben sich ja für ein Jahr bereits eingedeckt und ich kann zuschlagen.
Fast gleichzeitig beginnt endlich die ruhige und besinnliche Zeit der Weihnachtsmärkte, die mittlerweile auch nicht mehr erst im Dezember, sondern schon Mitte November beginnt, denn offensichtlich ist die Nachfrage groß. Welch Überraschung.
Und so freue ich mich samstags auf einen idyllischen Weihnachtsmarktbesuch mit kulinarischen Köstlichkeiten und heißem Glühwein, nur noch schnell ein freies Parkhaus finden und schon findet man sich nach 1 1/2 Stunden Parkplatzsuche in einem Menschenauflauf wieder, der seinesgleichen sucht. Während ich mühselig versuche, den Glühweinstand meiner Wahl zu erreichen, pieksen Regenschirm-Spitzen friedvoll in mein Gesicht, und nach nur 3 Ellbogen-Checks, 4 Tritten auf den Fuß und einer Kinderwagenstolperfalle erreiche ich glücklich die Theke, an der keiner der 6 Mitarbeiter die Zeit findet, meine Glühweinbestellung entgegen zu nehmen. Ich warte, denn schließlich hat die besinnliche Vorweihnachtszeit begonnen, man soll niemanden hetzen. Eine halbe Stunde später ergattere ich meinen gut abgekühlten Glühwein, den ich mit kunstvoller Balance durch die Menge manövriere. Matrix-Ähnlich bewege ich mich mit meinem Oberkörper an den Regenschirmspitzen vorbei und erreiche letztlich mit einem erfolgreichen Viertel kaltem Glühwein einen verklebten und vermüllten Tisch. Oh du wundervolle Weihnachtszeit.
Nun noch einen Happen essen, um den Abend abzurunden. Während der Stand mit dem Stockbrot belagert wird, als würde ein Justin-Bieber-Konzert stattfinden, frage ich mich, warum Menschen um ein Stück Brot an einem Stock überhaupt ein solches Gezeter veranstalten. Es ist nicht sättigend, enthält kein Fleisch, ist teuer und enthält nichts, was es mir erleichtern würde, den trockenen Bissen herunterzuspülen. Das erste und letzte Mal, als ich vier Empfehlungen folgte, Stockbrot zu probieren, verreckte ich fast nach einem herzhaften Biss in den staubtrockenen Teig, der sich einfach nicht herunterschlucken ließ.
Der überfüllte Glühweinstand war nur 2 Meter entfernt, allerdings mangelte es mir an Luft und Konzentration, um schnell eine Tasse zum Runterspülen zu kaufen.
Ich schiebe mich vor zum Bratwurststand, auch dort warte ich mit knurrendem Magen eine halbe Stunde, bis ich zufrieden meine knusprig-kalte Bratwurst in den Händen halte. Verzweifelt versuche ich, eine Stelle zu finden, an der ich in Ruhe und Abgeschiedenheit essen kann. Vergebens.
Ich gehe Richtung Parkhaus und verschlinge innerhalb kürzester Zeit meine Bratwurst, aus Angst, ein hungeriger Wartender beißt aus Verzweiflung in mein Essen.
Trotz aller Strapazen höre ich mich nächsten Tag wieder sagen "Ach, was für ein wundervoller Weihnachtsmarkt, welch besinnlicher Abend!"
Und dann, während man noch in aller Ruhe überlegt, die Weihnachtsgeschenke früher zu kaufen, die Weihnachtsplanung zu erstellen und welchen Weihnachtsmarkt man am besten an welchem Tag abklappert, ist auch schon der 22. Dezember. Heilig Abend kommt wieder ganz plötzlich. Das weihnachtliche Geschenkpapier ist ausgegangen - im besten Fall am vergangenen Weihnachtsfest, im schlechtesten Fall musste ein Bekannter, der im Sommer Geburtstag hat, darunter leiden, dass man wieder vergessen hat, Geburtstags-Geschenkpapier zu besorgen.
Und doch ist es irgendwann soweit: man sitzt mit seinen Lieben in der Runde und freut sich über das gute Essen und die Geschenke. Man genießt die Tage des Festes - aus welchen Gründen und wie man es auch immer feiert.
Gut, manchmal schaut der Eine mürrisch drein, dem Nächsten schmeckt das Essen nicht und wieder Einer hat wieder ein Geschenk verbaselt. Im besten Fall aber nichts, über das man nicht spätestens eine Woche danach lachen kann.
Und so warte ich gespannt, was dieses Jahr Weihnachten wieder für Überraschungen bereit hält.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein fröhliches, stressfreies und friedliches Weihnachtsfest im Kreise seiner Lieben und einen guten Start ins neue Jahr mit Erfolg und Gesundheit und ich freue mich auf ein neues, blogpostreiches Jahr 2013.
Samstag, 1. Dezember 2012
Die kleinen Vergesslichkeiten
Niemand kann sich alles merken. Der Eine hat eher eine Schwäche bei Zahlen, der Nächste bei Automarken, wieder ein Anderer vergisst Geburtstage und noch Einer vergisst in der Alltagshektik Kleinigkeiten, in dem er z. B. in Hausschuhen die Wohnung verlässt.
Ich vergesse nicht nur Namen, sondern auch Gesichter. Also gleich die ganze Person. Ich plädiere im Alltag immer wieder für Namensschildchen, dennoch müsste ich es eigentlich besser wissen. Das blöde Schildchen würde mir nicht helfen, denn das Gesicht hätte ich ohnehin noch nie gesehen, dessen bin ich mir sicher.
Nun hat das Gehirn meistens ja nur einen Bruchteil, um sich in dem Moment des Kennenlernes gleich das Aussehen aufgrund bestimmter Merkmale sowie den kurz eingeworfenen Namen einzuprägen. Offensichtlich klappen meine Synapsen in dem Moment zusammen und mein Gehirn pfeift ein hohes C, denn sobald sich der neu vorgestellte Mensch umdreht, ist er auch schon aus meinem Gedächtnis verschwunden.
Wenn wir uns ein paar Tage später wieder begegnen, stelle ich mich höflich erneut vor. Sein verwunderter Blick verrät mir... wir kennen uns schon. Schnell lächeln, entschuldigen, weiterreden. Daraus ergibt sich das Problem. Ich weiß immer noch nicht, wie er heißt, der neue Mensch. Ich weiß, dass ich ihn nun zumindest erkenne, aber nicht anreden kann. Unglücklicherweise verschluckt das Gespräch den Zeitpunkt, in dem ich - mit schuldiger Miene - nach seinem Name hätte fragen können. Und dann kennt man sich schon fast zu gut, um nach dem Namen zu fragen. In sämtlichen Situationen versuche ich, Blicke auf persönliche Dinge zu erhaschen, auf denen der Name stehen könnte. Vergebens.
Nach einer Weile bekommt er einen Phantasie-Namen, der zu demjenigen am besten passt. Das ist kein Witz, ein humorvoller Bekannter hat einen Phantasie-Namen, mit dem ich ihn anreden kann, falls mir kurzfristig wieder einmal sein Name entfällt.
Tipps besagen, man soll direkt nach der Vorstellung den Namen wiederholen. In etwa: "Es freut mich, dich/Sie kennen zu lernen, (Herr) X!"
Auch das habe ich versucht, denn ich möchte mich ja gern an den Namen erinnern. Es kann nie schaden, den Namen des neuen Freundes oder Feindes im Kopf zu haben. Zu meinem Bedauern bin ich in der Situation des Kennenlernens damit überfordert zuzuhören, da ich meistens damit beschäftigt bin, meine Vorstellung vorzubereiten und möglichst freundlich rüber zu bringen, wie ich in meinem Text über selbige ja bereits geschrieben habe. So kriege ich nur einen Bruchteil mit und spreche den Namen entweder dreimal falsch aus oder komme nur zum Anfangsbuchstaben und schon gerät alles aus den Fugen. Der freundliche erste Eindruck ist dahin.
Um mich vor solchen Situation zu schützen, grüße ich nun mein Umfeld freundlich, sofern mich jemand länger als eine Sekunde anschaut. Auch das hat verwirrte Blicke zur Folge und ich bin mir sicher, dass der eben von mir Gegrüßte drei Tage überlegt, wer ich bin und warum ich so höflich gegrüßt habe. Wer von mir also grundlos gegrüßt wird: es handelt sich hier um reinen Selbstschutz.
Gesichter sind für mich Schall und Rauch. Ich sehe viele davon und dann verschwinden sie hinter den Horizont meines Kurzzeitgedächtnisses. Auch wenn ich jemanden viermal gesehen habe, heißt das nicht, dass ich ihn auf offener Straße wiedererkenne. Der Jemand mich offensichtlich schon. Und ganz offensichtlich haben wir uns öfter gesehen, denn er kommt auf mich zu. Mein Puls rast. Er wird doch wohl nicht?! Doch, er wird. Und schon geht der Mund auf, heraus kommt eine herzliche Begrüßung, die Nachfrage, wie es mir geht und was die Arbeit macht. Mit der größten Mühe, meine Verwunderung zu unterdrücken, antworte ich gewissenhaft auf alle Fragen, erkundige mich ebenfalls nach dem Wohlbefinden. Die Fragen werden detaillierter, er weiß eine Menge über mein Privatleben. Ich stocke, überlege zwanghaft, wer er ist, was er macht, woher wir uns kennen. Das zerstört das ganze Gespräch, denn es macht mich gerade wahnsinnig, nicht zu wissen, woher ich mein Gegenüber kennen sollte. Mein Gesprächspartner murmelt etwas von "keine Zeit mehr" und geht. Es kostet mich drei schlaflose Nächte, in denen ich alle Szenarien durchspiele, wo er arbeiten könnte, woher ich ihn kennen könnte. Ich würde mir gerne vornehmen, ihn beim nächsten Mal mit einem entschuldigenden Blick nach dem Namen zu fragen, doch mir ist bewusst, wie albern die Situation sein muss. Schließlich scheinen wir uns ja besser zu kennen oder zumindest oft genug gesehen zu haben, um einiges übereinander zu wissen.
Im besten Fall fällt mir nach einer Woche in völliger Alltagshektik in dem Bruchteil einer Sekunde ein, wer er war. Doch schon schiebt eine neu aufgenommene Information die Identität desjenigen wieder weg und mein Geistesblitz erlischt.
Aber nachts, wenn ich Zeit zum Grübeln habe, stelle ich mir vor, wie er mir seinen Namen verrät und dieser - wie in einem Sci-Fi-Film - in Neonschrift in mein Blickfeld gebrannt ist. Beim nächsten Treffen erscheint ein Fadenkreuz auf dem Gesicht der "Zielperson", mit Namen, Arbeitsplatz, Familienstand und sonstigen wichtigen Daten.
Ich schlafe lächelnd ein und hoffe, dass es bald eine App für sowas gibt.
Ich vergesse nicht nur Namen, sondern auch Gesichter. Also gleich die ganze Person. Ich plädiere im Alltag immer wieder für Namensschildchen, dennoch müsste ich es eigentlich besser wissen. Das blöde Schildchen würde mir nicht helfen, denn das Gesicht hätte ich ohnehin noch nie gesehen, dessen bin ich mir sicher.
Nun hat das Gehirn meistens ja nur einen Bruchteil, um sich in dem Moment des Kennenlernes gleich das Aussehen aufgrund bestimmter Merkmale sowie den kurz eingeworfenen Namen einzuprägen. Offensichtlich klappen meine Synapsen in dem Moment zusammen und mein Gehirn pfeift ein hohes C, denn sobald sich der neu vorgestellte Mensch umdreht, ist er auch schon aus meinem Gedächtnis verschwunden.
Wenn wir uns ein paar Tage später wieder begegnen, stelle ich mich höflich erneut vor. Sein verwunderter Blick verrät mir... wir kennen uns schon. Schnell lächeln, entschuldigen, weiterreden. Daraus ergibt sich das Problem. Ich weiß immer noch nicht, wie er heißt, der neue Mensch. Ich weiß, dass ich ihn nun zumindest erkenne, aber nicht anreden kann. Unglücklicherweise verschluckt das Gespräch den Zeitpunkt, in dem ich - mit schuldiger Miene - nach seinem Name hätte fragen können. Und dann kennt man sich schon fast zu gut, um nach dem Namen zu fragen. In sämtlichen Situationen versuche ich, Blicke auf persönliche Dinge zu erhaschen, auf denen der Name stehen könnte. Vergebens.
Nach einer Weile bekommt er einen Phantasie-Namen, der zu demjenigen am besten passt. Das ist kein Witz, ein humorvoller Bekannter hat einen Phantasie-Namen, mit dem ich ihn anreden kann, falls mir kurzfristig wieder einmal sein Name entfällt.
Tipps besagen, man soll direkt nach der Vorstellung den Namen wiederholen. In etwa: "Es freut mich, dich/Sie kennen zu lernen, (Herr) X!"
Auch das habe ich versucht, denn ich möchte mich ja gern an den Namen erinnern. Es kann nie schaden, den Namen des neuen Freundes oder Feindes im Kopf zu haben. Zu meinem Bedauern bin ich in der Situation des Kennenlernens damit überfordert zuzuhören, da ich meistens damit beschäftigt bin, meine Vorstellung vorzubereiten und möglichst freundlich rüber zu bringen, wie ich in meinem Text über selbige ja bereits geschrieben habe. So kriege ich nur einen Bruchteil mit und spreche den Namen entweder dreimal falsch aus oder komme nur zum Anfangsbuchstaben und schon gerät alles aus den Fugen. Der freundliche erste Eindruck ist dahin.
Um mich vor solchen Situation zu schützen, grüße ich nun mein Umfeld freundlich, sofern mich jemand länger als eine Sekunde anschaut. Auch das hat verwirrte Blicke zur Folge und ich bin mir sicher, dass der eben von mir Gegrüßte drei Tage überlegt, wer ich bin und warum ich so höflich gegrüßt habe. Wer von mir also grundlos gegrüßt wird: es handelt sich hier um reinen Selbstschutz.
Gesichter sind für mich Schall und Rauch. Ich sehe viele davon und dann verschwinden sie hinter den Horizont meines Kurzzeitgedächtnisses. Auch wenn ich jemanden viermal gesehen habe, heißt das nicht, dass ich ihn auf offener Straße wiedererkenne. Der Jemand mich offensichtlich schon. Und ganz offensichtlich haben wir uns öfter gesehen, denn er kommt auf mich zu. Mein Puls rast. Er wird doch wohl nicht?! Doch, er wird. Und schon geht der Mund auf, heraus kommt eine herzliche Begrüßung, die Nachfrage, wie es mir geht und was die Arbeit macht. Mit der größten Mühe, meine Verwunderung zu unterdrücken, antworte ich gewissenhaft auf alle Fragen, erkundige mich ebenfalls nach dem Wohlbefinden. Die Fragen werden detaillierter, er weiß eine Menge über mein Privatleben. Ich stocke, überlege zwanghaft, wer er ist, was er macht, woher wir uns kennen. Das zerstört das ganze Gespräch, denn es macht mich gerade wahnsinnig, nicht zu wissen, woher ich mein Gegenüber kennen sollte. Mein Gesprächspartner murmelt etwas von "keine Zeit mehr" und geht. Es kostet mich drei schlaflose Nächte, in denen ich alle Szenarien durchspiele, wo er arbeiten könnte, woher ich ihn kennen könnte. Ich würde mir gerne vornehmen, ihn beim nächsten Mal mit einem entschuldigenden Blick nach dem Namen zu fragen, doch mir ist bewusst, wie albern die Situation sein muss. Schließlich scheinen wir uns ja besser zu kennen oder zumindest oft genug gesehen zu haben, um einiges übereinander zu wissen.
