"Guten Morgeeeeeeeeen!!!!!!!!"
"....."
Außer einem kehligen Raunen darf man von mir keine Antwort erwarten. Und je fröhlicher der morgendliche Gruß ausfällt, desto wütender und muffeliger werde ich. Und desto schlechter wird der Morgen des vermeintlich freundlich Grüßenden. Ich hasse gute Laune am frühen Morgen, ebenso wie die Menschen mit den Kreissägen, die man tatsächlich deutschlandweit überall antrifft. Man kann hinziehen, wo man will, irgendwo wohnt er, der Mann mit der Kreissäge und er zögert nicht, diese in aller Herrgottsfrühe samstags morgens zu benutzen. Und wenn es keine Kreissäge ist, ist es ein Rasenmäher. Und es muss natürlich samstags morgens sein, um den Leuten, die einen gesunden Schlaf haben und sich nach einer anstrengenden Arbeitswoche auf einen Tag des Ausschlafens freuen, zu zeigen, wie arbeitsfreudig man morgens um 8 Uhr schon sein kann. Und wie lange man mit einer Kreissäge durcharbeiten kann. Irgendwann werde ich ihn finden... Es gibt nur ein Problem: wenn ich aufwache, bin ich keiner Sprache mächtig und nur bedingt bewegungsfähig.
Ich wache nicht auf, ich evolutioniere morgens. Angefangen von einem tierischen Knurren, das eindeutig an den hinterhältigen Wecker gerichtet ist, schaffe ich es nach etwa 5 Minuten, meinen Arm soweit zu bewegen, dass meine Hand in Höhe des Weckers gelenkt wird. Dann werden die Muskeln entspannt, die Hand landet mehr oder weniger gezielt auf der "Snooze"-Taste und ich schlafe weiter. Für 5 Minuten. Das Spiel wiederholt sich etwa viermal, dann ist der linke Arm wach. Mühsam lasse ich mich aus dem Bett fallen, die Beine funktionieren - meistens. Der Rücken ist die aufrechte Position noch nicht gewöhnt und so schleifen die Handrücken mehr oder weniger über den Boden - wie ein Neandertaler übe ich mich am aufrechten Gang. Glücklicherweise funktioniert mein Orientierungssinn, der mich ordnungsgemäß ins Badezimmer leitet. Dies funktioniert allerdings nur in der eigenen Wohnung, schlafe ich woanders, stellt sich mir das ein oder andere Mal heimtückisch eine Wand in den Weg - die ich nicht sehe, denn die Augenlider sind noch schwer und geschlossen. Glücklicherweise, denn so bleibt mir der Blick in den Spiegel erspart, der mich vermutlich unwillkürlich zurückschrecken ließe. Nach der Dusche kann ich aufrecht gehen, bin der Sprache allerdings noch nicht mächtig. Hier ist es wichtig, etwaigen Besuch vorzuwarnen. Wir bekommen keine Probleme, sofern er auch ein Morgenmuffel ist, es wird kurz und freundlich geknurrt und jeder schleppt sich weiter seines Weges. Sollte allerdings ein fröhlicher Frühaufsteher da sein, könnte sein Morgengruß durch ein Fauchen erwidert werden und dies gilt es durch eben jene Warnung zu vermeiden. Auf zur Kaffeemaschine. Mein Orientierungssinn bringt volle Leistung, der linke Arm ist bereits zur Höchstform aufgelaufen. Nachdem der Kaffee die Kehle runterrinnt, kann ich langsam mit Sprachübungen starten. Es ist kein richtiges "Guten Morgen", mehr ein "mrgnnnnn"... Vokale sind zu umständlich für die frühe Uhrzeit.
Äußerst unglücklich ist es, wenn es in der Familie einen Frühaufsteher und zwei Morgenneandertaler gibt. Meine Mutter ist ein fideler Frühaufsteher und wenn ich damals zur Schule musste, hatte man das Gefühl, die 2000 Worte, die sie in einer Stunde des Wachseins nicht aussprechen konnte, weil niemand freiwillig so früh aufsteht, mussten raus, wenn ich aufwache. Die Worte verhallten zwischen den drei Weckern und meinem Knurren. Fragen, die mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden konnten, waren zumindest irgendwie zu handhaben mit einem kurzen "grm" für "ja" und "grmgrmmmm" für "nein". Bis sie mich aus den Federn geschmissen hatte, war sie meist mit den Nerven am Ende, aber irgendwie hatte sie sich noch ein Stück guter Laune aufgehoben für den zweiten Morgenmuffel... meinen Vater. Während ich bereits bewegungsfähig aus dem Bad lief, wurde er freundlich geweckt, gefolgt von 20 Fragen und kurzen Einschüben, was heute morgen schon alles passiert sei. Auch dieses Mal wurde es nur mit einem kurzen Knurren gewürdigt. Ich glaube, einmal hat er es geschafft, "nachher" herauszubringen.