Im besten Fall fällt mir nach einer Woche in völliger Alltagshektik in dem Bruchteil einer Sekunde ein, wer er war. Doch schon schiebt eine neu aufgenommene Information die Identität desjenigen wieder weg und mein Geistesblitz erlischt.
Aber nachts, wenn ich Zeit zum Grübeln habe, stelle ich mir vor, wie er mir seinen Namen verrät und dieser - wie in einem Sci-Fi-Film - in Neonschrift in mein Blickfeld gebrannt ist. Beim nächsten Treffen erscheint ein Fadenkreuz auf dem Gesicht der "Zielperson", mit Namen, Arbeitsplatz, Familienstand und sonstigen wichtigen Daten.
Ich schlafe lächelnd ein und hoffe, dass es bald eine App für sowas gibt.
Freitag, 23. November 2012
Der nimmergrüne Daumen
Der größte Alptraum einer Pflanze ist wohl, in meiner Wohnung zu landen. Egal, wie grauenvoll ihr Leben vorher war, bei mir wird es qualvoll enden.
Das liegt aber nun nicht daran, dass ich Pflanzen nicht mag, sondern an meinem mangelnden grünen Daumen.
Aus Respekt vor der Pflanzenwelt habe ich daher äußerst wenig Grünzeug in meiner Wohnung stehen, um möglichst wenig Schaden anzurichten.
Nun gibt es aber immer Menschen, die - als höflicher Gast - ein Mitbringsel mitschleppen, und was gibt es schöneres als eine Grünpflanze. Denn jeder mag ja Pflanzen und Pflanzen kann man überall hinstellen, egal wie viele Gäste vorher schon Pflanzen mitgebracht haben. Da ich das mittlerweile schon kenne, bitte ich die Gäste bei Partyeinladungen von botanischen Geschenken abzusehen.
Offensichtlich bringt das meine Gäste auf die Idee, es wäre ein Wink mit dem Zaunpfahl. Die Party beginnt und mein Wohnzimmer gleicht kurze Zeit später einem botanischen Garten, alles steht voll mit irgendwelchem Grünzeug, von dem ich das meiste nicht kenne, geschweige denn den Namen weiß. "Das ist sowas von pflegeleicht" höre ich dann immer, "geht nicht kaputt, hab ich auch".
Das liegt aber nun nicht daran, dass ich Pflanzen nicht mag, sondern an meinem mangelnden grünen Daumen.
Aus Respekt vor der Pflanzenwelt habe ich daher äußerst wenig Grünzeug in meiner Wohnung stehen, um möglichst wenig Schaden anzurichten.
Nun gibt es aber immer Menschen, die - als höflicher Gast - ein Mitbringsel mitschleppen, und was gibt es schöneres als eine Grünpflanze. Denn jeder mag ja Pflanzen und Pflanzen kann man überall hinstellen, egal wie viele Gäste vorher schon Pflanzen mitgebracht haben. Da ich das mittlerweile schon kenne, bitte ich die Gäste bei Partyeinladungen von botanischen Geschenken abzusehen.
Offensichtlich bringt das meine Gäste auf die Idee, es wäre ein Wink mit dem Zaunpfahl. Die Party beginnt und mein Wohnzimmer gleicht kurze Zeit später einem botanischen Garten, alles steht voll mit irgendwelchem Grünzeug, von dem ich das meiste nicht kenne, geschweige denn den Namen weiß. "Das ist sowas von pflegeleicht" höre ich dann immer, "geht nicht kaputt, hab ich auch".
Also bedanke ich mich artig und sage "Toll, so eine wollte ich immer schon mal haben, so eine .... grüne Pflanze!"
"Das ist eine Zamioculcas zamiifolia!"
Natürlich!
Den nächsten Tag bin ich damit beschäftigt, geeignete Orte für die Pflanzen zu finden:
- nicht zu sonnig,
- nicht zu schattig,
- ein bisschen Schatten, aber nicht zu viel,
- feucht, aber nicht zu warm (Kühlschrank?),
- morgens und abends dunkel, mag Mittagssonne,
- trinkt nur Wasser von glücklichen Hähnen. Aber nicht zu kalkhaltiges Wasser, denn der guten Pflanze ist unser Trinkwasser offensichtlich nicht gut genug.
Während ich in der ersten Woche verzweifelt versuche, die Pflanzen, deren Namen ich mir nie merken werde, am Leben zu erhalten, sind 2 bereits welk, eine hat Hoffnung und die anderen warten nur noch auf ihren viel zu frühen Tod. Eine Rücksprache mit dem Spender der Pflanze besagt "Um Himmels willen, die darf man nur alle 4 Wochen gießen!". Ich warte also und zähle die Wochen. Nach 3 Wochen habe ich vergessen, wann 4 Wochen um sind. Nach 6 Wochen sehe ich nur noch knusprig braune Blätter, ich habe einen weiteren Verlust zu vermelden.
Während mein Zimmerbrunnen wöchentlich einen großen Schluck Wasser bekommt, steht daneben eine Geschenkpalme (ich habe keine Ahnung, was für eine Gattung das ist) mit fast neidischem und doch traurigen Blick. Sie wurde wieder vergessen. Drei Nächte später fällt es mir auf, sie sah irgendwie unglücklich aus. Ich springe auf und gönne ihr im Halbschlaf 2 Liter Wasser. Zwei Tage später ist sie ertrunken.
So hat mein nimmergrüner Daumen wieder einmal das Leben von 4 Pflanzen gefordert.
Ganz besonders erfreulich sind vermeintlich gut gemeinte Gastgeschenkspflanzen, die mit kriechenden Schädlingen besiedelt sind. So hat sich meine Halloween-Geschenk-Pflanze zu einer eigenen Gruselparty entwickelt. Als ich ihr nach 2 Wochen Beachtung schenkte, sah ich vor Spinnweben und winzig kleinen weißen Krabbeltierchen die Pflanze nicht mehr. Ein Blick ins Internet verriet mir, dass diese Pflanzen (deren Namen ich Buchstabe für Buchstabe mühsam von dem Schildchen abgeschrieben hatte, da ihn kein Mensch der Welt auszusprechen vermag) besonders anfällig für Spinnmilben sind und man Acht geben muss, dass diese nicht auf alle anderen Pflanzen überspringen. Glücklicherweise waren die Nachbarspflanzen bereits tot und die vermilbte Halloween-Pflanze ging gleich mit über den Jordan.
Einzig und allein mein von mir eigens ausgesuchter Fikus irgendwas hält tapfer die Stellung und trotzt meinem schlechten Pflegeverhalten. Er hält 2 - 3 Wochen ohne Wasser aus, steht im Schatten und überhaupt hat er alles das nicht, was er laut Schildchen haben sollte. Und es geht im prächtig. Er wächst und grünt, schädlingsfrei. Wenn er Wasser benötigt, wirft er ein braunes Blatt ab, das mich dezent darauf hinweist, dass er unbedingt mal wieder gegossen werden muss. Die non-verbale Kommunikation funktioniert wunderbar. Überhaupt weigere ich mich, mit Pflanzen zu reden. Das gilt für alles ohne Augen, was mich nicht anguckt, wird toleriert, aber nicht bespaßt. Ich werde meinem Schnitzel nicht sagen, wie zart es ist und wie gut es schmeckt und ich werde meiner Pflanze weder mein Bedauern noch meinen Zuspruch ausdrücken.
Mittlerweile sieht es wieder bereinigter in der Wohnung aus, genau genommen mag ich es auch gar nicht, wenn jeder Quadratzentimeter mit einer Pflanze zugestellt ist, zumal sie bei mir spätestens nach ein paar Monaten ohnehin unansehnlich braun aussehen.
Zwei Wochen später sitze ich daheim und erwarte meinen Besuch. Es klingelt und ich werde mit den Worten begrüßt: "Schau mal, ich hab dir einen neuen Gummibaum besorgt, du hast ja gar keine Pflanzen in deiner Wohnung...!"
"Das ist eine Zamioculcas zamiifolia!"
Natürlich!
Den nächsten Tag bin ich damit beschäftigt, geeignete Orte für die Pflanzen zu finden:
- nicht zu sonnig,
- nicht zu schattig,
- ein bisschen Schatten, aber nicht zu viel,
- feucht, aber nicht zu warm (Kühlschrank?),
- morgens und abends dunkel, mag Mittagssonne,
- trinkt nur Wasser von glücklichen Hähnen. Aber nicht zu kalkhaltiges Wasser, denn der guten Pflanze ist unser Trinkwasser offensichtlich nicht gut genug.
Während ich in der ersten Woche verzweifelt versuche, die Pflanzen, deren Namen ich mir nie merken werde, am Leben zu erhalten, sind 2 bereits welk, eine hat Hoffnung und die anderen warten nur noch auf ihren viel zu frühen Tod. Eine Rücksprache mit dem Spender der Pflanze besagt "Um Himmels willen, die darf man nur alle 4 Wochen gießen!". Ich warte also und zähle die Wochen. Nach 3 Wochen habe ich vergessen, wann 4 Wochen um sind. Nach 6 Wochen sehe ich nur noch knusprig braune Blätter, ich habe einen weiteren Verlust zu vermelden.
Während mein Zimmerbrunnen wöchentlich einen großen Schluck Wasser bekommt, steht daneben eine Geschenkpalme (ich habe keine Ahnung, was für eine Gattung das ist) mit fast neidischem und doch traurigen Blick. Sie wurde wieder vergessen. Drei Nächte später fällt es mir auf, sie sah irgendwie unglücklich aus. Ich springe auf und gönne ihr im Halbschlaf 2 Liter Wasser. Zwei Tage später ist sie ertrunken.
So hat mein nimmergrüner Daumen wieder einmal das Leben von 4 Pflanzen gefordert.
Ganz besonders erfreulich sind vermeintlich gut gemeinte Gastgeschenkspflanzen, die mit kriechenden Schädlingen besiedelt sind. So hat sich meine Halloween-Geschenk-Pflanze zu einer eigenen Gruselparty entwickelt. Als ich ihr nach 2 Wochen Beachtung schenkte, sah ich vor Spinnweben und winzig kleinen weißen Krabbeltierchen die Pflanze nicht mehr. Ein Blick ins Internet verriet mir, dass diese Pflanzen (deren Namen ich Buchstabe für Buchstabe mühsam von dem Schildchen abgeschrieben hatte, da ihn kein Mensch der Welt auszusprechen vermag) besonders anfällig für Spinnmilben sind und man Acht geben muss, dass diese nicht auf alle anderen Pflanzen überspringen. Glücklicherweise waren die Nachbarspflanzen bereits tot und die vermilbte Halloween-Pflanze ging gleich mit über den Jordan.
Einzig und allein mein von mir eigens ausgesuchter Fikus irgendwas hält tapfer die Stellung und trotzt meinem schlechten Pflegeverhalten. Er hält 2 - 3 Wochen ohne Wasser aus, steht im Schatten und überhaupt hat er alles das nicht, was er laut Schildchen haben sollte. Und es geht im prächtig. Er wächst und grünt, schädlingsfrei. Wenn er Wasser benötigt, wirft er ein braunes Blatt ab, das mich dezent darauf hinweist, dass er unbedingt mal wieder gegossen werden muss. Die non-verbale Kommunikation funktioniert wunderbar. Überhaupt weigere ich mich, mit Pflanzen zu reden. Das gilt für alles ohne Augen, was mich nicht anguckt, wird toleriert, aber nicht bespaßt. Ich werde meinem Schnitzel nicht sagen, wie zart es ist und wie gut es schmeckt und ich werde meiner Pflanze weder mein Bedauern noch meinen Zuspruch ausdrücken.
Mittlerweile sieht es wieder bereinigter in der Wohnung aus, genau genommen mag ich es auch gar nicht, wenn jeder Quadratzentimeter mit einer Pflanze zugestellt ist, zumal sie bei mir spätestens nach ein paar Monaten ohnehin unansehnlich braun aussehen.
Zwei Wochen später sitze ich daheim und erwarte meinen Besuch. Es klingelt und ich werde mit den Worten begrüßt: "Schau mal, ich hab dir einen neuen Gummibaum besorgt, du hast ja gar keine Pflanzen in deiner Wohnung...!"
Freitag, 16. November 2012
Die Wellenlängen des Humors
Humor ist etwas ganz wundervolles. Und Humor ist wichtig, ganz besonders im Alltag. Ein herzliches Lachen kann die Laune schnell heben, sympathisch sein, anstecken.
Kann. Manchmal trifft man allerdings auf Menschen, die einen anderen Humor haben. Und wenn man Pech hat, sitzt man in großer Runde beisammen, macht einen kleinen Scherz und lacht laut los. Allein. Während die anderen in der Runde fassungslos gucken. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern. Und so schnell der Lachanfall eingetreten ist, so schnell verhallt er dann auch wieder, das Gesicht wird in Normalposition gerückt, der Blick gesenkt. Die Überlegung, ob es anrüchig war. Zu trocken. Zu albern? Zu flach?
Kurze Zeit später erzählt einer der Anderen eine Anekdote. Und während bei der Pointe so ziemlicher jeder in kreischendes Lachen verfällt, sitzt man mit irritiertem Blick da und überlegt, worüber man lachen soll. Man möchte nicht unhöflich sein. Man lächelt unehrlich mit, während das Gehirn die Situation ein weiteres Mal durchspielt, um herauszufinden, was nun lustig an der Sache war. Zumindest weiß man nun, sich mit seinem Humor entsprechend zurückzuhalten und ihn besser dort anzubringen, wo er auch mit offenen Armen empfangen wird.
Kann. Manchmal trifft man allerdings auf Menschen, die einen anderen Humor haben. Und wenn man Pech hat, sitzt man in großer Runde beisammen, macht einen kleinen Scherz und lacht laut los. Allein. Während die anderen in der Runde fassungslos gucken. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern. Und so schnell der Lachanfall eingetreten ist, so schnell verhallt er dann auch wieder, das Gesicht wird in Normalposition gerückt, der Blick gesenkt. Die Überlegung, ob es anrüchig war. Zu trocken. Zu albern? Zu flach?
Kurze Zeit später erzählt einer der Anderen eine Anekdote. Und während bei der Pointe so ziemlicher jeder in kreischendes Lachen verfällt, sitzt man mit irritiertem Blick da und überlegt, worüber man lachen soll. Man möchte nicht unhöflich sein. Man lächelt unehrlich mit, während das Gehirn die Situation ein weiteres Mal durchspielt, um herauszufinden, was nun lustig an der Sache war. Zumindest weiß man nun, sich mit seinem Humor entsprechend zurückzuhalten und ihn besser dort anzubringen, wo er auch mit offenen Armen empfangen wird.
Interessanterweise liegt dort doch gleich mehr Sympathie, denn ein Mensch, mit dem wir herzlich lachen können, und zwar über genau die gleichen (flachen oder nicht flachen) Witze, ist uns sofort gefällig. Gemeinsam herzhaft lachen verbindet, birgt eine gewisse Verbundenheit. Zugegeben, die Menschen in meinem Umfeld bedürfen eine große Portion Humor, denn meiner wechselt von trocken zu albern, je nach Stimmungslage eröffnet sich eine andere Art desselben. Ein Abend mit einem derben Lachflash ist ein gelungener Abend.
Manchmal ist es nicht nur der Humor, alleine das Lachen an sich bedarf schon einiger Worte, denn es gibt so viele unterschiedliche Lacher, die - je nach persönlichem Empfinden - nervend oder ansteckend sein können.
Da gibt es den leisen Lacher, der Blick ist auf den Boden gerichtet, das Lachen nahezu geräuschlos und man sieht nur an dem regelmäßigen Zucken des Körpers, dass dort irgendetwas in ihm stattfindet. Ob er lacht oder weint, findet man meist erst später raus.
Der Ernie-Lacher: muss nicht beschrieben werden, für mich ein äußerst ansteckendes Lachen, wenn aus dem Rachen heiteres "Krrrcchhkrrchhhkrcchhhh" ertönt.
Der Grunzer kann äußerst nervend sein, ein merkwürdiges Lachen, anfangs ziemlich erschreckend, vielleicht ist es gewöhnungsbedürftig. Grunzer lachen meist auffallend viel, wahrscheinlich um stolz jedem ihre Lache zu präsentieren.
Der Schreilacher: Wie auch immer er es schafft, zwischen den Lachattacken noch Kraft zum Schreien zu nehmen, er verdient auf jeden Fall Respekt für dieses Kunststück. Kann ansteckend sein, muss aber nicht. Bei Kopfschmerzen sollte man von humoristischen Einlagen im Gespräch absehen, da der Schreilacher einen Geräuschpegel von bis zu 80 Dezibel erreichen kann.
Der Röchler: auch eine äußerst interessante Art des Lachens, er lacht so herzlich, dass er kaum noch Luft bekommt und beginnt, heftig nach selbiger zu schnappen. Die Ansteckungsgefahr ist aufgrund der lustigen Geräusche und der Herzlichkeit ziemlich hoch.
Der herzhafte Lacher: einfach schön. Ehrlich, herzlich, normale Lautstärke ohne merkwürdige Geräusche. Ein Lachanfall, von dem man sich mitreißen lassen muss.
Aber egal wie man lacht, der heftigste Lachanfall kündigt sich letztlich doch immer in den Situationen an, in denen es absolut unpassend ist und man nicht einmal selber Verständnis dafür zeigen würde. Zum Beispiel in einer extrem wichtigen, seriösen Besprechung. Ein falsches Wort oder ein Versprecher und schon kommt er auf, staut sich an, der Druck im Bauch wird größer, die Mundwinkel ziehen sich nach oben, egal, wie fest man die Lippen aufeinanderpresst. Die Augen füllen sich mit Tränen (meistens ausgelöst durch einen heftigen Biss auf die Zunge), der Druck presst einen merkwürdigen Laut aus dem Inneren. In diesem Moment kann man alles tun, nur nicht laut loslachen. Oder seinen Nachbarn anschauen, der im besten Fall ebenfalls um Luft ringt. Ein einziger Blick reicht, um den aufgestauten Druck von beiden Seiten in einem monströsen Lachanfall platzen zu lassen.
Fassungslose Blicke von allen Seiten. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern.
Wenigstens lacht man dieses Mal nicht allein.
Manchmal ist es nicht nur der Humor, alleine das Lachen an sich bedarf schon einiger Worte, denn es gibt so viele unterschiedliche Lacher, die - je nach persönlichem Empfinden - nervend oder ansteckend sein können.
Da gibt es den leisen Lacher, der Blick ist auf den Boden gerichtet, das Lachen nahezu geräuschlos und man sieht nur an dem regelmäßigen Zucken des Körpers, dass dort irgendetwas in ihm stattfindet. Ob er lacht oder weint, findet man meist erst später raus.
Der Ernie-Lacher: muss nicht beschrieben werden, für mich ein äußerst ansteckendes Lachen, wenn aus dem Rachen heiteres "Krrrcchhkrrchhhkrcchhhh" ertönt.
Der Grunzer kann äußerst nervend sein, ein merkwürdiges Lachen, anfangs ziemlich erschreckend, vielleicht ist es gewöhnungsbedürftig. Grunzer lachen meist auffallend viel, wahrscheinlich um stolz jedem ihre Lache zu präsentieren.
Der Schreilacher: Wie auch immer er es schafft, zwischen den Lachattacken noch Kraft zum Schreien zu nehmen, er verdient auf jeden Fall Respekt für dieses Kunststück. Kann ansteckend sein, muss aber nicht. Bei Kopfschmerzen sollte man von humoristischen Einlagen im Gespräch absehen, da der Schreilacher einen Geräuschpegel von bis zu 80 Dezibel erreichen kann.
Der Röchler: auch eine äußerst interessante Art des Lachens, er lacht so herzlich, dass er kaum noch Luft bekommt und beginnt, heftig nach selbiger zu schnappen. Die Ansteckungsgefahr ist aufgrund der lustigen Geräusche und der Herzlichkeit ziemlich hoch.
Der herzhafte Lacher: einfach schön. Ehrlich, herzlich, normale Lautstärke ohne merkwürdige Geräusche. Ein Lachanfall, von dem man sich mitreißen lassen muss.
Aber egal wie man lacht, der heftigste Lachanfall kündigt sich letztlich doch immer in den Situationen an, in denen es absolut unpassend ist und man nicht einmal selber Verständnis dafür zeigen würde. Zum Beispiel in einer extrem wichtigen, seriösen Besprechung. Ein falsches Wort oder ein Versprecher und schon kommt er auf, staut sich an, der Druck im Bauch wird größer, die Mundwinkel ziehen sich nach oben, egal, wie fest man die Lippen aufeinanderpresst. Die Augen füllen sich mit Tränen (meistens ausgelöst durch einen heftigen Biss auf die Zunge), der Druck presst einen merkwürdigen Laut aus dem Inneren. In diesem Moment kann man alles tun, nur nicht laut loslachen. Oder seinen Nachbarn anschauen, der im besten Fall ebenfalls um Luft ringt. Ein einziger Blick reicht, um den aufgestauten Druck von beiden Seiten in einem monströsen Lachanfall platzen zu lassen.
Fassungslose Blicke von allen Seiten. Betretenes Schweigen, leises Hüsteln, beschämtes Räuspern.
Wenigstens lacht man dieses Mal nicht allein.
Freitag, 9. November 2012
Stancer´s "Ignoriert"
Ich bin eher ein stiller Leser. Lustige Bücher und anderes Geschriebenes lese ich mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen.
Äußerst selten zwingt mich ein Text zu einem lauten Auflachen.
Und wenn ein Text genau das schafft und es erreicht, dass man sich an den beschriebenen Orten an jene Geschichte erinnert - mit einem inneren Schmunzeln, dann darf er auf keinen Fall ignoriert werden.
Ich freue mich sehr, einen weiteren fabelhaften Blogpost von Stancer präsentieren zu dürfen!
Viel Vergnügen!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
„Herr Doktor, keiner beachtet mich.“ - „Der nächste bitte!“ - sicher haben auch Sie gelacht über dieses Kleinod menschlicher Lachfaltenkultur, oder? - Ich nicht. Dabei bin ich nicht von Natur aus humorlos, nur ist dieser Witz kein solcher für mich, sondern bitterer Ernst: Ich werde ignoriert, immer schon, von frühester Kindheit an, von allen; selbst meine Eltern sprachen mich früher mit dem Namen des Wellensittichs an, weil sie sich meinen eigenen offenbar nicht merken konnten oder wollten, gut, das war immer noch besser, als wenn sie „he du da“ oder einfach „Dings“ zu mir gesagt hätten, und mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, auf Hansi zu reagieren.
Im Supermarkt an der Wursttheke: Während Mutti gekochten Schinken, Kalbsleberwurst und Thüringer Mett kauft, angelt die rosige Fleischereifachverkäuferin zwischen Abwiegen und „sonst noch etwas“ eine Mortadellascheibe mit Kichergesicht-Intarsie aus der Auslage und reicht sie mit langer Gabel dem strahlenden Kind hin, das in der Kinderablage des Einkaufswagens sitzt; es stopft sie genüsslich in sein drolliges Kindermündchen und bedankt sich brav, kauend, nachdem Mutti „was sagt man?“ gemahnt hat. - Ich habe mich nie bei der Wurstwiegerin bedankt, was nicht etwa Folge einer anerzogenen Unhöflichkeit war, nein, es gab einfach keinen Anlass. Statt mich, wie alle anderen Kundenkinder, mit grinsenden Mortadellascheiben zu versorgen, blickte sie durch mich hindurch, als ob statt meiner Muttis Einkaufstasche auf dem ausklappbaren Kindersitz gethront hätte; mein Blick, der jeden bettelnden Labrador farblos erscheinen ließ, prallte an ihrem undurchdringlichen Schutzschild ab.
Supermärkte blieben eine Problemzone, bis heute, da ich selbst und ohne Muttis Beistand einkaufe. „Möchten Sie mal den französischen Côte du Rhone probieren?“, fragt der junge Mann hinter seinem Probierstand in der Weinabteilung mit einnehmenden Lächeln. Gerne würde ich, nur galt die Frage nicht mir, sondern einem gehetzt blickenden Anzugträger, der sie überhört hat und mit Blick auf seine Datenpistole (vulgo: Blackberry) in die Tiefkühlabteilung eilt. Ich verlangsame meinen Schritt, als ich mich dem Probierstand nähere, blicke den jungen Mann fest an. Der widmet sich ganz seinen Probiergläsern, wienert an ihnen herum, hält sie prüfend gegen das Licht, und öffnet eine neue Flasche. Ich bleibe direkt vor dem Stand stehen, starre abwechselnd ihn und die Weinflaschen an. Er wienert weiter.
Ich räuspere mich laut vernehmlich, er putzt seine Theke. „Verzeihung“, setze ich an, „darf ich vielleicht mal von dem...“ Er holt sein Telefon aus der Tasche und ruft jemanden an, vielleicht seine Freundin, „...ganz schön viel los heute, aber im Moment ist etwas Luft“, höre ich ihn säuseln. Ich gebe auf. Kaum habe ich den Probierstand verlassen, höre ich ihn wieder fragen: „Möchten Sie mal...“
Ein echtes Kindheitstrauma war das Mannschaften wählen im Sportunterricht: Zwei Schüler durften abwechselnd die Spieler ihrer Basketballmannschaft wählen; am Ende blieben immer der dicke Klaus P. und ich übrig. Noch heute empfinde ich eine tiefe Abscheu gegenüber allen Sportarten, bei denen ein Ball in, durch oder über ein Netz zu bringen ist.
Es ist erwiesen: Essen in einem guten Restaurant setzt Glückshormone frei, erst recht in geselliger Runde mit Freunden - nur nicht bei mir. Während sich alle anderen den kulinarischen Genüssen hingeben, den Teller fast schon leer gegessen haben, sitze ich vor einer freien Fläche und warte. „Vorzüglich, möchtest du mal probieren?“ werde ich von links gefragt. „Nein danke, ich bekomme ja gleich“, antworte ich leicht gereizt. Gleich - erst die Nachfrage beim Kellner offenbart, man hat mich vergessen. Mit halbstündiger Verspätung verzehre ich schließlich missmutig meine Schweinemedaillons mit Rotweinsoße, alle anderen sind schon bei Dessert und Kaffee angelangt.
Ich werde ignoriert - die Liste der Beispiele ließe sich nahezu endlos fortsetzen: Am Bierstand auf dem Stadtfest darbe ich stundenlang durstig, während die Menschen links und rechts neben mir zügig bedient werden; in der Dankesrede des Chefs nach erfolgreichem Abschluss des Projekts kommt mein Name nicht vor, und bei Facebook habe ich keine Freunde. Gut, sonst auch nicht. Wäre ich Filmschauspieler geworden, würde im Abspann immer genau ein Name fehlen, während die Namen sämtlicher Statisten und derer, die nach den Dreharbeiten die Klos geputzt haben, akribisch aufgelistet sind.
Aber es hat auch Vorteile: Mit unangenehmen Sonderaufträgen beauftragt mein Chef stets nur meine Kollegen; ich kann ungehemmt mit sechzig durch die Tempo-Dreißig-Zone fahren, die Blitzanlage erwischt immer nur den Wagen hinter mir; Hunde betteln nur am Nachbartisch; niemand fragt mich, ob ich eine Obdachlosenzeitung kaufen möchte, und die Jungs auf dem Bahnsteig, denen noch zwei Euro für ihre Fahrkarte nach Leverkusen-Mitte fehlen, behelligen mich nicht. Selbst Grippeviren meiden mich: Während die halbe Abteilung schnieft oder krank im Bett liegt, sitze ich bester Gesundheit im Büro und rette die Welt.
Vermutlich wird eines hoffentlich fernen Tages der Sensenmann alles um mich herum niedergemäht haben, während ich, im Alter von Johannes Heesters‘ Vater und zahnlos, auf meiner Mortadellascheibe herum lutsche. Und sollte er mich doch versehentlich erwischen, so wird auf meinem Grabstein folgende Inschrift eingemeißelt sein: „Grabstelle frei, Informationen bei der Friedhofsverwaltung unter Telefon...“
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Quelle: http://stancerblog.blog.de/2011/04/23/ignoriert-11046280/
Äußerst selten zwingt mich ein Text zu einem lauten Auflachen.
Und wenn ein Text genau das schafft und es erreicht, dass man sich an den beschriebenen Orten an jene Geschichte erinnert - mit einem inneren Schmunzeln, dann darf er auf keinen Fall ignoriert werden.
Ich freue mich sehr, einen weiteren fabelhaften Blogpost von Stancer präsentieren zu dürfen!
Viel Vergnügen!
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Ignoriert
„Herr Doktor, keiner beachtet mich.“ - „Der nächste bitte!“ - sicher haben auch Sie gelacht über dieses Kleinod menschlicher Lachfaltenkultur, oder? - Ich nicht. Dabei bin ich nicht von Natur aus humorlos, nur ist dieser Witz kein solcher für mich, sondern bitterer Ernst: Ich werde ignoriert, immer schon, von frühester Kindheit an, von allen; selbst meine Eltern sprachen mich früher mit dem Namen des Wellensittichs an, weil sie sich meinen eigenen offenbar nicht merken konnten oder wollten, gut, das war immer noch besser, als wenn sie „he du da“ oder einfach „Dings“ zu mir gesagt hätten, und mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, auf Hansi zu reagieren.
Im Supermarkt an der Wursttheke: Während Mutti gekochten Schinken, Kalbsleberwurst und Thüringer Mett kauft, angelt die rosige Fleischereifachverkäuferin zwischen Abwiegen und „sonst noch etwas“ eine Mortadellascheibe mit Kichergesicht-Intarsie aus der Auslage und reicht sie mit langer Gabel dem strahlenden Kind hin, das in der Kinderablage des Einkaufswagens sitzt; es stopft sie genüsslich in sein drolliges Kindermündchen und bedankt sich brav, kauend, nachdem Mutti „was sagt man?“ gemahnt hat. - Ich habe mich nie bei der Wurstwiegerin bedankt, was nicht etwa Folge einer anerzogenen Unhöflichkeit war, nein, es gab einfach keinen Anlass. Statt mich, wie alle anderen Kundenkinder, mit grinsenden Mortadellascheiben zu versorgen, blickte sie durch mich hindurch, als ob statt meiner Muttis Einkaufstasche auf dem ausklappbaren Kindersitz gethront hätte; mein Blick, der jeden bettelnden Labrador farblos erscheinen ließ, prallte an ihrem undurchdringlichen Schutzschild ab.
Supermärkte blieben eine Problemzone, bis heute, da ich selbst und ohne Muttis Beistand einkaufe. „Möchten Sie mal den französischen Côte du Rhone probieren?“, fragt der junge Mann hinter seinem Probierstand in der Weinabteilung mit einnehmenden Lächeln. Gerne würde ich, nur galt die Frage nicht mir, sondern einem gehetzt blickenden Anzugträger, der sie überhört hat und mit Blick auf seine Datenpistole (vulgo: Blackberry) in die Tiefkühlabteilung eilt. Ich verlangsame meinen Schritt, als ich mich dem Probierstand nähere, blicke den jungen Mann fest an. Der widmet sich ganz seinen Probiergläsern, wienert an ihnen herum, hält sie prüfend gegen das Licht, und öffnet eine neue Flasche. Ich bleibe direkt vor dem Stand stehen, starre abwechselnd ihn und die Weinflaschen an. Er wienert weiter.