Es ist immer diese kleine Differenz zwischen den Frühaufstehern und den Morgenmuffeln, nur diese eine Stunde am Morgen, die dem glücklichen Tag entgegensteht.
Liebe Frühaufsteher, habt Mitleid mit uns. Wir quälen uns jeden Morgen und wir fänden es auch schöner, gut gelaunt aufstehen zu können. Es geht aber leider nicht - warum auch immer. Egal, wann ich ins Bett gehe, ich werde morgens nicht fit sein - und schon gar nicht freundlich!
Und erst wenn ich im Auto sitze, das Radio einschalte und losfahre, fühle ich mich als Mensch, bis der erste VOLLIDIOT WIE DER LETZTE NEANDERTALER DURCH DIE GEGEND FÄHRT!!!!!!
Posts mit dem Label Arbeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Arbeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 21. September 2012
Mittwoch, 5. September 2012
Stancer´s "Loblied auf die Tüchtigen"
Ich freue mich sehr, dass ich noch einmal die Gelegenheit habe, einen Post von Stancer übernehmen und hier mit seiner Genehmigung veröffentlichen zu dürfen.
Der brillante Blogpost passt nicht nur wunderbar zur derzeitigen Urlaubszeit, sondern ist auch ein gekonnter Angriff auf die Lachmuskeln, obwohl die Ursache dieses Themas einen Aufreger wert ist.
Viel Freude beim Lesen, genießt es!
Die Tage stand in der Zeitung, Umfragen zufolge würden neunundvierzig Prozent der erwerbstätigen Deutschen auch im Urlaub bis zu drei Stunden täglich arbeiten, mit dem Laptop auf Langeoog, dem Tablet auf Teneriffa, dem Smartphone auf den Seychellen oder dem Blackberry am Ballermann; dank moderner Technik muss auch in den entlegensten Winkeln der Welt niemand auf sein Büro verzichten, nur mal eben kurz schauen, wer so schreibt, nur mal eben kurz antworten.
Das ist erschreckend. Umgekehrt bedeutet das doch, einundfünfzig Prozent werden zwei bis drei Wochen lang keinen Gedanken an die Arbeit aufbringen, stattdessen untätig am Strand oder Pool liegen, durch die Gegend wandern oder gar noch nutzloser die wertvolle Zeit vergeuden, und das in der heutigen wirtschaftlich angespannten Zeit: Europa taumelt, der Euro kämpft ums Überleben, und gut die Hälfte der Deutschen macht im Urlaub einfach nur Urlaub; wo soll das hinführen?
Die Folgen diese Erholungs-Egoismus‘ sind gar nicht absehbar, schauen wir nur auf das Gesundheitswesen: Wie die Krankenkassen vermelden, ist in den letzten Jahren die Anzahl der Fälle psychischer Erkrankungen wie Burn Out dramatisch angestiegen, mittlerweile eine feste Größe, tausende von Psychologen verlassen sich darauf, dass dieser Trend anhält, bauen ihre berufliche Existenz darauf auf. Was aber, wenn die Deutschen ihren Urlaub ausschließlich zur Erholung nutzen, neue Kraft tanken für den Job, abschalten, erstarken, am Ende gar weniger krank werden? Was wird dann aus den gut ausgebildeten Psychologen? Einige können sicher umschulen auf Veterinär-Psychologie - auch die Zahl hysterischer Hauskatzen, neurotischer Neufundländer und depressiver Delfine nimmt schließlich unvermindert zu. Aber der Rest? Die stehen auf der Straße, werden psychisch labil und müssen sich bei ihren wenigen verbliebenen Kollegen in Behandlung begeben.
Das Bundesgesundheitsministerium ist alarmiert: wie ein Sprecher verlauten ließ, plant man bereits eine umfassende Vorsorge- und Informationskampagne. So bietet eine führende gesetzliche Krankenkasse seit kurzem die Seminare „Effizienz mit Halbpension“ und „Produktiv - All Inclusive“ für Arbeitnehmer an, eine weitere Krankenkasse prüft die Möglichkeit einer Beitragsanpassung für Nurlauber, die für die schönste Zeit des Jahres keinen vom Arbeitgeber bestätigten Tätigkeitsnachweis vorlegen können.