Ich räuspere mich laut vernehmlich, er putzt seine Theke. „Verzeihung“, setze ich an, „darf ich vielleicht mal von dem...“ Er holt sein Telefon aus der Tasche und ruft jemanden an, vielleicht seine Freundin, „...ganz schön viel los heute, aber im Moment ist etwas Luft“, höre ich ihn säuseln. Ich gebe auf. Kaum habe ich den Probierstand verlassen, höre ich ihn wieder fragen: „Möchten Sie mal...“
Ein echtes Kindheitstrauma war das Mannschaften wählen im Sportunterricht: Zwei Schüler durften abwechselnd die Spieler ihrer Basketballmannschaft wählen; am Ende blieben immer der dicke Klaus P. und ich übrig. Noch heute empfinde ich eine tiefe Abscheu gegenüber allen Sportarten, bei denen ein Ball in, durch oder über ein Netz zu bringen ist.
Es ist erwiesen: Essen in einem guten Restaurant setzt Glückshormone frei, erst recht in geselliger Runde mit Freunden - nur nicht bei mir. Während sich alle anderen den kulinarischen Genüssen hingeben, den Teller fast schon leer gegessen haben, sitze ich vor einer freien Fläche und warte. „Vorzüglich, möchtest du mal probieren?“ werde ich von links gefragt. „Nein danke, ich bekomme ja gleich“, antworte ich leicht gereizt. Gleich - erst die Nachfrage beim Kellner offenbart, man hat mich vergessen. Mit halbstündiger Verspätung verzehre ich schließlich missmutig meine Schweinemedaillons mit Rotweinsoße, alle anderen sind schon bei Dessert und Kaffee angelangt.
Ich werde ignoriert - die Liste der Beispiele ließe sich nahezu endlos fortsetzen: Am Bierstand auf dem Stadtfest darbe ich stundenlang durstig, während die Menschen links und rechts neben mir zügig bedient werden; in der Dankesrede des Chefs nach erfolgreichem Abschluss des Projekts kommt mein Name nicht vor, und bei Facebook habe ich keine Freunde. Gut, sonst auch nicht. Wäre ich Filmschauspieler geworden, würde im Abspann immer genau ein Name fehlen, während die Namen sämtlicher Statisten und derer, die nach den Dreharbeiten die Klos geputzt haben, akribisch aufgelistet sind.
Aber es hat auch Vorteile: Mit unangenehmen Sonderaufträgen beauftragt mein Chef stets nur meine Kollegen; ich kann ungehemmt mit sechzig durch die Tempo-Dreißig-Zone fahren, die Blitzanlage erwischt immer nur den Wagen hinter mir; Hunde betteln nur am Nachbartisch; niemand fragt mich, ob ich eine Obdachlosenzeitung kaufen möchte, und die Jungs auf dem Bahnsteig, denen noch zwei Euro für ihre Fahrkarte nach Leverkusen-Mitte fehlen, behelligen mich nicht. Selbst Grippeviren meiden mich: Während die halbe Abteilung schnieft oder krank im Bett liegt, sitze ich bester Gesundheit im Büro und rette die Welt.
Vermutlich wird eines hoffentlich fernen Tages der Sensenmann alles um mich herum niedergemäht haben, während ich, im Alter von Johannes Heesters‘ Vater und zahnlos, auf meiner Mortadellascheibe herum lutsche. Und sollte er mich doch versehentlich erwischen, so wird auf meinem Grabstein folgende Inschrift eingemeißelt sein: „Grabstelle frei, Informationen bei der Friedhofsverwaltung unter Telefon...“
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Quelle: http://stancerblog.blog.de/2011/04/23/ignoriert-11046280/
Mittwoch, 31. Oktober 2012
Happy Halloween
Zugegeben, nicht jeder Trend aus Amerika ist gut. Halloween hingegen erfreut mich jedes Jahr wieder.
Und bevor die Nacht einbricht, wird die Wohnung zu einem düsteren Ort. Die Möbel verrückt, Plastikspinnen und Streuameisen drapiert, riesige Laken über die Möbel geworfen und Spinnenetze verteilt. Die dunklen Ecken werden zur Herberge sprechender Grabsteine, grünäugiger Totenköpfe und Keep-Out-Schilder mit ächzendem Sound und zackiger Schrift.
Gruselige kleine Gestalten bilden die Vorhut, sie scharren an den Türen und sind unermüdlich, das Süßwarentöpfchen zu leeren. Kleine Geister, Piraten, und eine verlorene Fee springen vor den Türen hin und her.
Kurze Zeit später, nachdem die Kirchenglocken in die Nacht hinaus geläutet haben, kommen die Großen: blutverschmierte Ärzte, Hexen, Vampire, Zombies, Schlachter, Teufel und diverse andere Gestalten. Sie tummeln sich, lachen, tanzen, nutzen diese eine Nacht schamlos aus. Skurrile Bilder ergeben sich, als nach diversen blutroten Vodka-Wackelpudding-Desserts der Schlachter taumelnd unter einem Besenstil, der von 2 Vampiren gehalten wird, Limbo tanzt und der Arzt mit der Hexe einen Tango auf´s Parkett legt.
Nach ein paar Stunden ist alles vorbei, die mittlerweile schunkelnden und lallenden Gestalten streunen über die Straße, der Tag bricht an.
Und mit ihm das wohl größte Grauen. Ein übler Kater, aufwachen neben diversen Streuameisen und Plastikspinnen und ein Anblick des Horrors. Panik breitet sich aus. Soweit das Auge reicht: überall dreckige Gläser, überquillende Aschenbecher, ein von Halloween-Schminke schwarz-rot-verschmierter Boden, Knabbereien und andere Süßigkeiten sind zum Teil in den Spinnnetzen verheddert. Und ein schlafender Zombie auf dem Boden.
Motivationslos werden 2 - 3 Spinnennetze abgehängt und 2 dreckige Gläser weggestellt. Zurück ins Bett. Nicht den Zombie wecken.
Bleibt nur eins zu sagen: Das, und zwar genau das, ist eine äußerst gelungene Halloween-Party!
Ein fröhliches Halloween!
Und bevor die Nacht einbricht, wird die Wohnung zu einem düsteren Ort. Die Möbel verrückt, Plastikspinnen und Streuameisen drapiert, riesige Laken über die Möbel geworfen und Spinnenetze verteilt. Die dunklen Ecken werden zur Herberge sprechender Grabsteine, grünäugiger Totenköpfe und Keep-Out-Schilder mit ächzendem Sound und zackiger Schrift.
Gruselige kleine Gestalten bilden die Vorhut, sie scharren an den Türen und sind unermüdlich, das Süßwarentöpfchen zu leeren. Kleine Geister, Piraten, und eine verlorene Fee springen vor den Türen hin und her.
Kurze Zeit später, nachdem die Kirchenglocken in die Nacht hinaus geläutet haben, kommen die Großen: blutverschmierte Ärzte, Hexen, Vampire, Zombies, Schlachter, Teufel und diverse andere Gestalten. Sie tummeln sich, lachen, tanzen, nutzen diese eine Nacht schamlos aus. Skurrile Bilder ergeben sich, als nach diversen blutroten Vodka-Wackelpudding-Desserts der Schlachter taumelnd unter einem Besenstil, der von 2 Vampiren gehalten wird, Limbo tanzt und der Arzt mit der Hexe einen Tango auf´s Parkett legt.
Nach ein paar Stunden ist alles vorbei, die mittlerweile schunkelnden und lallenden Gestalten streunen über die Straße, der Tag bricht an.
Und mit ihm das wohl größte Grauen. Ein übler Kater, aufwachen neben diversen Streuameisen und Plastikspinnen und ein Anblick des Horrors. Panik breitet sich aus. Soweit das Auge reicht: überall dreckige Gläser, überquillende Aschenbecher, ein von Halloween-Schminke schwarz-rot-verschmierter Boden, Knabbereien und andere Süßigkeiten sind zum Teil in den Spinnnetzen verheddert. Und ein schlafender Zombie auf dem Boden.
Motivationslos werden 2 - 3 Spinnennetze abgehängt und 2 dreckige Gläser weggestellt. Zurück ins Bett. Nicht den Zombie wecken.
Bleibt nur eins zu sagen: Das, und zwar genau das, ist eine äußerst gelungene Halloween-Party!
Ein fröhliches Halloween!
Donnerstag, 18. Oktober 2012
... und ewig kreisen die Suchenden
Die Parkplatzsuche ist in den meisten Fällen die Achillesferse eines jeden Autofahrers. Des Öfteren ist der Weg zum Parkplatz schon weniger glücklich verlaufen, meistens durch das erhöhte Verkehrsaufkommen - die liebevolle Beschreibung für den "beschissenen Drecksstau", der immer genau dann auftaucht, wenn man es wirklich eilig hat. So erreicht man ziemlich gereizt mit kleinen Resten von Wutschaum am Mund unter Zeitdruck die Nähe seines Ziels. Ein Blick auf die Uhr genügt, um festzustellen, dass man sich um mindestens 10 Minuten verspätet hat, aber man ist ja jetzt da, alles wird gut. Denkt man. Denn in den meisten Fällen beginnt genau hier das Desaster, die ewige Parkplatzsuche, die Schlacht der Autofahrer. Man darf sich sicher sein, dass man nicht der Einzige ist, der das Objekt der Begierde für sich beanspruchen möchte, reihum stehen weitere angefressene Autofahrer, die bereit sind, alles dafür zu tun, um einen Stellplatz für ihr Auto zu ergattern. Nun könnte man weiterfahren, tut man aber nicht und zwar aus folgenden Gründen:
1) Man ist in einer fremden Stadt und kann nicht sagen, wo der nächste Parkplatz ist und wie weit man von dem Zielort entfernt ist
2) Man ist definitiv zu spät dran, um noch weiter durch die Stadt zu fahren
3) Man könnte einen weiteren Stau riskieren
4) Das Alphamännchen in uns will UNBEDINGT DIESEN EINEN PARKPLATZ und die Konkurrenz wird keine Chance haben.
In 98 % aller Fälle haben wir nun den Schlachtplatz unserer Wahl gefunden. Mögen die Kämpfe beginnen.
Die eine Hälfte der Parkplatzsuchenden fährt immer im Kreis, immer wieder hoch und runter in der Hoffnung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, während die andere Hälfte sich in eine Reihe ihrer Wahl stellt und unruhig wartet. Mit glänzenden Augen. Ob es sich hierbei um Tränen der Verzweiflung oder Speicheltröpfchen des vorherigen Fluchgelages handelt, vermag ich nicht zu sagen.
Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Ich warte.
Wenn sich auch nur ein Auto in meine Nähe wagt, wird mit heftig wedelnden Armen sofort klar gemacht, um wessen Revier es sich handelt, das Jagen wird dem anderen sofort untersagt. Nachdem ich nun 20 Minuten mein Revier verteidigt habe und kein Mensch an sein parkendes Auto ging, um wegzufahren, trolle ich mich und suche ein neues Revier zum Jagen. Im gleichen Moment allerdings, in dem ich meine Reihe verlasse, kommt ein gut gelauntes Pärchen um die Ecke und geht zu seinem Auto. In eben jener Reihe, die ich gerade ungeduldig verlassen habe. Mit Vollgas rase ich durch die Gänge, um meinen Parkplatz zu ergattern, doch leider kommt mir ein gewiefter Glückspilz zuvor und parkt geradewegs ein. Es folgt ein heftiges Streitgespräch, welches den Glückspilz allerdings ziemlich unbeeindruckt lässt. Ich suche weiter.
Mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn man das Glück hat, dass ein Ausparker geradewegs auf die Reihe zugeht, in der ich warte, man aber feststellt, dass er Bummler ist. Er räumt erstmal in Ruhe sein Auto um, der Kofferraum wird geöffnet, Taschen werden eingeladen, dies und jenes ausgeladen, geschaut, ob alles noch an seinem Platz ist. Dann steigt er endlich ein (ich stehe bereits auf dem Gas), schließt die Tür, lässt den Wagen an. Zündet sich eine Zigarette an. Jetzt. Ich warte. Er raucht und fängt an zu telefonieren. Mein rechtes Auge zuckt. Ich versuche zu atmen, steige aus, verkrampfe mein Gesicht zu einem Lächeln und klopfe an der Scheibe. Er signalisiert, ich solle warten. ICH WARTE. Mein rechtes Auge zuckt heftiger. Mein Lächeln wird durch das Zucken unterbrochen, ich sehe aus wie ein Kettensägenmörder. Er signalisiert, er brauche noch einige Zeit. ICH FLUCHE. Schimpfend steige ich in mein Auto. Fahre weiter. Werde viermal angehupt, weil ich in das Revier anderer Wartender eingedrungen bin. Meine innere Uhr sagt mir, ich habe meinen Termin verpasst, aber hier geht es nicht mehr um den Termin, es geht hier um´s Prinzip. Ich will meinen Parkplatz!
Von Weitem sehe ich eine Lücke blitzen - ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont. Ich rase los. Kurz vorher zerbricht meine Vorfreude. Ein sehr sehr sehr kleines Auto steht tatsächlich auf anderthalb Parkplätzen. Möglicherweise aus Frust, warum sollen immer die dicken Autos 2 Parkplätze beanspruchen können, man kann auch mit etwas, das früher als Schubkarre durchgegangen wäre, ebenso frech parken.
Und dann sehe ich eine Frau auf den Parkplatz schlendern. Sie lächelt mich an und winkt, ich solle ihr folgen. Ich versuche, nicht mehr allzu furchteinflößend auszusehen und zu lächeln. Fahre ihr nach. Sie ist kein Bummler, steigt ein und will ausparken, doch von der anderen Seite hat die Konkurrenz die Witterung aufgenommen. Mein Ehrgeiz wächst über sich hinaus, mein Kampfgeist ist sensibilisiert. Ich werde diesen Parkplatz kriegen. Sie parkt in die für mich bessere Richtung aus, ich habe meinen Parkplatz. Ich atme kurz durch, kann mir ein gehässiges Grinsen nicht verkneifen. Triumphierend schaue ich mich nach der Konkurrenz um. Doch er wollte den Parkplatz gar nicht, er wollte das Parkhaus verlassen. Wie alle anderen auch.
Das Parkhaus schließt. Aber es wird wieder öffnen. Und dann bin ich der erste, der einen Parkplatz hat!
1) Man ist in einer fremden Stadt und kann nicht sagen, wo der nächste Parkplatz ist und wie weit man von dem Zielort entfernt ist
2) Man ist definitiv zu spät dran, um noch weiter durch die Stadt zu fahren
3) Man könnte einen weiteren Stau riskieren
4) Das Alphamännchen in uns will UNBEDINGT DIESEN EINEN PARKPLATZ und die Konkurrenz wird keine Chance haben.
In 98 % aller Fälle haben wir nun den Schlachtplatz unserer Wahl gefunden. Mögen die Kämpfe beginnen.
Die eine Hälfte der Parkplatzsuchenden fährt immer im Kreis, immer wieder hoch und runter in der Hoffnung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, während die andere Hälfte sich in eine Reihe ihrer Wahl stellt und unruhig wartet. Mit glänzenden Augen. Ob es sich hierbei um Tränen der Verzweiflung oder Speicheltröpfchen des vorherigen Fluchgelages handelt, vermag ich nicht zu sagen.
Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Ich warte.
Wenn sich auch nur ein Auto in meine Nähe wagt, wird mit heftig wedelnden Armen sofort klar gemacht, um wessen Revier es sich handelt, das Jagen wird dem anderen sofort untersagt. Nachdem ich nun 20 Minuten mein Revier verteidigt habe und kein Mensch an sein parkendes Auto ging, um wegzufahren, trolle ich mich und suche ein neues Revier zum Jagen. Im gleichen Moment allerdings, in dem ich meine Reihe verlasse, kommt ein gut gelauntes Pärchen um die Ecke und geht zu seinem Auto. In eben jener Reihe, die ich gerade ungeduldig verlassen habe. Mit Vollgas rase ich durch die Gänge, um meinen Parkplatz zu ergattern, doch leider kommt mir ein gewiefter Glückspilz zuvor und parkt geradewegs ein. Es folgt ein heftiges Streitgespräch, welches den Glückspilz allerdings ziemlich unbeeindruckt lässt. Ich suche weiter.
Mir sträuben sich die Nackenhaare, wenn man das Glück hat, dass ein Ausparker geradewegs auf die Reihe zugeht, in der ich warte, man aber feststellt, dass er Bummler ist. Er räumt erstmal in Ruhe sein Auto um, der Kofferraum wird geöffnet, Taschen werden eingeladen, dies und jenes ausgeladen, geschaut, ob alles noch an seinem Platz ist. Dann steigt er endlich ein (ich stehe bereits auf dem Gas), schließt die Tür, lässt den Wagen an. Zündet sich eine Zigarette an. Jetzt. Ich warte. Er raucht und fängt an zu telefonieren. Mein rechtes Auge zuckt. Ich versuche zu atmen, steige aus, verkrampfe mein Gesicht zu einem Lächeln und klopfe an der Scheibe. Er signalisiert, ich solle warten. ICH WARTE. Mein rechtes Auge zuckt heftiger. Mein Lächeln wird durch das Zucken unterbrochen, ich sehe aus wie ein Kettensägenmörder. Er signalisiert, er brauche noch einige Zeit. ICH FLUCHE. Schimpfend steige ich in mein Auto. Fahre weiter. Werde viermal angehupt, weil ich in das Revier anderer Wartender eingedrungen bin. Meine innere Uhr sagt mir, ich habe meinen Termin verpasst, aber hier geht es nicht mehr um den Termin, es geht hier um´s Prinzip. Ich will meinen Parkplatz!
Von Weitem sehe ich eine Lücke blitzen - ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont. Ich rase los. Kurz vorher zerbricht meine Vorfreude. Ein sehr sehr sehr kleines Auto steht tatsächlich auf anderthalb Parkplätzen. Möglicherweise aus Frust, warum sollen immer die dicken Autos 2 Parkplätze beanspruchen können, man kann auch mit etwas, das früher als Schubkarre durchgegangen wäre, ebenso frech parken.
Und dann sehe ich eine Frau auf den Parkplatz schlendern. Sie lächelt mich an und winkt, ich solle ihr folgen. Ich versuche, nicht mehr allzu furchteinflößend auszusehen und zu lächeln. Fahre ihr nach. Sie ist kein Bummler, steigt ein und will ausparken, doch von der anderen Seite hat die Konkurrenz die Witterung aufgenommen. Mein Ehrgeiz wächst über sich hinaus, mein Kampfgeist ist sensibilisiert. Ich werde diesen Parkplatz kriegen. Sie parkt in die für mich bessere Richtung aus, ich habe meinen Parkplatz. Ich atme kurz durch, kann mir ein gehässiges Grinsen nicht verkneifen. Triumphierend schaue ich mich nach der Konkurrenz um. Doch er wollte den Parkplatz gar nicht, er wollte das Parkhaus verlassen. Wie alle anderen auch.
Das Parkhaus schließt. Aber es wird wieder öffnen. Und dann bin ich der erste, der einen Parkplatz hat!
Freitag, 12. Oktober 2012
Murphys Law
Es ist immer dasselbe. Es treibt mich in den Wahnsinn!
In den völlig entspannten Phasen des Lebens bleibt es entspannt, doch wird es turbulenter, können wir darauf Wetten abschließen, dass grundsätzlich eine Katastrophe die nächste jagt.
Die Arbeit nimmt mich gerade völlig ein, es haben sich einige Besucher angekündigt und man möchte natürlich alles perfekt haben. Der Alltag wird durchhetzt, um dies und das zu erledigen, zu wienern und Vorbereitungen zu treffen. Mein Besuch wird das leider nicht bemerken, denn er wird zu sehr mit Frieren beschäftigt sein. Natürlich muss die Heizung gerade jetzt ausfallen. Natürlich nur in meiner Wohnung. Und ich bin mir sicher, ich werde von dem Heizungsnotdienst morgen mindestens ein "So etwas habe ich ja noch nie erlebt" zu hören bekommen, gefolgt von einem beschämten Hüsteln, was mir sagen wird, dass man nicht wisse, woran es liegt, man sich aber darum kümmern wird. Selbstverständlich wird man eine Lösung finden und die Heizung wird wieder funktionieren und zwar - sekundengenau - in dem Moment, in dem mein Besuch die Wohnung verlässt.
Es ist Murphys Law, das besagt, es wird all das schief gehen, was schief gehen kann. Man plant eine große Party und kurz bevor der erste Gast läutet, gibt die Spülmaschine den Geist auf.
Man kommt aus dem Urlaub mit Bergen von ungewaschener Wäsche, die sich auf ein Vollbad in der Waschmaschine freut und die Waschmaschine versagt.
Einen Abend vor der Reise wird der Wagen in der Tiefgarage eingesperrt und man kann ihn erst nächsten Morgen abholen, genau zu der Zeit, wenn der Flieger starten soll.
Ein lange geplanter Opernabend und genau in dem Moment, in dem man das Haus verlassen möchte, fliegt die Sicherung raus, die Küchenlampe zerspringt und richtet eine Verwüstung in der Küche an, die ihresgleichen sucht.
Man hat ein Vorstellungsgespräch und als man losfahren möchte, gibt die Autobatterie den Geist auf.
Die Liste ist beliebig und vor allem mit Sicherheit stetig fortzuführen.
Sie entschuldigen mich, ich muss jetzt die restlichen Einrichtungsobjekte meiner Wohnung zerlegen, damit mein Besuch nicht noch mehr böse Überraschungen erlebt.
In den völlig entspannten Phasen des Lebens bleibt es entspannt, doch wird es turbulenter, können wir darauf Wetten abschließen, dass grundsätzlich eine Katastrophe die nächste jagt.
Die Arbeit nimmt mich gerade völlig ein, es haben sich einige Besucher angekündigt und man möchte natürlich alles perfekt haben. Der Alltag wird durchhetzt, um dies und das zu erledigen, zu wienern und Vorbereitungen zu treffen. Mein Besuch wird das leider nicht bemerken, denn er wird zu sehr mit Frieren beschäftigt sein. Natürlich muss die Heizung gerade jetzt ausfallen. Natürlich nur in meiner Wohnung. Und ich bin mir sicher, ich werde von dem Heizungsnotdienst morgen mindestens ein "So etwas habe ich ja noch nie erlebt" zu hören bekommen, gefolgt von einem beschämten Hüsteln, was mir sagen wird, dass man nicht wisse, woran es liegt, man sich aber darum kümmern wird. Selbstverständlich wird man eine Lösung finden und die Heizung wird wieder funktionieren und zwar - sekundengenau - in dem Moment, in dem mein Besuch die Wohnung verlässt.
Es ist Murphys Law, das besagt, es wird all das schief gehen, was schief gehen kann. Man plant eine große Party und kurz bevor der erste Gast läutet, gibt die Spülmaschine den Geist auf.
Man kommt aus dem Urlaub mit Bergen von ungewaschener Wäsche, die sich auf ein Vollbad in der Waschmaschine freut und die Waschmaschine versagt.
Einen Abend vor der Reise wird der Wagen in der Tiefgarage eingesperrt und man kann ihn erst nächsten Morgen abholen, genau zu der Zeit, wenn der Flieger starten soll.
Ein lange geplanter Opernabend und genau in dem Moment, in dem man das Haus verlassen möchte, fliegt die Sicherung raus, die Küchenlampe zerspringt und richtet eine Verwüstung in der Küche an, die ihresgleichen sucht.
Man hat ein Vorstellungsgespräch und als man losfahren möchte, gibt die Autobatterie den Geist auf.
Die Liste ist beliebig und vor allem mit Sicherheit stetig fortzuführen.
Sie entschuldigen mich, ich muss jetzt die restlichen Einrichtungsobjekte meiner Wohnung zerlegen, damit mein Besuch nicht noch mehr böse Überraschungen erlebt.
Donnerstag, 27. September 2012
Komfortzonen
Jeder Mensch hat seine Macken - und genau diese machen jeden für sich individuell und meistens auch interessant. Ich mag die Macken anderer Leute.. manchmal.
Rund um meinen Körper hat sich eine Wohlfühlzone mit einem etwa 1,5 m Radius gebildet. Das ist zugegebenermaßen etwas mehr als bei anderen Menschen, für mich aber notwendig, denn ich möchte mich ja - man kann es erahnen - wohlfühlen. Alles, was in diesen Radius einfällt, wird als Eindringling betrachtet, die Füße reagieren schnell und bringen den Körper wieder in den komfortablen 1,5 m - Abstand. Für den Fall, dass Platz ist. Und genau hier stoße ich an mein Problem.
Es gibt wenig Aufzüge, in denen Platz zum Ausweichen ist. Die von mir so geliebten Paternoster gibt es leider kaum noch, aus denen war ein spontanes Heraushüpfen wenigstens weitestgehend möglich. Mittlerweile beobachte ich, wie viele Menschen vor einem Aufzug stehen, entscheide mich ab und zu doch für das Treppenhaus. Unglücklicherweise kann man nicht alles vorhersehen und so stehe ich mit meiner Wohlfühlzone in einem verlassenen Aufzug und genieße die Fahrt, bis er stoppt, die Tür aufgeht und ein Meer von Menschen in den Aufzug geschwemmt wird. Mit zarter Stimme versuche ich, auf die 9-Personen-Beschränkung hinzuweisen und die Flucht zu ergreifen, doch meine kläglichen Versuche verhallen im Stimmgewirr der Menschenmenge. Während meine Komfortzone sich in die linke, obere Ecke des Aufzugs verzieht, warte ich mit geschlossenen Augen und angehaltenem Atem, bis der Fahrstuhl nach gefühlten Stunden in der gewünschten Etage anhält und ich mich aus dem winzigen Käfig befreien kann.
Bei Unterhaltungen achte ich stets darauf, einen gesunden Abstand zu meinem Gesprächspartner zu halten, um eine angenehme und gepflegte Kommunikation führen zu können. Doch es gibt sie immer wieder, die subtilen Kuschler, die in kurzen Abständen - jedes Wort ein kleiner Schritt - näher rücken. Sie suchen die Nähe, möglichst, um ihr Gegenüber noch anzustupsen oder Gesten noch imposanter vorführen zu können. Weicht man nicht aus, sieht man sich ein paar Minuten später Schulter an Schulter, Nase an Nase zu seinem Gesprächsteilnehmer. Mit einer gesunden Komfortzone passiert aber etwas anderes: man weicht automatisch zurück. Und so entsteht ein Wandergespräch. Je nach Dauer dieser Kommunikation findet man sich plötzlich an einem völlig anderen Ort vor. Den Kuschler beeindruckt das allerdings wenig - ohne Unterlass versucht er, in die Wohlfühlzone seines Gegenübers einzudringen, sucht die Nähe, um zu stupsen und zu drücken. Warum man sein Gegenüber überhaupt während einer Konversation anstoßen muss, hat sich mir bis heute übrigens nicht erschlossen. Ein Schulterklopfer oder ein gezielter Stoß gegen den Oberarm untermalen das Gespräch mit einem negativen Beigeschmack vor allem, wenn es in völliger Euphorie unter Einbuße der Kontrolle des Schlages geschieht. Das schmerzverzerrte Gesicht des Gegenübers scheint dem Kuschler in seinem Vorhaben keinen Abbruch zu tun. Ich bin gnadenlos, bevor ich gestupst werde, wander ich weiter, mit dem Hintergedanken, ob es ihm wirklich nicht auffällt. Hier hat sich bewährt, am besten Richtung Tür zu wandern, man kann diese belanglos im Gespräch öffnen und den Kuschler hinauslaufen lassen. Tür zu. Gespräch beendet. Ohne Hämatome an den Oberarmen.
Dann gibt es noch die Busserl-Begrüßer. Ob privat oder geschäftlich, ich möchte entscheiden, wem ich die Hand gebe oder wen ich busserl. Und gebusserlt wird - man ahnt es bereits - bei mir äußerst selten. Doch kommt man leider manchmal nicht umhin, da das Gegenüber - was man schlimmstenfalls nicht einmal kennt - die ausgestreckte Hand ergreift, einen heranzieht und fröhlich darauflosbusserlt, ob man möchte oder nicht, spielt hier keine Rolle. Kurz darauf folgt eine kurze Verwirrung - 2 oder 3 Busserl auf die Wangen, meistens steht einer noch mit kussmundgeformten Lippen und halb geschlossenen Augen da, während der andere (das bin ich) bereits mit großen Schritten in die sichere Komfortzone zurückläuft. Das ist unhöflich, aber es verwirrt mich ebenso wie mein Gegenüber und es überrascht mich immer wieder, dass meine eindeutige Körpersprache mit einem zurückgelehnten Oberkörper und einer weit nach vorn ausgestreckten Hand missinterpretiert wird und ich offensichtlich so aussehe, als müsste ich unbedingt herzhaft gebusserlt werden.
Schutzlos ausgeliefert ist meine Komfortzone in der Sauna. Was ein Widerspruch in sich ist, denn ich möchte mich wohlfühlen und zwar während des ganzen Aufenthaltes dort. Doch wenn man die Aufgusszeiten nicht vorher auswendig gelernt hat, entstehen Situationen wie zuvor im Aufzug beschrieben. Die Tür geht auf und eine Horde wellness- und aufgussbegeisterter Saunierer stürmen die Sauna. Sie laufen über mein Handtuch - und ganz ehrlich: FÜßE haben schon gar nichts in meiner Komfortzone zu suchen! Ich habe selber 2 gesunde Füße, das reicht für meine Zone, mehr müssen da nicht rein. Und schon überhaupt nicht auf mein Handtuch! Die Sauna wird geflutet, die Menschen quetschen sich nebeneinander und dann das Desaster: verschwitzte Arme drücken von links und rechts an meine. Mit einem angeekelt-empörten Blick versuche ich meinen Mitsaunierern klar zu machen, dass ich das unter gar keinen Umständen möchte! Sie akzeptieren.... und fangen an, sich mit ihrem Schweiß einzureiben! Erstarrt sitze ich ohne Komfortzone dort, nicht fähig zu fliehen, die Tür ist bereits geschlossen, der Aufguss beginnt, ich bin gefangen. Nach 10 Minuten verlasse ich blass und angespannt die Sauna und schwöre, nie wieder an einem Aufguss teilzunehmen.
Sofern ich denn später alt und grau bin und einen Gehstock benötige, sollte meine Wohlfühlzone geschützt sein, denn jeder Eindringling wird sofort mit dem Stöckchen gepiekst und in seine richtige Position geschubst. Und wehe, er versucht mich anzustoßen...
Rund um meinen Körper hat sich eine Wohlfühlzone mit einem etwa 1,5 m Radius gebildet. Das ist zugegebenermaßen etwas mehr als bei anderen Menschen, für mich aber notwendig, denn ich möchte mich ja - man kann es erahnen - wohlfühlen. Alles, was in diesen Radius einfällt, wird als Eindringling betrachtet, die Füße reagieren schnell und bringen den Körper wieder in den komfortablen 1,5 m - Abstand. Für den Fall, dass Platz ist. Und genau hier stoße ich an mein Problem.