Gepriesen seid o ihr Tüchtigen. Der Zeitungsartikel hat mir die Augen geöffnet, gleichzeitig nagt das schlechte Gewissen an mir, gehöre doch auch ich zu denjenigen, die am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub einfach eine Abwesenheitsmeldung in Outlook eingestellt, den Rechner heruntergefahren und das dienstliche Mobiltelefon ausgeschaltet haben, bis in zwei Wochen, und tschüs. Zwar werden in dieser Zeit voraussichtlich allein aufgrund meiner Abwesenheit weder Flugzeuge abstürzen noch Atomreaktoren explodieren, auch wird deswegen vermutlich nicht ein einziges Paket später bei seinem Empfänger ankommen.
Doch ich gelobe Besserung. Ab dem nächsten Urlaub. Dabei erscheinen mir drei Stunden täglich angesichts der ernsten Lage zu niedrig gegriffen: zum Wohle des Unternehmens, der Wirtschaft, Deutschlands, der Menschheit sollte man sich für acht bis zehn Stunden nicht zu schade sein. Urlaub wird heutzutage ohnehin völlig überbewertet.
Der brillante Blogpost passt nicht nur wunderbar zur derzeitigen Urlaubszeit, sondern ist auch ein gekonnter Angriff auf die Lachmuskeln, obwohl die Ursache dieses Themas einen Aufreger wert ist.
Viel Freude beim Lesen, genießt es!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Loblied auf die Tüchtigen
Das ist erschreckend. Umgekehrt bedeutet das doch, einundfünfzig Prozent werden zwei bis drei Wochen lang keinen Gedanken an die Arbeit aufbringen, stattdessen untätig am Strand oder Pool liegen, durch die Gegend wandern oder gar noch nutzloser die wertvolle Zeit vergeuden, und das in der heutigen wirtschaftlich angespannten Zeit: Europa taumelt, der Euro kämpft ums Überleben, und gut die Hälfte der Deutschen macht im Urlaub einfach nur Urlaub; wo soll das hinführen?
Die Folgen diese Erholungs-Egoismus‘ sind gar nicht absehbar, schauen wir nur auf das Gesundheitswesen: Wie die Krankenkassen vermelden, ist in den letzten Jahren die Anzahl der Fälle psychischer Erkrankungen wie Burn Out dramatisch angestiegen, mittlerweile eine feste Größe, tausende von Psychologen verlassen sich darauf, dass dieser Trend anhält, bauen ihre berufliche Existenz darauf auf. Was aber, wenn die Deutschen ihren Urlaub ausschließlich zur Erholung nutzen, neue Kraft tanken für den Job, abschalten, erstarken, am Ende gar weniger krank werden? Was wird dann aus den gut ausgebildeten Psychologen? Einige können sicher umschulen auf Veterinär-Psychologie - auch die Zahl hysterischer Hauskatzen, neurotischer Neufundländer und depressiver Delfine nimmt schließlich unvermindert zu. Aber der Rest? Die stehen auf der Straße, werden psychisch labil und müssen sich bei ihren wenigen verbliebenen Kollegen in Behandlung begeben.
Das Bundesgesundheitsministerium ist alarmiert: wie ein Sprecher verlauten ließ, plant man bereits eine umfassende Vorsorge- und Informationskampagne. So bietet eine führende gesetzliche Krankenkasse seit kurzem die Seminare „Effizienz mit Halbpension“ und „Produktiv - All Inclusive“ für Arbeitnehmer an, eine weitere Krankenkasse prüft die Möglichkeit einer Beitragsanpassung für Nurlauber, die für die schönste Zeit des Jahres keinen vom Arbeitgeber bestätigten Tätigkeitsnachweis vorlegen können.
Gepriesen seid o ihr Tüchtigen. Der Zeitungsartikel hat mir die Augen geöffnet, gleichzeitig nagt das schlechte Gewissen an mir, gehöre doch auch ich zu denjenigen, die am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub einfach eine Abwesenheitsmeldung in Outlook eingestellt, den Rechner heruntergefahren und das dienstliche Mobiltelefon ausgeschaltet haben, bis in zwei Wochen, und tschüs. Zwar werden in dieser Zeit voraussichtlich allein aufgrund meiner Abwesenheit weder Flugzeuge abstürzen noch Atomreaktoren explodieren, auch wird deswegen vermutlich nicht ein einziges Paket später bei seinem Empfänger ankommen.
Doch ich gelobe Besserung. Ab dem nächsten Urlaub. Dabei erscheinen mir drei Stunden täglich angesichts der ernsten Lage zu niedrig gegriffen: zum Wohle des Unternehmens, der Wirtschaft, Deutschlands, der Menschheit sollte man sich für acht bis zehn Stunden nicht zu schade sein. Urlaub wird heutzutage ohnehin völlig überbewertet.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Abonnieren
Posts (Atom)