Es gibt wenig Aufzüge, in denen Platz zum Ausweichen ist. Die von mir so geliebten Paternoster gibt es leider kaum noch, aus denen war ein spontanes Heraushüpfen wenigstens weitestgehend möglich. Mittlerweile beobachte ich, wie viele Menschen vor einem Aufzug stehen, entscheide mich ab und zu doch für das Treppenhaus. Unglücklicherweise kann man nicht alles vorhersehen und so stehe ich mit meiner Wohlfühlzone in einem verlassenen Aufzug und genieße die Fahrt, bis er stoppt, die Tür aufgeht und ein Meer von Menschen in den Aufzug geschwemmt wird. Mit zarter Stimme versuche ich, auf die 9-Personen-Beschränkung hinzuweisen und die Flucht zu ergreifen, doch meine kläglichen Versuche verhallen im Stimmgewirr der Menschenmenge. Während meine Komfortzone sich in die linke, obere Ecke des Aufzugs verzieht, warte ich mit geschlossenen Augen und angehaltenem Atem, bis der Fahrstuhl nach gefühlten Stunden in der gewünschten Etage anhält und ich mich aus dem winzigen Käfig befreien kann.
Bei Unterhaltungen achte ich stets darauf, einen gesunden Abstand zu meinem Gesprächspartner zu halten, um eine angenehme und gepflegte Kommunikation führen zu können. Doch es gibt sie immer wieder, die subtilen Kuschler, die in kurzen Abständen - jedes Wort ein kleiner Schritt - näher rücken. Sie suchen die Nähe, möglichst, um ihr Gegenüber noch anzustupsen oder Gesten noch imposanter vorführen zu können. Weicht man nicht aus, sieht man sich ein paar Minuten später Schulter an Schulter, Nase an Nase zu seinem Gesprächsteilnehmer. Mit einer gesunden Komfortzone passiert aber etwas anderes: man weicht automatisch zurück. Und so entsteht ein Wandergespräch. Je nach Dauer dieser Kommunikation findet man sich plötzlich an einem völlig anderen Ort vor. Den Kuschler beeindruckt das allerdings wenig - ohne Unterlass versucht er, in die Wohlfühlzone seines Gegenübers einzudringen, sucht die Nähe, um zu stupsen und zu drücken. Warum man sein Gegenüber überhaupt während einer Konversation anstoßen muss, hat sich mir bis heute übrigens nicht erschlossen. Ein Schulterklopfer oder ein gezielter Stoß gegen den Oberarm untermalen das Gespräch mit einem negativen Beigeschmack vor allem, wenn es in völliger Euphorie unter Einbuße der Kontrolle des Schlages geschieht. Das schmerzverzerrte Gesicht des Gegenübers scheint dem Kuschler in seinem Vorhaben keinen Abbruch zu tun. Ich bin gnadenlos, bevor ich gestupst werde, wander ich weiter, mit dem Hintergedanken, ob es ihm wirklich nicht auffällt. Hier hat sich bewährt, am besten Richtung Tür zu wandern, man kann diese belanglos im Gespräch öffnen und den Kuschler hinauslaufen lassen. Tür zu. Gespräch beendet. Ohne Hämatome an den Oberarmen.
Dann gibt es noch die Busserl-Begrüßer. Ob privat oder geschäftlich, ich möchte entscheiden, wem ich die Hand gebe oder wen ich busserl. Und gebusserlt wird - man ahnt es bereits - bei mir äußerst selten. Doch kommt man leider manchmal nicht umhin, da das Gegenüber - was man schlimmstenfalls nicht einmal kennt - die ausgestreckte Hand ergreift, einen heranzieht und fröhlich darauflosbusserlt, ob man möchte oder nicht, spielt hier keine Rolle. Kurz darauf folgt eine kurze Verwirrung - 2 oder 3 Busserl auf die Wangen, meistens steht einer noch mit kussmundgeformten Lippen und halb geschlossenen Augen da, während der andere (das bin ich) bereits mit großen Schritten in die sichere Komfortzone zurückläuft. Das ist unhöflich, aber es verwirrt mich ebenso wie mein Gegenüber und es überrascht mich immer wieder, dass meine eindeutige Körpersprache mit einem zurückgelehnten Oberkörper und einer weit nach vorn ausgestreckten Hand missinterpretiert wird und ich offensichtlich so aussehe, als müsste ich unbedingt herzhaft gebusserlt werden.
Schutzlos ausgeliefert ist meine Komfortzone in der Sauna. Was ein Widerspruch in sich ist, denn ich möchte mich wohlfühlen und zwar während des ganzen Aufenthaltes dort. Doch wenn man die Aufgusszeiten nicht vorher auswendig gelernt hat, entstehen Situationen wie zuvor im Aufzug beschrieben. Die Tür geht auf und eine Horde wellness- und aufgussbegeisterter Saunierer stürmen die Sauna. Sie laufen über mein Handtuch - und ganz ehrlich: FÜßE haben schon gar nichts in meiner Komfortzone zu suchen! Ich habe selber 2 gesunde Füße, das reicht für meine Zone, mehr müssen da nicht rein. Und schon überhaupt nicht auf mein Handtuch! Die Sauna wird geflutet, die Menschen quetschen sich nebeneinander und dann das Desaster: verschwitzte Arme drücken von links und rechts an meine. Mit einem angeekelt-empörten Blick versuche ich meinen Mitsaunierern klar zu machen, dass ich das unter gar keinen Umständen möchte! Sie akzeptieren.... und fangen an, sich mit ihrem Schweiß einzureiben! Erstarrt sitze ich ohne Komfortzone dort, nicht fähig zu fliehen, die Tür ist bereits geschlossen, der Aufguss beginnt, ich bin gefangen. Nach 10 Minuten verlasse ich blass und angespannt die Sauna und schwöre, nie wieder an einem Aufguss teilzunehmen.
Sofern ich denn später alt und grau bin und einen Gehstock benötige, sollte meine Wohlfühlzone geschützt sein, denn jeder Eindringling wird sofort mit dem Stöckchen gepiekst und in seine richtige Position geschubst. Und wehe, er versucht mich anzustoßen...
Freitag, 21. September 2012
Morgenmuffel
"Guten Morgeeeeeeeeen!!!!!!!!"
"....."
Außer einem kehligen Raunen darf man von mir keine Antwort erwarten. Und je fröhlicher der morgendliche Gruß ausfällt, desto wütender und muffeliger werde ich. Und desto schlechter wird der Morgen des vermeintlich freundlich Grüßenden. Ich hasse gute Laune am frühen Morgen, ebenso wie die Menschen mit den Kreissägen, die man tatsächlich deutschlandweit überall antrifft. Man kann hinziehen, wo man will, irgendwo wohnt er, der Mann mit der Kreissäge und er zögert nicht, diese in aller Herrgottsfrühe samstags morgens zu benutzen. Und wenn es keine Kreissäge ist, ist es ein Rasenmäher. Und es muss natürlich samstags morgens sein, um den Leuten, die einen gesunden Schlaf haben und sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche auf einen Tag des Ausschlafens freuen, zu zeigen, wie arbeitsfreudig man morgens um 8 Uhr schon sein kann. Und wie lange man mit einer Kreissäge durcharbeiten kann. Irgendwann werde ich ihn finden... Es gibt nur ein Problem: wenn ich aufwache, bin ich keiner Sprache mächtig und nur bedingt bewegungsfähig.
Ich wache nicht auf, ich evolutioniere morgens. Angefangen von einem tierischen Knurren, das eindeutig an den hinterhältigen Wecker gerichtet ist, schaffe ich es nach etwa 5 Minuten, meinen Arm soweit zu bewegen, dass meine Hand in Höhe des Weckers gelenkt wird. Dann werden die Muskeln entspannt, die Hand landet mehr oder weniger gezielt auf der "Snooze"-Taste und ich schlafe weiter. Für 5 Minuten. Das Spiel wiederholt sich etwa viermal, dann ist der linke Arm wach. Mühsam lasse ich mich aus dem Bett fallen, die Beine funktionieren - meistens. Der Rücken ist die aufrechte Position noch nicht gewöhnt und so schleifen die Handrücken mehr oder weniger über den Boden - wie ein Neandertaler übe ich mich am aufrechten Gang. Glücklicherweise funktioniert mein Orientierungssinn, der mich ordnungsgemäß ins Badezimmer leitet. Dies funktioniert allerdings nur in der eigenen Wohnung, schlafe ich woanders, stellt sich mir das ein oder andere Mal heimtückisch eine Wand in den Weg - die ich nicht sehe, denn die Augenlider sind noch schwer und geschlossen. Glücklicherweise, denn so bleibt mir der Blick in den Spiegel erspart, der mich vermutlich unwillkürlich zurückschrecken ließe. Nach der Dusche kann ich aufrecht gehen, bin der Sprache allerdings noch nicht mächtig. Hier ist es wichtig, etwaigen Besuch vorzuwarnen. Wir bekommen keine Probleme, sofern er auch ein Morgenmuffel ist, es wird kurz und freundlich geknurrt und jeder schleppt sich weiter seines Weges. Sollte allerdings ein fröhlicher Frühaufsteher da sein, könnte sein Morgengruß durch ein Fauchen erwidert werden und dies gilt es durch eben jene Warnung zu vermeiden. Auf zur Kaffeemaschine. Mein Orientierungssinn bringt volle Leistung, der linke Arm ist bereits zur Höchstform aufgelaufen. Nachdem der Kaffee die Kehle runterrinnt, kann ich langsam mit Sprachübungen starten. Es ist kein richtiges "Guten Morgen", mehr ein "mrgnnnnn"... Vokale sind zu umständlich für die frühe Uhrzeit.
Äußerst unglücklich ist es, wenn es in der Familie einen Frühaufsteher und zwei Morgenneandertaler gibt. Meine Mutter ist ein fideler Frühaufsteher und wenn ich damals zur Schule musste, hatte man das Gefühl, die 2000 Worte, die sie in einer Stunde des Wachseins nicht aussprechen konnte, weil niemand freiwillig so früh aufsteht, mussten raus, wenn ich aufwache. Die Worte verhallten zwischen den drei Weckern und meinem Knurren. Fragen, die mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden konnten, waren zumindest irgendwie zu handhaben mit einem kurzen "grm" für "ja" und "grmgrmmmm" für "nein". Bis sie mich aus den Federn geschmissen hatte, war sie meist mit den Nerven am Ende, aber irgendwie hatte sie sich noch ein Stück guter Laune aufgehoben für den zweiten Morgenmuffel... meinen Vater. Während ich bereits bewegungsfähig aus dem Bad lief, wurde er freundlich geweckt, gefolgt von 20 Fragen und kurzen Einschüben, was heute morgen schon alles passiert sei. Auch dieses Mal wurde es nur mit einem kurzen Knurren gewürdigt. Ich glaube, einmal hat er es geschafft, "nachher" herauszubringen.
Es ist immer diese kleine Differenz zwischen den Frühaufstehern und den Morgenmuffeln, nur diese eine Stunde am Morgen, die dem glücklichen Tag entgegensteht.
Liebe Frühaufsteher, habt Mitleid mit uns. Wir quälen uns jeden Morgen und wir fänden es auch schöner, gut gelaunt aufstehen zu können. Es geht aber leider nicht - warum auch immer. Egal, wann ich ins Bett gehe, ich werde morgens nicht fit sein - und schon gar nicht freundlich!
Und erst wenn ich im Auto sitze, das Radio einschalte und losfahre, fühle ich mich als Mensch, bis der erste VOLLIDIOT WIE DER LETZTE NEANDERTALER DURCH DIE GEGEND FÄHRT!!!!!!
"....."
Außer einem kehligen Raunen darf man von mir keine Antwort erwarten. Und je fröhlicher der morgendliche Gruß ausfällt, desto wütender und muffeliger werde ich. Und desto schlechter wird der Morgen des vermeintlich freundlich Grüßenden. Ich hasse gute Laune am frühen Morgen, ebenso wie die Menschen mit den Kreissägen, die man tatsächlich deutschlandweit überall antrifft. Man kann hinziehen, wo man will, irgendwo wohnt er, der Mann mit der Kreissäge und er zögert nicht, diese in aller Herrgottsfrühe samstags morgens zu benutzen. Und wenn es keine Kreissäge ist, ist es ein Rasenmäher. Und es muss natürlich samstags morgens sein, um den Leuten, die einen gesunden Schlaf haben und sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche auf einen Tag des Ausschlafens freuen, zu zeigen, wie arbeitsfreudig man morgens um 8 Uhr schon sein kann. Und wie lange man mit einer Kreissäge durcharbeiten kann. Irgendwann werde ich ihn finden... Es gibt nur ein Problem: wenn ich aufwache, bin ich keiner Sprache mächtig und nur bedingt bewegungsfähig.
Ich wache nicht auf, ich evolutioniere morgens. Angefangen von einem tierischen Knurren, das eindeutig an den hinterhältigen Wecker gerichtet ist, schaffe ich es nach etwa 5 Minuten, meinen Arm soweit zu bewegen, dass meine Hand in Höhe des Weckers gelenkt wird. Dann werden die Muskeln entspannt, die Hand landet mehr oder weniger gezielt auf der "Snooze"-Taste und ich schlafe weiter. Für 5 Minuten. Das Spiel wiederholt sich etwa viermal, dann ist der linke Arm wach. Mühsam lasse ich mich aus dem Bett fallen, die Beine funktionieren - meistens. Der Rücken ist die aufrechte Position noch nicht gewöhnt und so schleifen die Handrücken mehr oder weniger über den Boden - wie ein Neandertaler übe ich mich am aufrechten Gang. Glücklicherweise funktioniert mein Orientierungssinn, der mich ordnungsgemäß ins Badezimmer leitet. Dies funktioniert allerdings nur in der eigenen Wohnung, schlafe ich woanders, stellt sich mir das ein oder andere Mal heimtückisch eine Wand in den Weg - die ich nicht sehe, denn die Augenlider sind noch schwer und geschlossen. Glücklicherweise, denn so bleibt mir der Blick in den Spiegel erspart, der mich vermutlich unwillkürlich zurückschrecken ließe. Nach der Dusche kann ich aufrecht gehen, bin der Sprache allerdings noch nicht mächtig. Hier ist es wichtig, etwaigen Besuch vorzuwarnen. Wir bekommen keine Probleme, sofern er auch ein Morgenmuffel ist, es wird kurz und freundlich geknurrt und jeder schleppt sich weiter seines Weges. Sollte allerdings ein fröhlicher Frühaufsteher da sein, könnte sein Morgengruß durch ein Fauchen erwidert werden und dies gilt es durch eben jene Warnung zu vermeiden. Auf zur Kaffeemaschine. Mein Orientierungssinn bringt volle Leistung, der linke Arm ist bereits zur Höchstform aufgelaufen. Nachdem der Kaffee die Kehle runterrinnt, kann ich langsam mit Sprachübungen starten. Es ist kein richtiges "Guten Morgen", mehr ein "mrgnnnnn"... Vokale sind zu umständlich für die frühe Uhrzeit.
Äußerst unglücklich ist es, wenn es in der Familie einen Frühaufsteher und zwei Morgenneandertaler gibt. Meine Mutter ist ein fideler Frühaufsteher und wenn ich damals zur Schule musste, hatte man das Gefühl, die 2000 Worte, die sie in einer Stunde des Wachseins nicht aussprechen konnte, weil niemand freiwillig so früh aufsteht, mussten raus, wenn ich aufwache. Die Worte verhallten zwischen den drei Weckern und meinem Knurren. Fragen, die mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden konnten, waren zumindest irgendwie zu handhaben mit einem kurzen "grm" für "ja" und "grmgrmmmm" für "nein". Bis sie mich aus den Federn geschmissen hatte, war sie meist mit den Nerven am Ende, aber irgendwie hatte sie sich noch ein Stück guter Laune aufgehoben für den zweiten Morgenmuffel... meinen Vater. Während ich bereits bewegungsfähig aus dem Bad lief, wurde er freundlich geweckt, gefolgt von 20 Fragen und kurzen Einschüben, was heute morgen schon alles passiert sei. Auch dieses Mal wurde es nur mit einem kurzen Knurren gewürdigt. Ich glaube, einmal hat er es geschafft, "nachher" herauszubringen.
Es ist immer diese kleine Differenz zwischen den Frühaufstehern und den Morgenmuffeln, nur diese eine Stunde am Morgen, die dem glücklichen Tag entgegensteht.
Liebe Frühaufsteher, habt Mitleid mit uns. Wir quälen uns jeden Morgen und wir fänden es auch schöner, gut gelaunt aufstehen zu können. Es geht aber leider nicht - warum auch immer. Egal, wann ich ins Bett gehe, ich werde morgens nicht fit sein - und schon gar nicht freundlich!
Und erst wenn ich im Auto sitze, das Radio einschalte und losfahre, fühle ich mich als Mensch, bis der erste VOLLIDIOT WIE DER LETZTE NEANDERTALER DURCH DIE GEGEND FÄHRT!!!!!!
Samstag, 15. September 2012
Geisterstunde
Man kann ihn nicht sehen und doch existiert sein Mythos. Niemand konnte sein Dasein je beweisen, doch viele haben von Leuten gehört, die seinen Schatten gesehen haben, seine Anwesenheit spüren konnten. Niemand kennt seinen richtigen Namen, kann sein Aussehen konkret beschreiben. Wenn es ihn gibt, tarnt er sich - wandelt nur in den dunklen Ecken jener Gänge, beinahe lautlos und geheimnisvoll. Ja, er, dessen Name nicht genannt werden kann, ist eine besondere, mysteriöse Spezies. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, der Sage nachzugehen und jenes Rätsel zu lösen und Licht hinter den dichten Nebelvorhang zu bringen. Gibt es ihn wirklich - den Baumarktmitarbeiter?
Ich gehöre zu der großen Gruppe der "Ich-möchte-auf-gar-keinen-Fall-in-einen-Baumarkt,-muss-aber,-weil-ich-sonst-nicht-renovieren/umziehen-kann"-Leute. Und sind wir mal ehrlich, wer kommt bei einem Umzug schon mit einem einzigen Besuch in diesem ungeliebten Laden weg? Beim letzten Umzug habe ich mehrfache Checklisten geführt, um dem Baumarkt so wenig Besuche wie möglich abzustatten. Soweit ich mitgezählt habe, waren doch 6 Fahrten und gefühlte 1000 Stunden nötig, um alles, was man benötigt, zusammenzukramen.
Vor meinem ersten Baumarktbesuch wurde ich bereits vorgewarnt, mich kundig zu machen, was genau ich bräuchte, denn auf Hilfe könne ich hier nicht zählen. Und obwohl mir bewusst war, dass wir in der deutschen Servicewüste leben und nicht auf jeden Verkäufer zählen können, war ich auf DAS nicht vorbereitet. Während ich nach und nach in der unendlichen Weite des Malerbedarfs Kreppband und Pinselchen suchte, wanderten meine Augen von links nach rechts, ob ich nicht doch einen Blick auf einen Mitarbeiter des Baumarktes erhaschen könnte. Ich wusste, dass ich zum unangenehmen Teil schreiten musste, indem ich eine Bohr- sowie eine Schleifmaschine aussuchen musste (keine Sorge, ich habe beides nicht selber benutzt) und würde eine kleine Beratungshilfe benötigen. So begann meine Suche. Zwei Stunden lang lief ich durch die verlassenen Gänge, vorbei an Glühlampen, durch die Sanitärabteilung vorbei am Zuschnitt... und dort, wo eben in der Ferne noch eine Kreissäge erklungen ist, lag nur noch der feine Geruch des Holzes in der Luft. Absolute Stille. Bei den Farben erschrak ich kurz, als mir plötzlich ein Pärchen entgegenkam, die ebenfalls einen Mitarbeiter suchten. Verzweifelte Blicke. Und so musste ich zugeben, dass ich bei meinem ersten Besuch dort keinen Mitarbeiter zu Gesicht bekam. Auch beim 2. und 3. Mal nicht. Beim 4. Mal, sah ich noch das Bein und einen Schuh, welches verzweifelt versuchte, sich durch eine Tür durchzuzwängen, um bloß nicht... zu spät. Ich hatte vorher ein kleines Sprinttraining absolviert und konnte ihn so einholen. Ich sah weiterhin nur das Bein und auf meine Frage, wo die 40 Watt-Glühbirnen versteckt wären, drang aus dem Dunklen eine tiefe Stimme "Gucken Sie mal da, ich hab jetzt Pause". Ja, es mag anstrengend sein, den ganzen Tag auf der Flucht zu sein. Nach Möglichkeit jedem Kunden ausweichen zu müssen und wie ein Ninja durch den Laden zu schleichen, ist sicherlich ermattend.
Dann hatte ich den Plan, mindestens eine Begleitperson mit in den Baumarkt zu schleifen, um dann auszuschwirren. Auf ein Zeichen (z. B. ein Husten oder Pfeifen) sollte der andere demjenigen zu Hilfe eilen und der Mythos Baumarktmitarbeiter umzingelt werden. Und tatsächlich, ich hörte ein Husten, und eilte schnell in jene Richtung; er war umzingelt. Es kam ein schwaches Lächeln von dem Herrn, der nervös seine Brille zurecht rückte, da war klar: wir hatten den Falschen! Einen roten Pulli anzuziehen ist im Baumarkt offensichtlich kein Vorteil.
Doch dann kam er, mein Triumph und es ist mir tatsächlich gelungen, einen echten Baumarktmitarbeiter in seiner vollen Lebensgröße zu "fangen". Drei Leute und vier Stunden Tarnung waren dafür notwendig. Der Herr ergab sich seinem Schicksal, guckte unglücklich drein, doch letztlich gab er kompetente, qualifizierte Auskünfte. Es gibt ihn also den Mythos.
Und ich frage mich immer: "Warum?" Unqualifiziert sind sie nicht, unfreundlich auch nicht. Warum gibt es ihn nur in Baumärkten, den scheuen Mitarbeiter?
Und vor etwa einem Jahr habe ich das erste Exemplar getroffen, welches lächelnd mit sicherem Schritt auf mich zuging und fragte "Kann ich Ihnen helfen?" Erschrocken und zu tiefst geschockt taumelte ich zurück und rannte aus dem Baumarkt.
Ich habe diesen gruseligen Ort bis heute nicht mehr betreten. Möglicherweise keine schlechte Taktik von ihm!
Ich gehöre zu der großen Gruppe der "Ich-möchte-auf-gar-keinen-Fall-in-einen-Baumarkt,-muss-aber,-weil-ich-sonst-nicht-renovieren/umziehen-kann"-Leute. Und sind wir mal ehrlich, wer kommt bei einem Umzug schon mit einem einzigen Besuch in diesem ungeliebten Laden weg? Beim letzten Umzug habe ich mehrfache Checklisten geführt, um dem Baumarkt so wenig Besuche wie möglich abzustatten. Soweit ich mitgezählt habe, waren doch 6 Fahrten und gefühlte 1000 Stunden nötig, um alles, was man benötigt, zusammenzukramen.
Vor meinem ersten Baumarktbesuch wurde ich bereits vorgewarnt, mich kundig zu machen, was genau ich bräuchte, denn auf Hilfe könne ich hier nicht zählen. Und obwohl mir bewusst war, dass wir in der deutschen Servicewüste leben und nicht auf jeden Verkäufer zählen können, war ich auf DAS nicht vorbereitet. Während ich nach und nach in der unendlichen Weite des Malerbedarfs Kreppband und Pinselchen suchte, wanderten meine Augen von links nach rechts, ob ich nicht doch einen Blick auf einen Mitarbeiter des Baumarktes erhaschen könnte. Ich wusste, dass ich zum unangenehmen Teil schreiten musste, indem ich eine Bohr- sowie eine Schleifmaschine aussuchen musste (keine Sorge, ich habe beides nicht selber benutzt) und würde eine kleine Beratungshilfe benötigen. So begann meine Suche. Zwei Stunden lang lief ich durch die verlassenen Gänge, vorbei an Glühlampen, durch die Sanitärabteilung vorbei am Zuschnitt... und dort, wo eben in der Ferne noch eine Kreissäge erklungen ist, lag nur noch der feine Geruch des Holzes in der Luft. Absolute Stille. Bei den Farben erschrak ich kurz, als mir plötzlich ein Pärchen entgegenkam, die ebenfalls einen Mitarbeiter suchten. Verzweifelte Blicke. Und so musste ich zugeben, dass ich bei meinem ersten Besuch dort keinen Mitarbeiter zu Gesicht bekam. Auch beim 2. und 3. Mal nicht. Beim 4. Mal, sah ich noch das Bein und einen Schuh, welches verzweifelt versuchte, sich durch eine Tür durchzuzwängen, um bloß nicht... zu spät. Ich hatte vorher ein kleines Sprinttraining absolviert und konnte ihn so einholen. Ich sah weiterhin nur das Bein und auf meine Frage, wo die 40 Watt-Glühbirnen versteckt wären, drang aus dem Dunklen eine tiefe Stimme "Gucken Sie mal da, ich hab jetzt Pause". Ja, es mag anstrengend sein, den ganzen Tag auf der Flucht zu sein. Nach Möglichkeit jedem Kunden ausweichen zu müssen und wie ein Ninja durch den Laden zu schleichen, ist sicherlich ermattend.
Dann hatte ich den Plan, mindestens eine Begleitperson mit in den Baumarkt zu schleifen, um dann auszuschwirren. Auf ein Zeichen (z. B. ein Husten oder Pfeifen) sollte der andere demjenigen zu Hilfe eilen und der Mythos Baumarktmitarbeiter umzingelt werden. Und tatsächlich, ich hörte ein Husten, und eilte schnell in jene Richtung; er war umzingelt. Es kam ein schwaches Lächeln von dem Herrn, der nervös seine Brille zurecht rückte, da war klar: wir hatten den Falschen! Einen roten Pulli anzuziehen ist im Baumarkt offensichtlich kein Vorteil.
Doch dann kam er, mein Triumph und es ist mir tatsächlich gelungen, einen echten Baumarktmitarbeiter in seiner vollen Lebensgröße zu "fangen". Drei Leute und vier Stunden Tarnung waren dafür notwendig. Der Herr ergab sich seinem Schicksal, guckte unglücklich drein, doch letztlich gab er kompetente, qualifizierte Auskünfte. Es gibt ihn also den Mythos.
Und ich frage mich immer: "Warum?" Unqualifiziert sind sie nicht, unfreundlich auch nicht. Warum gibt es ihn nur in Baumärkten, den scheuen Mitarbeiter?
Und vor etwa einem Jahr habe ich das erste Exemplar getroffen, welches lächelnd mit sicherem Schritt auf mich zuging und fragte "Kann ich Ihnen helfen?" Erschrocken und zu tiefst geschockt taumelte ich zurück und rannte aus dem Baumarkt.
Ich habe diesen gruseligen Ort bis heute nicht mehr betreten. Möglicherweise keine schlechte Taktik von ihm!
Mittwoch, 5. September 2012
Stancer´s "Loblied auf die Tüchtigen"
Ich freue mich sehr, dass ich noch einmal die Gelegenheit habe, einen Post von Stancer übernehmen und hier mit seiner Genehmigung veröffentlichen zu dürfen.
Der brillante Blogpost passt nicht nur wunderbar zur derzeitigen Urlaubszeit, sondern ist auch ein gekonnter Angriff auf die Lachmuskeln, obwohl die Ursache dieses Themas einen Aufreger wert ist.
Viel Freude beim Lesen, genießt es!
Die Tage stand in der Zeitung, Umfragen zufolge würden neunundvierzig Prozent der erwerbstätigen Deutschen auch im Urlaub bis zu drei Stunden täglich arbeiten, mit dem Laptop auf Langeoog, dem Tablet auf Teneriffa, dem Smartphone auf den Seychellen oder dem Blackberry am Ballermann; dank moderner Technik muss auch in den entlegensten Winkeln der Welt niemand auf sein Büro verzichten, nur mal eben kurz schauen, wer so schreibt, nur mal eben kurz antworten.
Das ist erschreckend. Umgekehrt bedeutet das doch, einundfünfzig Prozent werden zwei bis drei Wochen lang keinen Gedanken an die Arbeit aufbringen, stattdessen untätig am Strand oder Pool liegen, durch die Gegend wandern oder gar noch nutzloser die wertvolle Zeit vergeuden, und das in der heutigen wirtschaftlich angespannten Zeit: Europa taumelt, der Euro kämpft ums Überleben, und gut die Hälfte der Deutschen macht im Urlaub einfach nur Urlaub; wo soll das hinführen?
Die Folgen diese Erholungs-Egoismus‘ sind gar nicht absehbar, schauen wir nur auf das Gesundheitswesen: Wie die Krankenkassen vermelden, ist in den letzten Jahren die Anzahl der Fälle psychischer Erkrankungen wie Burn Out dramatisch angestiegen, mittlerweile eine feste Größe, tausende von Psychologen verlassen sich darauf, dass dieser Trend anhält, bauen ihre berufliche Existenz darauf auf. Was aber, wenn die Deutschen ihren Urlaub ausschließlich zur Erholung nutzen, neue Kraft tanken für den Job, abschalten, erstarken, am Ende gar weniger krank werden? Was wird dann aus den gut ausgebildeten Psychologen? Einige können sicher umschulen auf Veterinär-Psychologie - auch die Zahl hysterischer Hauskatzen, neurotischer Neufundländer und depressiver Delfine nimmt schließlich unvermindert zu. Aber der Rest? Die stehen auf der Straße, werden psychisch labil und müssen sich bei ihren wenigen verbliebenen Kollegen in Behandlung begeben.
Das Bundesgesundheitsministerium ist alarmiert: wie ein Sprecher verlauten ließ, plant man bereits eine umfassende Vorsorge- und Informationskampagne. So bietet eine führende gesetzliche Krankenkasse seit kurzem die Seminare „Effizienz mit Halbpension“ und „Produktiv - All Inclusive“ für Arbeitnehmer an, eine weitere Krankenkasse prüft die Möglichkeit einer Beitragsanpassung für Nurlauber, die für die schönste Zeit des Jahres keinen vom Arbeitgeber bestätigten Tätigkeitsnachweis vorlegen können.
Gepriesen seid o ihr Tüchtigen. Der Zeitungsartikel hat mir die Augen geöffnet, gleichzeitig nagt das schlechte Gewissen an mir, gehöre doch auch ich zu denjenigen, die am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub einfach eine Abwesenheitsmeldung in Outlook eingestellt, den Rechner heruntergefahren und das dienstliche Mobiltelefon ausgeschaltet haben, bis in zwei Wochen, und tschüs. Zwar werden in dieser Zeit voraussichtlich allein aufgrund meiner Abwesenheit weder Flugzeuge abstürzen noch Atomreaktoren explodieren, auch wird deswegen vermutlich nicht ein einziges Paket später bei seinem Empfänger ankommen.
Doch ich gelobe Besserung. Ab dem nächsten Urlaub. Dabei erscheinen mir drei Stunden täglich angesichts der ernsten Lage zu niedrig gegriffen: zum Wohle des Unternehmens, der Wirtschaft, Deutschlands, der Menschheit sollte man sich für acht bis zehn Stunden nicht zu schade sein. Urlaub wird heutzutage ohnehin völlig überbewertet.
Der brillante Blogpost passt nicht nur wunderbar zur derzeitigen Urlaubszeit, sondern ist auch ein gekonnter Angriff auf die Lachmuskeln, obwohl die Ursache dieses Themas einen Aufreger wert ist.
Viel Freude beim Lesen, genießt es!
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Loblied auf die Tüchtigen
Das ist erschreckend. Umgekehrt bedeutet das doch, einundfünfzig Prozent werden zwei bis drei Wochen lang keinen Gedanken an die Arbeit aufbringen, stattdessen untätig am Strand oder Pool liegen, durch die Gegend wandern oder gar noch nutzloser die wertvolle Zeit vergeuden, und das in der heutigen wirtschaftlich angespannten Zeit: Europa taumelt, der Euro kämpft ums Überleben, und gut die Hälfte der Deutschen macht im Urlaub einfach nur Urlaub; wo soll das hinführen?
Die Folgen diese Erholungs-Egoismus‘ sind gar nicht absehbar, schauen wir nur auf das Gesundheitswesen: Wie die Krankenkassen vermelden, ist in den letzten Jahren die Anzahl der Fälle psychischer Erkrankungen wie Burn Out dramatisch angestiegen, mittlerweile eine feste Größe, tausende von Psychologen verlassen sich darauf, dass dieser Trend anhält, bauen ihre berufliche Existenz darauf auf. Was aber, wenn die Deutschen ihren Urlaub ausschließlich zur Erholung nutzen, neue Kraft tanken für den Job, abschalten, erstarken, am Ende gar weniger krank werden? Was wird dann aus den gut ausgebildeten Psychologen? Einige können sicher umschulen auf Veterinär-Psychologie - auch die Zahl hysterischer Hauskatzen, neurotischer Neufundländer und depressiver Delfine nimmt schließlich unvermindert zu. Aber der Rest? Die stehen auf der Straße, werden psychisch labil und müssen sich bei ihren wenigen verbliebenen Kollegen in Behandlung begeben.
Das Bundesgesundheitsministerium ist alarmiert: wie ein Sprecher verlauten ließ, plant man bereits eine umfassende Vorsorge- und Informationskampagne. So bietet eine führende gesetzliche Krankenkasse seit kurzem die Seminare „Effizienz mit Halbpension“ und „Produktiv - All Inclusive“ für Arbeitnehmer an, eine weitere Krankenkasse prüft die Möglichkeit einer Beitragsanpassung für Nurlauber, die für die schönste Zeit des Jahres keinen vom Arbeitgeber bestätigten Tätigkeitsnachweis vorlegen können.
Gepriesen seid o ihr Tüchtigen. Der Zeitungsartikel hat mir die Augen geöffnet, gleichzeitig nagt das schlechte Gewissen an mir, gehöre doch auch ich zu denjenigen, die am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub einfach eine Abwesenheitsmeldung in Outlook eingestellt, den Rechner heruntergefahren und das dienstliche Mobiltelefon ausgeschaltet haben, bis in zwei Wochen, und tschüs. Zwar werden in dieser Zeit voraussichtlich allein aufgrund meiner Abwesenheit weder Flugzeuge abstürzen noch Atomreaktoren explodieren, auch wird deswegen vermutlich nicht ein einziges Paket später bei seinem Empfänger ankommen.
Doch ich gelobe Besserung. Ab dem nächsten Urlaub. Dabei erscheinen mir drei Stunden täglich angesichts der ernsten Lage zu niedrig gegriffen: zum Wohle des Unternehmens, der Wirtschaft, Deutschlands, der Menschheit sollte man sich für acht bis zehn Stunden nicht zu schade sein. Urlaub wird heutzutage ohnehin völlig überbewertet.
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Samstag, 18. August 2012
Unbegabt
"Das ist aber ein schönes Bild, so bunt. Soll das ein Herbstwald sein?"
"Nein, das ist eine Giraffe!"
So fing es an. Malen war nie meins. Unglücklicherweise malt man sehr viel in seiner Schullaufbahn. Eigentlich werden die Bilder immer anspruchsvoller... mit Fluchtpunkten und Aquarell. Und jeder meiner Klasse entwickelte sich weiter. Die Bilder wurden ausgehängt und die Eltern konnten stolz die Werke ihrer Kinder bestaunen. Meine Eltern nicht. Nie. Die Bilder verschwanden vor der Ausstellung auf mysteriöse Weise. Vielleicht auch Glück für meine Eltern, sonst hätten sie das Trauerspiel noch schön reden müssen.
Einmal sollten wir uns einen Arbeitspartner suchen und ein Portrait zeichnen. Mein Arbeitspartner hat danach nie wieder mit mir gesprochen.
Ton- und Holzfiguren waren da schon einfacher... die Arbeit mit nach Hause nehmen, das Häufchen Elend Mutter in die Hand drücken, die glücklicherweise ein besseres Händchen dafür hatte, und machen lassen. Sie hat eine glatte 2 dafür bekommen.
Es ist nicht so, als hätte ich nicht gewollt, aber ich konnte es einfach nicht. Das hält sich hartnäckig bis heute.
Man kann ja nicht alles können. Dafür könnte man ja sportlich sein. Nunja. Nein. Ich habe mir während des Sportunterrichts zwei Mal den Arm gebrochen. Nicht bei extravaganten Turnübungen, Stabhochsprung oder waghalsigen Figuren am Reck oder an den Ringen. Soweit wäre ich nie gegangen. Ich habe Geräteturnen ohnehin gehasst. Dieser blöde Bock wurde beim Daraufzulaufen immer höher... ein Wolkenkratzer und das vergleichsweise minimalistische Sprungbrett verschwindend klein. Grundsätzlich habe ich eine Sekunde vorher abgedreht und mich wieder hinten in die Schlange eingereiht.
Den Arm hatte ich mir beide Male beim Joggen gebrochen. Einmal bin ich ausgerutscht, das andere Mal gegen die Wand gelaufen. Ja, ich bin schon eine Sportskanone.
Ballspiele endeten in einer Katastrophe. Badminton hat sich mir bis heute nicht erschlossen: ein derart winziger Schläger für einen vergleichsweise großen Ball... Und das Netz... wieso muss da ein Netz hängen?
Brennball.. für mich ein winzig kleiner Ball, den man in der Unendlichkeit der Sporthalle aufheben - im schlimmsten Fall - fangen muss.
Bei Fußball endete der Spaß gänzlich, nachdem ich mit voller Wucht derart heftig angeschossen wurde, dass ich wie ein Pappmännchen zu Boden ging.
Sportfeste waren der Gipfel meiner Erniedrigung. Es gibt viele Fotos mit den Teilnehmern, die stolz ihre Ehren- und Siegerurkunden in den Händen halten. Von mir nicht. Ich war grundsätzlich froh, wenn ich es beim Weitsprung überhaupt in den Sand schaffte, beim Ballwurf niemandem den Ball vor den Kopf warf und beim Laufen die Endmarke erreichte. Mein ganzer Stolz war es, weder mich selbst, noch andere verletzt zu haben.
Aber es gab ja auch Musikunterricht. Angefangen beim Blockflötenspiel. Ich hasse Blockflöten. Dieses dissonante Gefiepe, bei dem man möglichst stolz drein blicken muss, während das Kind mit strahlenden Augen "Alle meine Entchen" zum Besten gibt. Ich habe mich erfolgreich gegen Blockflöten gewehrt und habe mich an dem Keyboard versucht. Nach einigen Übungsstunden und blutenden Ohren meiner Zuhörer gab ich es auf. Zum Wohle meiner Mitmenschen.
Beim Singen im Musikunterricht konnte ich glänzen. Dachte ich. Nach der 3. Stunde nahm unser Musiklehrer mich beiseite. Mit der Bitte, ab sofort nur noch die Lippen zu bewegen, ohne einen Ton zu erzeugen.
Musikalisch bin ich also auch nicht.
All das liegt lange zurück und ich habe mich nie unterkriegen lassen. Grundsätzlich probiere ich neue Sachen aus, um zu sehen, wie talentfrei ich genau in diesem Bereich bin. So weiß ich wenigstens, was ich alles nicht kann. Oder was ich weniger nicht kann.
Bälle, Musikinstrumente und Malwerkzeuge sind aus meinem Leben verschwunden. Ebenso wie eine Werkzeugkiste. Möbel zusammenbauen ist auch eher ein Nicht-Talent von mir. Eigentlich war es nur ein Nachttischchen mit 4 Brettern und 3 Schrauben. Es kostete mich einen Tag, ca. 1 Liter Blut. Schließlich war es fertig, hatte allerdings linkerhand einen Riss von rechts unten nach links oben. Die Kunst ist, es so hinzustellen, dass die Macke nicht mehr auffällt.
Kochen ist ebenso eines meiner vielen Nicht-Talente. Bekannte und Familie nehmen vorher ein großes Mahl ein, denn bei mir gibt es meistens Kleinigkeiten, die zwar gut aussehen können, aber weder satt machen noch besonders schmackhaft sind. Dafür gibt es bei mir genug alkoholische Getränke - als Wiedergutmachung - und zum Nachspülen.
Wenn man nicht-talentiert ist, sollte das größte Talent sein, all sein Nicht-Können charmant zu vertuschen. Es bedarf viel Humor. Und genau das kann ich: über mich selber lachen. Mich davon nicht beeindrucken lassen. Und wenn mich jemand fragt, was ich besonders gut kann, antworte ich: "Nichts. Aber das kann ich richtig gut und mit voller Leidenschaft."
Und dann schaue ich mit verträumten Blick aus dem Fenster und stelle mir vor, wie ich mit einer Gitarre in der Hand an den Ringen Kunststücke vollbringe und nebenher ein Nachttischchen zusammenbaue.
"Nein, das ist eine Giraffe!"
So fing es an. Malen war nie meins. Unglücklicherweise malt man sehr viel in seiner Schullaufbahn. Eigentlich werden die Bilder immer anspruchsvoller... mit Fluchtpunkten und Aquarell. Und jeder meiner Klasse entwickelte sich weiter. Die Bilder wurden ausgehängt und die Eltern konnten stolz die Werke ihrer Kinder bestaunen. Meine Eltern nicht. Nie. Die Bilder verschwanden vor der Ausstellung auf mysteriöse Weise. Vielleicht auch Glück für meine Eltern, sonst hätten sie das Trauerspiel noch schön reden müssen.
Einmal sollten wir uns einen Arbeitspartner suchen und ein Portrait zeichnen. Mein Arbeitspartner hat danach nie wieder mit mir gesprochen.
Ton- und Holzfiguren waren da schon einfacher... die Arbeit mit nach Hause nehmen, das Häufchen Elend Mutter in die Hand drücken, die glücklicherweise ein besseres Händchen dafür hatte, und machen lassen. Sie hat eine glatte 2 dafür bekommen.
Es ist nicht so, als hätte ich nicht gewollt, aber ich konnte es einfach nicht. Das hält sich hartnäckig bis heute.
Man kann ja nicht alles können. Dafür könnte man ja sportlich sein. Nunja. Nein. Ich habe mir während des Sportunterrichts zwei Mal den Arm gebrochen. Nicht bei extravaganten Turnübungen, Stabhochsprung oder waghalsigen Figuren am Reck oder an den Ringen. Soweit wäre ich nie gegangen. Ich habe Geräteturnen ohnehin gehasst. Dieser blöde Bock wurde beim Daraufzulaufen immer höher... ein Wolkenkratzer und das vergleichsweise minimalistische Sprungbrett verschwindend klein. Grundsätzlich habe ich eine Sekunde vorher abgedreht und mich wieder hinten in die Schlange eingereiht.
Den Arm hatte ich mir beide Male beim Joggen gebrochen. Einmal bin ich ausgerutscht, das andere Mal gegen die Wand gelaufen. Ja, ich bin schon eine Sportskanone.
Ballspiele endeten in einer Katastrophe. Badminton hat sich mir bis heute nicht erschlossen: ein derart winziger Schläger für einen vergleichsweise großen Ball... Und das Netz... wieso muss da ein Netz hängen?
Brennball.. für mich ein winzig kleiner Ball, den man in der Unendlichkeit der Sporthalle aufheben - im schlimmsten Fall - fangen muss.
Bei Fußball endete der Spaß gänzlich, nachdem ich mit voller Wucht derart heftig angeschossen wurde, dass ich wie ein Pappmännchen zu Boden ging.
Sportfeste waren der Gipfel meiner Erniedrigung. Es gibt viele Fotos mit den Teilnehmern, die stolz ihre Ehren- und Siegerurkunden in den Händen halten. Von mir nicht. Ich war grundsätzlich froh, wenn ich es beim Weitsprung überhaupt in den Sand schaffte, beim Ballwurf niemandem den Ball vor den Kopf warf und beim Laufen die Endmarke erreichte. Mein ganzer Stolz war es, weder mich selbst, noch andere verletzt zu haben.
Aber es gab ja auch Musikunterricht. Angefangen beim Blockflötenspiel. Ich hasse Blockflöten. Dieses dissonante Gefiepe, bei dem man möglichst stolz drein blicken muss, während das Kind mit strahlenden Augen "Alle meine Entchen" zum Besten gibt. Ich habe mich erfolgreich gegen Blockflöten gewehrt und habe mich an dem Keyboard versucht. Nach einigen Übungsstunden und blutenden Ohren meiner Zuhörer gab ich es auf. Zum Wohle meiner Mitmenschen.
Beim Singen im Musikunterricht konnte ich glänzen. Dachte ich. Nach der 3. Stunde nahm unser Musiklehrer mich beiseite. Mit der Bitte, ab sofort nur noch die Lippen zu bewegen, ohne einen Ton zu erzeugen.
Musikalisch bin ich also auch nicht.
All das liegt lange zurück und ich habe mich nie unterkriegen lassen. Grundsätzlich probiere ich neue Sachen aus, um zu sehen, wie talentfrei ich genau in diesem Bereich bin. So weiß ich wenigstens, was ich alles nicht kann. Oder was ich weniger nicht kann.
Bälle, Musikinstrumente und Malwerkzeuge sind aus meinem Leben verschwunden. Ebenso wie eine Werkzeugkiste. Möbel zusammenbauen ist auch eher ein Nicht-Talent von mir. Eigentlich war es nur ein Nachttischchen mit 4 Brettern und 3 Schrauben. Es kostete mich einen Tag, ca. 1 Liter Blut. Schließlich war es fertig, hatte allerdings linkerhand einen Riss von rechts unten nach links oben. Die Kunst ist, es so hinzustellen, dass die Macke nicht mehr auffällt.
Kochen ist ebenso eines meiner vielen Nicht-Talente. Bekannte und Familie nehmen vorher ein großes Mahl ein, denn bei mir gibt es meistens Kleinigkeiten, die zwar gut aussehen können, aber weder satt machen noch besonders schmackhaft sind. Dafür gibt es bei mir genug alkoholische Getränke - als Wiedergutmachung - und zum Nachspülen.
Wenn man nicht-talentiert ist, sollte das größte Talent sein, all sein Nicht-Können charmant zu vertuschen. Es bedarf viel Humor. Und genau das kann ich: über mich selber lachen. Mich davon nicht beeindrucken lassen. Und wenn mich jemand fragt, was ich besonders gut kann, antworte ich: "Nichts. Aber das kann ich richtig gut und mit voller Leidenschaft."
Und dann schaue ich mit verträumten Blick aus dem Fenster und stelle mir vor, wie ich mit einer Gitarre in der Hand an den Ringen Kunststücke vollbringe und nebenher ein Nachttischchen zusammenbaue.
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